Bad Dürkheim Pfarrerin Erdmute Dünkel über die Osterzeit als Einladung zum Glauben

Symbol für die Auferstehung Christi: In der Osternacht werden Osterkerzen entzündet.
Symbol für die Auferstehung Christi: In der Osternacht werden Osterkerzen entzündet.

Zwischen Realismus und Glauben findet Thomas seinen Weg. Ostern zeigt: Vertrauen wächst, wo Christus Leben schenkt.

Johannes 20,29: „Jesus spricht zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ Diese Worte Jesu an Thomas gehören zu den kraftvollsten Aussagen über den Glauben in der gesamten Bibel. Sie sind nicht nur eine Antwort auf die Zweifel des Apostels, sondern auch eine tiefgehende Ermutigung für all diejenigen, die Jesus nicht mit eigenen Augen gesehen haben und trotzdem an ihn glauben. Besonders zu Ostern, dem Fest der Auferstehung, bekommen diese Worte eine besondere Bedeutung.

Entscheidend ist der Kontext dieser Stelle. Thomas, einer der Zwölf, hatte die Erscheinung des auferstandenen Jesus beim ersten Zusammentreffen der Jünger in Jerusalem verpasst. Als die anderen ihm berichteten, dass sie den Herrn gesehen hatten, konnte er es nicht fassen. In seinem Zweifel sagte er: „Wenn ich nicht in seinen Händen das Mal der Nägel sehe und meine Finger in das Mal der Nägel lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich nicht glauben“ (Johannes 20,25). Thomas war ein Realist, der nur das glaubte, was er sehen konnte. Und als solcher verlangte er nach einem greifbaren Beweis.

Universell und zeitlos

Doch als Jesus Thomas acht Tage später begegnet, zeigt sich etwas ganz anderes: Jesus fordert Thomas heraus, seinen Glauben über das Sichtbare hinaus zu setzen. Er spricht: „Reiche deinen Finger her und siehe meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite; und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ (Johannes 20,27). Thomas antwortet darauf mit einem Bekenntnis: „Mein Herr und mein Gott!“ (Johannes 20,28). In diesem Moment ist der Zweifel des Apostels überwunden, und er erkennt in Jesus den auferstandenen Herrn.

Doch dann kommt die Antwort von Jesus in Johannes 20,29, die einen universellen und zeitlosen Wahrheitsgehalt trägt: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Dies sind Worte, die weit über Thomas und seine Zweifel hinausgehen. Sie richten sich an uns, die Generationen nach den Aposteln, die nicht mehr mit ihren physischen Augen Jesus sehen konnten, aber dennoch aufgefordert sind, an ihn zu glauben.

Die Ostergeschichte selbst basiert auf dem Vertrauen der ersten Jünger in das, was mit dem Verstand nicht zu begreifen war: den lebendigen Christus. Der Engel, der den Frauen im Grab begegnet, ruft sie dazu auf, nicht bei den Toten zu suchen, was lebendig ist. Die Auferstehung ist kein bloßes Ereignis der Vergangenheit, sondern ein lebendiges Vertrauen, das auch heute noch in uns wirkt. Jesus ist auferstanden. Und Jesus lebt – auch wenn wir ihn nicht körperlich sehen können.

Ostern ist das Fest des Sieges des Lebens über den Tod, des Lichtes über die Dunkelheit. In der Auferstehung Jesu zeigt sich die Kraft Gottes, die alles Dunkle und Zerbrochene auf der Welt heil macht.

Die Autorin

Erdmute Dünkel ist Pfarrerin in Eisenberg.

„In der Auferstehung Jesu zeigt sich die Kraft Gottes, die alles Dunkle und Zerbrochene heil macht“, erläutert Pfarrerin Erdmute
»In der Auferstehung Jesu zeigt sich die Kraft Gottes, die alles Dunkle und Zerbrochene heil macht«, erläutert Pfarrerin Erdmute Dünkel.
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