Bad Dürkheim
Pinot und Co. im Römer: Neue Gastgeber setzen auf die Pfalz im Glas
Hinter Jens Schaefer und André Hauer liegen anstrengende Wochen: Zum 1. Januar haben sie die Gasträume im ehemaligen Römer am Römerplatz übernommen und daraus das Pinot und Co. gemacht. Mit dem Römer, sagt Winzer André Hauer, verbinden viele Dürkheimer eine Geschichte: „Fast jeder hat dazu seine eigene Story.“ Diese Verbindung sei in den vergangenen Jahren verloren gegangen. Hauer und Schaefer wollen daran wieder anknüpfen.
Doch davor wartete mehr Arbeit als erwartet auf das Gastgeber-Duo. Die Übergabe sei nicht gelungen gewesen, die Vorgänger hätten beispielsweise die Küche nicht in dem Zustand zurück gelassen, den Hauer und Schaefer erwartet hatten. So wuchsen auch die Investitionen und landeten schließlich im sechsstelligen Bereich. Mit dem Ergebnis sind die beiden Chefs des Pinot und Co. zufrieden – ebenso wie mit dem Verlauf der Mitarbeitersuche. „Das ist im Norden deutlich schwieriger als hier“, sagt Schaefer. Der erfahrene Gastronom soll das Gesicht des Pinot und Co. werden. Seine Weinbar in Bremen hat er zum 1. März verkauft. „André und ich kennen uns seit zehn Jahren, er war zuletzt so etwas wie der Hauswinzer für meine Weinbar. Letztes Jahr hat er mich gefragt, ob ich mir das Projekt vorstellen kann“, erzählt Schaefer, der die Pfalz aus regelmäßigen Besuchen kennt.
Die Anfrage, ergänzt der Gastronom, sei zu einem günstigen Zeitpunkt gekommen – er habe ohnehin eine Luftveränderung geplant. „Wenn ich noch etwas anderes mache, dann jetzt. Ich bin 58 Jahre geworden, und im Alter zieht man doch in den Süden“, sagt Schaefer und lacht.
Die Theke ist niedriger geworden
Der Kontakt mit den Gästen sei Schaefer wichtig, hat Hauer beobachtet. „Die Gastronomie lebt von Persönlichkeiten. Unsere Aufgabe ist es, Jens den Rücken frei zu halten. Ich muss ja auch mal im Weinberg etwas machen“, sagt der Winzer. Inklusive Teilzeitkräfte arbeiten 15 Menschen fürs Pinot und Co.. Um den Kontakt mit den Gästen zu vereinfachen, haben Hauer und Schaefer die Theke niedriger machen lassen. Überhaupt gebe es in der Pfalz nur noch vergleichsweise wenige Theken, hat der Norddeutsche beobachtet.
Und noch in einem anderen Punkt muss er sich umstellen: die Größe der Gläser. Dabei geht es nicht einmal unbedingt um das Pfälzer Dubbeglas, auch das Viertel Wein sei im Norden unbekannt – dort verstehe man unter einem Glas Wein 0,2 Liter, manchmal sogar nur 0,15.
Es gehe darum, einen Ort zu schaffen, an dem Touristen und Einheimische ein Glas Wein oder auch ein Bier trinken könnten – abends und tagsüber, „ohne Essenszwang“, wie Hauer betont. Mittwochs bis sonntags ist ab 11.30 Uhr geöffnet, spätestens um 23 Uhr soll Schluss sein, sonntags früher.
Wer essen möchte, soll ebenfalls fündig werden: Tagsüber gibt es eine Karte mit Pfälzer Tapas und Flammkuchen, dazu ein Tagesgericht. Die Gerichte auf der Abendkarte beschreibt Schaefer als „europäische Bistro-Küche“.
Vor allem Pfälzer Weine
Die Weinauswahl habe man bewusst variabel gehalten – von „easy drinking“ über spontanvergoren bis hin zu alkoholfrei sei alles dabei, sagt Hauer. Dabei sind Winzerkollegen aus Bad Dürkheim ebenso vertreten wie ein Weingut aus der Südpfalz, aus Herxheim oder Grünstadt. „Wir wollten die Bandbreite der Pfalz abbilden“, sagt Hauer. Monatlich wechselnd soll es ein Gastweingut aus einem anderen Anbaugebiet geben. Die Weinkarte sei nicht in Stein gemeißelt, werde aber pfalzlastig bleiben. „Ich muss hier am Römerplatz keinen Lambrusco ausschenken, das würde nicht passen“, sagt Hauer.