Wachenheim
Schmale Gehwege und fehlende Schilder: SPD nennt Problemstellen in Wachenheim
Gerade hat es noch geregnet, Fußgänger sind beim RHEINPFALZ-Rundgang mit Mitgliedern der SPD-Fraktion keine unterwegs. Dass das schon mit ein paar Sonnenstrahlen anders aussehen kann, wissen alle, die beispielsweise an einem milden Frühlingsabend durch Wachenheim laufen. Wenn die Tische und Bänke der Gastronomen auf den Gehsteigen stehen und die Fußgänger auf die Straße ausweichen müssen, beschreibt Isabelle Euler ein durchaus gängiges Bild.
Wie an vielen Orten an der Weinstraße konkurrieren Autofahrer und Fußgänger um den geringen Platz im Ortskern. Die SPD-Fraktion im Wachenheimer Stadtrat hatte deswegen kürzlich einen Antrag vorgelegt, der mit „Sicherheit für Wachenheims Fußgänger und barrierefreies Wachenheim“ überschrieben war. Kurz wurde diskutiert. Die Ratsmitglieder nannten beobachtete Probleme, letztlich verwies der Rat das Thema in den betreffenden Ausschuss. Wie es weitergeht, ist noch offen. Auf was es der SPD ankommt, lässt sich hier im Wachenheimer Ortskern aber gut aufzeigen.
Nicht jeder hält sich ans Tempolimit
Probleme hängen auch mit dem Verhalten der Autofahrer zusammen, beschreiben es die Mitglieder der SPD-Fraktion. Eigentlich ist auf weiten Teilen der Weinstraße in Wachenheim, wenn auch nicht auf allen, Tempo 30 vorgeschrieben. Dass sich nicht jeder daran hält, weiß Euler aus eigenem Erleben. Sie wohnt an der Weinstraße und höre gerade nachts viele Autos deutlich schneller durch die Stadt rauschen, sagt sie.
Aber auch, wenn sich alle ans Tempo halten würden, wäre der Ortskern aus Sicht der SPD-Mitglieder an einigen Stellen eine Herausforderung für besonders sensible Gruppen wie Kinder oder Gehbehinderte. Vor der Kirche blickt Felix Korb Richtung Bäcker und stellt sich vor, wie jemand mit dem Rollator von dort zum Rathaus gelangen kann – vorbei an der Kirche, über schmale Gehwege und durch Engstellen. „Ich weiß nicht, wie das gehen soll“, sagt er nachdenklich.
Korb selbst hat zwei kleine Kinder. Als die noch im Kinderwagen saßen, sei ihm so richtig klar geworden, dass es in der Ortsmitte schwierig wird. Abgesenkte Bordsteine könnten hilfreich sein. Eine Querungshilfe an der Stelle, wo die Burgstraße in den Ortskern mündet, fänden die SPDler einen weiteren möglichen Ansatz, die Lage zu entspannen.
Bei der SPD sei dieses Thema Barrierefreiheit und Sicherheit für Fußgänger schon im Wahlkampf präsent gewesen, man wolle dranbleiben, betont Korb. Es war nicht der erste Antrag dieser Art, sagt Korb. Auch andere Fraktionen hätten sich bereits dafür eingesetzt. Einig sei man sich im Stadtrat, dass etwas gemacht werden müsse. Aber wann und wie? Er geht davon aus, dass es sinnvoller sei, Anträge eher Schritt für Schritt zu stellen, statt aufs große Gesamtkonzept zu setzen.
Engstelle am Café Schellack
An der Kirche vorbei geht es beim Rundgang die Stufen runter am Brunnen. Auch das ist für Menschen mit Geheinschränkungen ein Problem. Rainer Bergner sieht hier öfter Leute auf der Straße laufen, weil der Gehsteig zu eng ist. Knapp ist es auch am Café Schellack. In der Mitte der Stadt bleibt schon baulich zwischen den Häuserfronten kaum Platz.
An der Tourist-Info fehlt ein Zugang für Rollstuhlfahrer. Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU) hatte im jüngsten Stadtrat eine Lösung mit der Sektkellerei in Aussicht gestellt, das würde aber noch dauern, mutmaßen die SPDler. Euler bringt einen mobilen Treppenlift ins Spiel, um die Situation schon kurzfristig niedrigschwellig zu lösen.
Dass auch an anderen Stellen mit kleineren Mitteln geholfen werden könnte, davon ist Korb überzeugt. Etwa ein Hinweis auf die Behindertentoilette am Rathaus, auch auf dem Spielplatz mit dem Piratenschiff. Das Hinweisschild direkt an der Toilette, das zeigt der Rundgang, ist stark ausgeblichen. „Es ist super, dass es die gibt, aber der Weg ist steinig“, sagt Korb über die Toilette. Ein möglicher Antrag sei einer für neue Schilder, die auf die Behinderten-Toilette am Rathaus hinweisen, überlegt er. Als einen kleinen Schritt zu mehr Barrierefreiheit in Wachenheim.