Freinsheim
Pfälzerwald: Freinsheim reißt ein Loch ins neue Wegenetz
Die Stadt Freinsheim sieht keinen Sinn darin, sich finanziell an dem neuen Konzept für die Grundwanderwege im Pfälzerwald zu beteiligen. Der Stadtrat hat sich am Donnerstag mehrheitlich dagegen ausgesprochen, deswegen seine eigenen Wegekompetenzen an die Verbandsgemeinde Freinsheim zu übertragen. Neun Ratsmitglieder stimmten dagegen, drei dafür, drei enthielten sich. Die Unterhaltung der Waldwege in der VG Freinsheim ist Sache der waldbesitzenden Ortsgemeinden. Dazu zählen auch Weisenheim und Herxheim am Berg sowie Kallstadt. In diesen drei Ortsgemeinden steht die Entscheidung noch aus.
Die Betreuung des neuen Wegenetzes ist als überregionales Projekt geplant und deshalb ist vorgesehen, dass die Ortsgemeinden ihre eigene Verantwortung an die VG Freinsheim übertragen. Auf dieser höheren Ebene wurde bereits im Gremium des Haupt- und Finanzausschusses beschlossen, die neuen einheitlichen Standards für das Grundwegenetz umzusetzen – sofern alle vier Ortsgemeinden zustimmen. Die Gremien von 24 Verbandsgemeinden und Städten in der Pfalz haben bereits beschlossen, dass sie beim dem Projekt dabei sein wollen.
Das Grundwanderwege-Netz umfasst statt zuvor 3500 in abgespeckter Form jetzt nur noch 1950 Kilometer. Die Reduzierung war nötig geworden, weil der Pfälzerwald-Verein sich nicht mehr in der Lage gesehen hat, den touristisch hohen Anforderungen an die Wege gerecht zu werden. Mit dem Bezirksverband Pfalz wurde dann seit 2022 an einer Neukonzeption der Wanderwege gearbeitet.
Wege sollen besser vermarktet werden
Ergebnis ist das Grundwanderwege-Netz, das in einem einheitlichen und qualitativ hochwertigen Zustand erhalten und vermarktet werden soll. Dazu zählt neben einer guten Wegebeschaffenheit auch eine pfalzweit einheitliche Beschilderung. Der Bezirksverband Pfalz, der Pfälzerwald-Verein und die Pfalz-Touristik arbeiten dabei mit 25 Verbandsgemeinden und Städten zusammen, auf deren Gemarkungen die Wege liegen. Schriftlich fixiert ist das in einer Kooperationsvereinbarung.
Auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde Freinsheim verläuft nur einer dieser Grundwanderwege. Er verläuft auf der bisherigen Route „grünes Kreuz“ von Freinsheim nach Weisenheim am Berg (Ungeheuersee) und von dort über den Ganerbenweg, Lindemannsruhe, Bismarckturm und Weilach nach Bad Dürkheim. Der Weg ist hier 22,5 Kilometer lang. Auf einer Strecke von 7,7 Kilometer führt er durchs Waldgebiet der Stadt Freinsheim (34 Prozent). 6,9 Kilometer liegen im Wald von Weisenheim am Berg, 2,8 Kilometer in Kallstadt und 5,1 Kilometer im Herxheimer Wald.
Wirtschaftsministerium will fördern
Die Kosten für das 22-Millionen-Projekt, das vom Mainzer Wirtschaftsministerium zu 75 Prozent gefördert werden soll, errechnen sich nach diesen Anteilen. Sie liegen für die gesamte Verbandsgemeinde Freinsheim bei rund 11.000 Euro. Entsprechend ihrer Wegeanteile sollen diese auf die Ortsgemeinden umgelegt werden. Hinzu kommen noch jährliche Kosten für eine halbe Nachhaltigkeitsstelle ab 2029 in Höhe von 2536 Euro.
Christian Muly (SPD) störte sich im Stadtrat am Donnerstag insbesondere an dieser jährlich zu zahlenden Summe. „Die Folgekosten werden ansteigen“, äußerte er sich überzeugt. Jedoch sei man vertraglich auf 15 Jahre gebunden und müsse diese Kosten mittragen. Angesichts der Haushaltslage sehe er für die Verbandsgemeinde oder die Stadt keinen Mehrwert. Sowieso müsse man doch bei der Beschilderung von Wegen umdenken und sich mehr in Richtung Wanderwege-Apps orientieren, meinte er. „Ich persönlich stelle mir doch meine Wege so zusammen, wie ich sie brauche“, so Muly. Das neue Konzept sei dagegen insbesondere auf Fernwanderwege ausgelegt. Dies gehe doch an den Bedürfnissen der meisten Wanderer vorbei, fand er. „Die meisten laufen ab ihrer Ausgangsposition eine Runde und gehen wieder zurück.“ Jedoch seien die klassischen Rundwanderwege von der Neukonzeption unberührt. „Das sind aber für uns eigentlich die wichtigsten“, meinte Muly.
Ist das Projekt jetzt deshalb gefährdet?
Laut VG-Verwaltung in Freinsheim könnte das neue Wegeprojekt trotzdem an den Start gehen. Eine einheitliche Beschilderung auf der kompletten Wegstrecke sei damit jedoch passé. Die Frage ist jetzt nur, ob auch die anderen drei Ortsparlamente dem Beispiel von Freinsheim folgen werden. Zuletzt wird darüber der Kallstadter Rat am 15. Dezember entscheiden. Falls alle ausscheren, müssten sich die vier Ortsgemeinden überlegen, wie sie ihre Wanderwege künftig gestalten und betreuen wollen. Es bleibt außerdem abzuwarten, wie sich der Pfälzerwald-Verein dann verhält.
Für Verbandsbürgermeister Jürgen Oberholz (FWG) wäre es wichtig, einen Grundstein zu legen für eine einheitliche Beschilderung im Pfälzerwald. Für ihn ist mit der Ablehnung aus Freinsheim „noch nicht aller Tage Abend“.

