Freinsheim
Regelrechte Besucheranstürme: Beim Blütenfest den Pfälzer Spirit erleben
Pascal Saller und Ilona Riepen waren die Gäste, die zur Eröffnung des Freinsheimer Blütenfestes am Samstag wohl die weiteste Anreise hatten. Rund sechs Stunden Anfahrt aus Hamburg hatten sie dafür in Kauf genommen. „Wir lieben einfach die Pfalz“, so die 51-jährige Ilona Riepen. Ihr Ziel für das Wochenende: „Nette Menschen kennenlernen, leckeren Wein kosten und einfach ein bisschen den Spirit der Pfalz erleben – und mit nach Hamburg nehmen.“
Möglichkeiten dazu gab es jedenfalls genug: Knapp 20 Winzer und Lokale boten ihre Weine und kulinarische Köstlichkeiten an. „Genießen Sie unsere Weine, die Atmosphäre und die Zeit miteinander“, hatte die Freinsheimer Weinprinzessin Sina I. die Besucher aufgefordert – im Beisein von fünf weiteren Weinhoheiten aus der Urlaubsregion Freinsheim, Erpolzheim, Weisenheim am Sand, Friedelsheim, Gönnheim und dem Leiningerland.
Da fühlte sich Caroline Ruppel, die mit der Familie den Geburtstag ihrer Schwester feierte, gleich doppelt wohl: Schließlich ist die 34-Jährige selbst Weinkönigin in Asbach im Odenwald und kommt schon seit 15 Jahren mehrmals im Jahr in die Pfalz. „Es ist meine zweite Heimat geworden. Die Menschen sind sympathisch und freundlich, es gibt wahnsinnig tolles Essen und Trinken, und Freinsheim ist mit Abstand der schönste Ort“, begründete sie. Nur dass man „den wunderbaren Wein mit Wasser mischt“, daran habe sie sich erst gewöhnen müssen …
Ungezwungene Atmosphäre
Doch nicht nur die klassische Schorle gab es natürlich beim Blütenfest, sondern viele Weingüter – nicht nur im Ortskern, sondern auch in den Außenlagen – präsentierten ihre jungen und frischen Jahrgänge. „Das Gute ist, dass bei diesem Fest die Barriere des Hoftors wegfällt“, meinte Bürgermeister Jochen Weisbrod (CDU). Hemmungen, ein Weingut zu betreten oder etwas kaufen zu müssen, müsse niemand haben. „Die Atmosphäre ist völlig ungezwungen, es herrscht mehr ein Hoffest-Charakter.“
Und die Gäste nutzten die Chance, die verschiedenen Weine zu probieren. Der Weinpass in Form von Abreißbons hat sich dabei bewährt. Und Winzer Maximilian Niederauer konnte sogar eine positive Entwicklung verzeichnen: „Es gab mal eine Zeit, da waren viele mit den Probepässen unterwegs, weil sie dachten, sie bekommen überall einfach eingeschenkt und sie könnten etwas sparen. Aber heute sind die Leute wirklich sehr interessiert am Wein. Sie probieren gerne und fragen auch nach Restsüße und Säure.“ Das bestätigte auch Winzer Philipp Reibold. Seine Bilanz: „Ein gutes und sehr junges Publikum, das interessiert ist, guten Wein zu trinken und auch mal ein etwas ausgefalleneres Essens-Angebot zu testen.“
Großes Rahmenprogramm
Zusätzlich zu den Gaumenfreuden lockten am Wochenende ein Rahmenprogramm mit Kunst-Ausstellungen, Stadtführung und Planwagenfahrten sowie geöffnete Geschäfte am Sonntag. Und auch Musik gab es: Passend eingestimmt auf das Fest hatte zur Eröffnung Mundartsänger Wolfgang Sandel mit seinen Liedern rund um Frühling, Wein und Pfalz, bevor am zweiten Tag dann die Coverband The Cat Pac im Weingut Weisbrod die Zuhörer begeisterte.
Vom Wetter war so manche Veranstalter am Samstag zwar noch etwas enttäuscht, dennoch saßen zahlreiche Gäste selbst bei einstelligen Temperaturen bis abends noch draußen. Die Sonne am Sonntag sorgte dann für regelrechte Besucheranstürme – und ein allseits positives Fazit der Veranstalter. „Aufgrund des guten Wetters sind wir sehr zufrieden!“, bilanzierte Jeanette Weinheimer vom Restaurant Weinreich, und Steffi Modl aus der Weinlounge 08/15 schwärmte: „Es war mega! Vor allem deshalb, weil wir super Gäste hatten, einen DJ, der den Hof gerockt hat, und Bomben-Wetter. Es hat einfach nur Spaß gemacht.“
Seit 30 Jahren regelmäßig da
Für Brigitte und Roland Schiefer aus Mönchengladbach ist klar, dass das diesjährige Blütenfest nicht ihr letztes war. Seit über 30 Jahren kommen sie dazu schon nach Freinsheim – mindestens alle zwei Jahre. „Es ist so schön urig hier“, findet der 74-Jährige, der sich alle Jahre wieder nicht nur auf den Spieß vom Grill, sondern auch auf die Fahrradtour durch den Altleininger Wald freut.
Zum ersten Mal waren dazu auch ihre Freunde Jörg und Birgit Lippert aus Dorsten dabei. „Wir sind überrascht, wie viel Gastronomie es hier gibt“, gaben sie zu. Die Pfalz kannten sie zwar schon, Freinsheim gefiel ihnen jedoch besonders. „Das ist so pittoresk hier“, meinte der 65-Jährige. Für Roland Schiefer ist Freinsheim „der einzige Pfälzer Ort, der nicht so ein reiner Straßenort ist“, sagte er. „Das könnte man nur noch steigern, indem man den Stadtkern autofrei macht – nicht nur zum Frühlingsfest.“