Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Saison für Schutzimpfung hat begonnen: Was Dürkheimer Arzt und Apotheker raten

Der Schutz bei der Grippe-Impfung hält etwa vier Monate. Der richtige Zeitpunkt muss daher abgepasst werden.
Der Schutz bei der Grippe-Impfung hält etwa vier Monate. Der richtige Zeitpunkt muss daher abgepasst werden.

Wie jedes Jahr im Herbst stellt sich für viele Menschen die Frage, ob eine Grippe-Schutzimpfung sinnvoll ist. Sollte auch eine Covid-19-Impfung in Betracht gezogen werden?

Bei dem Dürkheimer Hausarzt Dr. Michael Mehring hat die Grippe-Impfsaison in dieser Woche begonnen. „Der Impfschutz hält etwa vier Monate und man darf nicht zu früh, aber auch nicht zu spät damit beginnen“, berichtet Mehring, der sich daran erinnert, auch schon einmal zu spät geimpft zu haben, weil die Grippewelle sehr schnell und sehr früh zu beobachten war.

Wer sich impfen lassen möchte, sollte keinen schweren fiebrigen Infekt haben. Eine leichte, banale Erkältung sei jedoch kein Hinderungsgrund. Jugendliche und junge Erwachsene, die in Bereichen mit viel Publikumsverkehr oder im Gesundheitswesen arbeiten, würde er auf Wunsch auch impfen, aber er böte das nicht ausdrücklich an.

Die Corona-Schutzimpfung befürwortet er auch weiterhin, obwohl er beobachtet habe, dass Patienten diese Impfung nach dem Motto „ich mach da nichts mehr“ sehr vernachlässigen. „Ich bin der Meinung, die Covid-Impfung sollte man genauso handhaben, wie den Grippeschutz. Das wird sich in den nächsten Jahren bestimmt so entwickeln“, sagt der Mediziner, der sich auch vorstellen kann, dass ein Impfstoff für beide Erkrankungen entwickelt werden könnte, um dann mit einer Impfung auszukommen.

Auch in der Apotheke kann man sich impfen lassen

Apotheker Nikolaj Stollhof von der Brunnen Apotheke in Bad Dürkheim versichert, dass zurzeit genügend Impfstoff vorhanden sei und die Ärzte alle versorgt werden könnten. Stollhof darf in seiner Apotheke selbst impfen, seine Kunden können telefonisch einen Termin dafür vereinbaren. „Grippe-Impfungen können in Apotheken nur an Personen über 18 Jahren vorgenommen werden, Corona-Impfungen sind ab zwölf Jahren möglich“, erklärt der Apotheker, der bereits seit dem 23. September den Piks setzt.

„Eine Corona-Auffrischung für Personen, die bereits, wie die Stiko es formuliert, ,drei antigene Kontakte’ hatten, halte ich nicht für nötig“, erläutert Stollhof. Wenn es Personen, wie Risikopatienten oder über 60-Jährige gibt, die beide Impfungen benötigen, hält er eine gleichzeitige Impfung gegen Grippe und Corona für unproblematisch und bietet sie in seiner Apotheke auch an.

Von einer simultanen Impfung in beide Arme an einem Tag, hält der Hausarzt Michael Mehring nichts. „Da sollte schon eine Woche dazwischen liegen, wobei es egal ist, mit welcher Impfung man beginnt“, erklärt er. Auf die Frage, welche zusätzlichen Impfungen er gerade den über 60-jährigen Menschen empfehlen würde, rät Mehring zur Impfung gegen Pneumokokken, Gürtelrose und ab 75 Jahren auch gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV), das zu schweren Atemwegserkrankungen führen kann. Die Gürtelrosen-Impfungen empfiehlt der Arzt nicht während der Wintermonate, also der Infekt-Wellen-Zeit, vornehmen zu lassen, weil das Immunsystem nach dem Pieks etwa zwei Tage „sehr stark abgelenkt“ sei.

Was das RKI empfiehlt

Die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) sind auch in diesem Jahr zu Beginn der Grippe-, oder besser gesagt, Influenza-Saison eindeutig. Die ständige Impfkommission (Stiko), die am RKI angesiedelt ist und von diesem organisatorisch und wissenschaftlich unterstützt wird, jedoch inhaltlich unabhängig arbeitet, gibt die gleichen Ratschläge.

RKI und Stiko empfehlen allen Menschen ab dem 60. Lebensjahr die jährliche Grippeschutzimpfung. Personen, die einer Risikogruppe mit chronischen Erkrankungen, wie Asthma, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nieren- oder Leberkrankheiten angehören, sollten sich ebenfalls jährlich impfen lassen. Grundsätzlich kann eine Impfung für alle Menschen ab sechs Monaten sinnvoll sein. Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, medizinischem Personal, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen und Personen, die engen Kontakt zu Risikopatienten haben, wird die Impfung, die im Herbst von Oktober bis Mitte November durchgeführt werden sollte, auch empfohlen.

Soll ich mich gegen Corona impfen lassen?

Das RKI informiert hinsichtlich der Corona-Entwicklung, dass nach aktuellem Stand in Deutschland mehrere Varianten davon im Umlauf seien. Besonders im Fokus stehen sogenannte „Varianten unter Beobachtung“ und „Varianten von Interesse“, die sich durch bestimmte Mutationen von den bisherigen Stämmen unterscheiden können. Die Situation sei jedoch dynamisch, neue Varianten können jederzeit auftreten.

Die Stiko empfiehlt eine Auffrischungsimpfung in der Regel frühestens zwölf Monate nach der letzten Covid-19-Impfung oder nach einer durchgemachten Sars-CoV-2-Infektion, wenn noch keine Grundimmunisierung vorliegt. Diese ist dann erreicht, wenn eine Person beispielsweise drei Impfungen hatte oder zwei Impfungen und eine Erkrankung mit Corona durchlebt hat. Für die oben erwähnten Risikogruppen, Personen über 60 Jahre und Menschen, die starken öffentlichen Kontakt haben, wird eine zusätzliche Auffrischung aber immer empfohlen. Dabei sollte ein an die aktuell kursierenden Virusvarianten angepasster mRNA-Impfstoff verwendet werden. Für gesunde Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wird derzeit keine routinemäßige Auffrischungsimpfung empfohlen.

Training für den Körper

Abschließend rät Hausarzt Mehring dazu, noch mehr auf Hygiene-Maßnahmen, insbesondere auf effektives Händewaschen, zu achten. Das Tragen einer Maske sei aus seiner Sicht jedoch nicht sinnvoll, denn ein „bisschen krank werden gehört eigentlich immer dazu und ist wie ein Training für den Körper anzusehen“. Wer zu Risikogruppen gehöre oder den Kontakt mit schwer Erkrankten pflegen muss, sollte dagegen auf den Mund- und Nasenschutz nicht verzichten.

Rät dazu, aktuell noch mehr auf Hygienemaßnahmen wie Händewaschen zu achten: Hausarzt Dr. Michael Mehring.
Rät dazu, aktuell noch mehr auf Hygienemaßnahmen wie Händewaschen zu achten: Hausarzt Dr. Michael Mehring.
Apotheker Nikolaj Stollhof bietet auch in der Brunnen Apotheke Impfungen an.
Apotheker Nikolaj Stollhof bietet auch in der Brunnen Apotheke Impfungen an.
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