Bad Dürkheim
Pfalz-Ausflug endet brutal: Familienvater in Bad Dürkheim von Radfahrer attackiert
Es sollte ein entspannter Familienausflug in die Pfalz werden. In Bad Dürkheim erlebte ein Lampertheimer dann aber einen 1. Mai, der ihm nicht in guter Erinnerung bleiben wird. Denn statt bei einem Getränk am Schubkarchstand am Annaberg in die Weite zu blicken, landete der 36-Jährige im Krankenhaus. Schuld daran war kein Unfall, sondern ein handfester tätlicher Angriff.
Aber der Reihe nach: Als der Lampertheimer mit seiner Frau und der dreijährigen Tochter kurz nach 12 Uhr in Bad Dürkheim eintrifft, ist die Stadt bereits gut gefüllt. Zur üblichen Völkerwanderung, die an jedem schönen Wochenende eintritt, kommen an diesem sonnigen Tag noch weitere Faktoren dazu. In Bad Dürkheim ist gleichzeitig Winzerpicknick und Kunstmarkt. Zwei Veranstaltungen, die zusätzlich Tausende von Menschen anziehen. Der Verkehr in der Kurstadt quält sich entsprechend durch die Straßen und staut sich wie so oft am Wurstmarktkreisel.
Der Lampertheimer findet sich mit Hunderten von Autos im Schleichtempo Richtung Kreisel wieder. Auf der Höhe der Agip-Tankstelle beobachtet er zwei Radler. Er hatte sie kurz zuvor noch überholt. Jetzt aber sind der Mann und die Frau nach seiner Schilderung dabei, sich am Verkehr vorbeizuschmuggeln – und zwar auf ziemlich ungünstige Art und Weise zwischen den Autos hindurch, auf der Mittellinie.
Anzeige bei Polizei
„Macht man das so?“, fragt der 36-Jährige, der sich über die zwei ärgert. Er sei dabei nicht aggressiv aufgetreten, betont er. Was danach passierte, beschreibt er so: Die Frau rollt an ihm wortlos vorbei. Der Mann aber verlangsamt seine Fahrt, hält sich wortlos am Fahrerfenster fest, das halb geöffnet ist, und rüttelt. Um das Fenster zu schützen, lässt der Lampertheimer die Scheibe hinunter. Ein Fehler, wie er rückblickend sagt, denn der Mann nutzt die Gelegenheit und schlägt ihm unvermittelt mit der Faust ins Gesicht.
„Ich habe noch nie einen Faustschlag bekommen oder verteilt“, sagt der 36-Jährige. Er sei in der Situation, die nur wenige Sekunden gedauert habe, erst einmal überfordert gewesen. Zudem habe die Unterlippe sofort stark zu bluten begonnen, und er habe sich zunächst um einen Zahn Sorgen gemacht. Er habe also nicht sofort reagiert und zur Verfolgung angesetzt. Stattdessen habe er einen Meter weiter an der „Sachsenhütte“ angehalten. Ein Paar, das alles beobachtet hat, und weitere Menschen kümmerten sich um ihn.
„Das hat auch im Kopf etwas gemacht“
Glücklicherweise wird der Lampertheimer wohl keine bleibenden Schäden davontragen. Die Wunde heilt gut. Er hat sie gleich in der Bereitschaftszentrale des Evangelischen Krankenhauses behandeln lassen. An diesem Mittwoch war er zudem beim Hausarzt, um die Fäden ziehen lassen. Der Zahn ist noch da. Aber: „Das hat auch im Kopf etwas gemacht“, schildert er die nicht körperlichen Folgen des unerwarteten Angriffs. Er ist fassungslos, dass der Mann sofort gewalttätig wurde. „Meine Tochter beschäftigt das auch noch“, sagt er. Sie spreche noch über den Mann, der ihren Vater „gehauen“ hat.
„Wir sind alle manchmal ein bisschen gestresst“, äußert er Verständnis für Überreaktionen, Menschen fühlten sich benachteiligt. Einen doofen Spruch des Mannes als Reaktion hätte er erwartet und in Kauf genommen. Aber so ein Angriff sollte nicht passieren, findet er. „Wie muss ein Mensch drauf sein, wenn er aus einer solchen Situation heraus so handelt?“
Wie oft Menschen gerade im Straßenverkehr die Fassung verlieren und handgreiflich werden, das erfasst die Polizeiinspektion Bad Dürkheim nicht gesondert. Daher lasse sich auch nicht zuordenen, wie viele der im vergangenen Jahr 374 erfassten Körperverletzungen Aggressionen zwischen Verkehrsteilnehmern zuzuordnen seien, teilt die Polizei auf Nachfrage mit. Räumliche und zeitliche Schwerpunkte gebe es nicht, lediglich bei Festen träten gehäuft Handgreiflichkeiten auf.
Dass auch Mediziner immer dann mehr zu tun haben, wenn gefeiert wird, das kann auch Oberarzt Dhingiz Dadashov aus der Unfallchirurgie und Orthopädie des Dürkheimer Krankenhauses bestätigen. Er hat mehrere Jahre lang den Bereitschaftsdienst in der Notaufnahme des Evangelischen Krankenhauses geleitet. Solche Vorfälle häuften sich nach seiner Erfahrung „bei Veranstaltungen mit Alkoholkonsum.“ Statistisch werde das aber nicht erfasst.
„Der Tag war gelaufen“
Der Fall des Lampertheimers liegt der Polizei vor. Der Familienvater hat noch am gleichen Tag Anzeige erstattet. „Nach Abschluss der Ermittlungen wird der Vorgang der Staatsanwaltschaft Frankenthal zur Vorlage gebracht“, teilt die Polizei mit. Der 36-Jährige glaubt derweil nicht, dass der Angreifer für seine Tat geahndet wird. „Mein Sinn nach Gerechtigkeit verlangt es jedoch, hier nicht einfach untätig zu bleiben, sondern zu versuchen, den Täter durch Hinweise ausfindig zu machen.“ Er hofft, dass sich noch weitere Zeugen bei der Polizei melden, die Hinweise auf die Identität des Mannes geben können.
Der Mann ist nach seiner Beschreibung von großer und sportlicher Statur und etwa 45 Jahre alt. Er habe helle, graumelierte Haare und am 1. Mai ein petrolfarbenes Rennradshirt und eine schwarze Radlerhose getragen. Er war in Begleitung einer schlanken Frau mit blonden, langen Haaren. Beide trugen einen Helm und eine Fahrradbrille.
Auf den Annaberg ging es für die Familie am 1. Mai übrigens nicht mehr. Nach Krankenhaus und Polizeistation sei allen die Lust gründlich vergangen. „Ich sah aus wie ein Schwein“, schildert der Lampertheimer seinen Anblick. Er habe schließlich nach dem Vorfall mit Blut verschmierte Kleidung getragen. „Der Tag war gelaufen.“