Gönnheim RHEINPFALZ Plus Artikel Siebenten WinestreetArtfestival

Die Gruppe Blue Birds bei ihrer Arbeit zu Elwetrische-Island.
Die Gruppe Blue Birds bei ihrer Arbeit zu Elwetrische-Island.

Beim WinestreetArtfestival positionieren sich Künstler auf den abgesperrten Straßen und malen darauf mit Kreide Bilder. Diesjähriges Motto ist „Westwärts“, passend zum Kultursommer Rheinland Pfalz, dem Förderer.

Interessant dabei, wie die Bilder entstehen. In der Regel wird die Fläche in Quadrate aufgeteilt und ein vorbereitetes Bild dann Quadrat für Quadrat übertragen. Deshalb sehen manche in dieser Kunstform auch keine Kunst, sondern eher Kunsthandwerk. Wenige malen aber auch frei, sie beginnen mit der Augenpartie, und arbeiten sich dann voran – nicht wenige messen dann aber doch mit dem Lineal Zentimeter ab.

Sie alle nutzen aber eine oder mehrere Vorlagen. Ein Künstler baut eine große Lupe auf. Er nimmt sie als Hilfe zum Erstellen eines 3D Bildes. Alle Linien laufen dann auf einen Fluchtpunkt hinaus. Von diesem Punkt aus erscheint dann das Bild dreidimensional, von anderen Blickwinkeln erscheint es verzerrt.

Die Straßenkünstler nennt man auch Madonnari. In Italien geht dies auf eine lange Tradition zurück. Einige der Künstler auf diesem Festival kommen tatsächlich aus Italien, malen in erster Linie religiöse Figuren, Maurizio Cannizo beteiligt sich am Wettbewerb heuer aber mit einem Bild von Charly Chaplin. Andere kommen eher aus der Kunstszene oder sind Studierende, die gerne an Festivals teilnehmen.

Zwei große Wandgemälde

Eine der Straßenkünstlerinnen, Celina Fischer, ist Erzieherin, sie malt eine Indianerin im Pocohontasstil. Auch beruflich leitet sie Kinder zum Malen an. Richtig begonnen hat sie mit dem Malen während der Pandemie. Man durfte ja „raus“, aber eben nicht „weg“ und keine Leute treffen.

Gleichzeitig entstehen dieses Jahr zwei große Wandgemälde. Die Gruppe Blue Birds entwickelte ihre Szenerie der Elwetrische-Island weiter, zu fünft gestalteten sie ein Flugobjekt auf einer ganzen Hauswand. Am Anfang wüssten sie nie so genau, wie es aussehen wird, das Bild würde sich entwickeln. So haben sie auf der Wand beispielsweise einen Hammer entdeckt, der von einem vorherigen Kunstwerk stammt, das sie übermalen werden.

Aus Respekt vor ihrem Vorgänger wollen sie den Hammer erhalten, wissen aber noch nicht wie, das wird sich am Ende zeigen. Momentan fliegt er etwas verloren vor ihrem gemalten Flugschiff umher.

2000 Meilen unter dem Meer

Auch ist ein Teil des Putzes der Fassade abgeplatzt – auch diese Unterschiede des Untergrundes werden sie einarbeiten, das Ergebnis soll dann so aussehen, als breche das Luftschiff durch die Wand.

An einer anderen Wand arbeitet dagegen Leonidas Giannakopulos alleine ein hausgroßes Bild im Steempunk Stil von Jules Verne: eine Anspielung auf eine Comiclesung am Montag über Jules Vernes ein Lesekonzert 2000 Meilen unter dem Meer.

Interessant ist, dass die Wändemaler keinen näheren Kontakt zu den Straßenmalern pflegen. Ihre Kunst kommt aus der Tradition der Graffitimaler, sie sprühen, sie wollen sich verewigen. Es sei eine Art Lebensstil, sagt einer der BlueBirds. Man möchte auf möglichst vielen Wänden seinen Namen sehen, dafür reist man zu Orten, wo man die Möglichkeit dazu hat, es gäbe überall auf der Welt Wandmaler, sie sind gut über das Internet vernetzt. Billig sei das Hobby allerdings nicht, die Farbe und die Reisen kosten, auch mache man sich durchaus Gedanken, wie man umweltfreundlicher malen oder sprühen könnte. Manchmal bekommen sie Restfarben von großen Farbmischereien, die Fehlgemische müssten sonst verbrannt werden.

Mit Wasser abwischen

Die Umweltfrage stellt sich dagegen bei den Straßenmalern weniger. Die Kreide, es geht sogar Tafelkreide- lässt sich einfach mit Wasser abwischen. Dass die Gemälde verschwinden werden, stört sie nicht. Man wisse das ja vorher – und man hats im Gedächtnis oder kann Fotos machen. Sie leben für den Augenblick, sagt eine der Malerinnen.

Die Besucher durften auch selbst tätig werden: Beim Workshop von Natalia Schäfer „Mutig Malen“ zum Beispiel bekommen die Teilnehmer Material gestellt und durch eine spezielle Kreativitätstechnik kommt man zum Malen. Nach dem Motto: nur Mut, jeder ist ein Künstler.

Es gab noch weitere Workshops, wie einer zu Cyanotypografie, einer Art Blaudruck oder auch ein Stylewriting-Workshop, bei dem man lernt, selbst Grafitti auf die Wand zu sprühen. Man hätte sogar von der Organisatorin Kreide gestellt bekommen, und hätte selbst tätig werden dürfen.

Wahrscheinlich aus Respekt vor den Künstlern nutzte die Möglichkeit niemand. Vielleicht nächstes Jahr.

Info

Alle Kunstwerke wird man auf der Homepage www.goennheim.de sehen können.

Leonidas Giannakopulos’ Bild von Jules Verne.
Leonidas Giannakopulos’ Bild von Jules Verne.
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