Kallstadt
Pfälzer Wurzeln: Was der Kallstadter Bürgermeister Trump schenken würde
Herr Jaworek, Sie konnten Kallstadt beim Fest zum Tag der Deutschen Einheit in der deutschen Botschaft vor mehr als 2000 Gästen in Washington vertreten. Wie haben Sie es erlebt?
Wir hatten Wein dabei und mein Eindruck war, er ist sehr gut angekommen. Vor allem der Riesling war sehr gefragt. Es scheint schwierig zu sein, Pfälzer Wein in den USA zu kaufen. Daneben konnten wir die Auswanderergeschichte zeigen. Auf der Ortsebene kriegen diese Geschichten Namen und Gesichter, in diesem Fall mit Donald Trump und mit der Familie Heinz.
Erwarten Sie einen positiven Effekt, vielleicht zusätzliche Besucher in Kallstadt?
Konkrete Erwartungen, die sich in Zahlen ausdrücken lassen, habe ich nicht. Es war auch nicht meine Absicht, Kallstadt touristisch zu vermarkten. Es war eher der Versuch, das gemeinsame kulturelle Erbe hervorzuheben. Das ist gelungen. Ich habe mit Angehörigen der US-Army gesprochen, die Bad Dürkheim kannten und überlegten, ob sie einmal in Kallstadt waren. Es waren auch Nachfahren jüdischer Menschen da, die vor den Nationalsozialisten geflohen sind. Altersmäßig konnten wir eine breite Gruppe ansprechen.
Donald Trump haben Sie nicht gesehen, aber Sie standen am Weißen Haus. Wären Sie ihm gerne begegnet?
Ich glaube, ich wäre nicht darauf vorbereitet gewesen.
Bundeskanzler Merz hat ihn eingeladen. Erwarten Sie, dass er nach Kallstadt kommt?
Wenn, dann bräuchten wir vor allem die Unterstützung des Landes oder des Bundes, um das stemmen zu können.
Wollen die Menschen in Kallstadt, dass er kommt?
Das Stimmungsbild in Kallstadt ist nicht anders als landauf, landab auch. Sollte Präsident Trump kommen, wird der eine oder andere Bewohner sicher verreisen, weil ihm der Trubel zu viel wird.
Hätten Sie noch ein Geschenk für den US-Präsidenten? Die Geburtsurkunde des Großvaters hat er ja schon.
Wir haben die Geburtsurkunde seiner Großmutter, sogar die Heiratsurkunde der beiden. Es wäre interessant, die Geschichte der Großmutter zu erzählen. Sie hat das Geld, das ihr Ehemann verdient hat, über den Ersten Weltkrieg gut verwaltet, vermehrt und damit den Grundstein für den geschäftlichen Erfolg der Familie gelegt. Ihre frühe Kindheit und Jugend, das Kennenlernen ihres Mannes, der zuvor schon 15 Jahre in den USA war, das könnte noch erzählt werden.
War Trumps Herkunft Thema beim Fest in der Botschaft?
Mir ist aufgefallen, dass viele die Auswanderergeschichte der Trumps gar nicht kannten. Die deutschen Gäste zwar schon, aber jene aus den USA eher nicht.
Über die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft wird viel gesprochen. Haben Sie das vor Ort erlebt?
Mir ist es nicht aufgefallen. Allenfalls bei den Demonstrationen vor dem Weißen Haus, da war es punktuell zu spüren. Wenn man in die deutsche Öffentlichkeit schaut, sieht man das deutlicher. Auf dem Fest war außerdem eine ausgewählte Besucherschaft, die sicher nicht gekommen ist, um politisch die Statements zu setzen. Sie war eher diplomatisch unterwegs.
Hat sich die Reise gelohnt?
Auf jeden Fall, gerade als ehrenamtlicher Kommunalpolitiker ist es interessant, an Gesprächen der großen Politik teilzunehmen. Man erlebt auf einer anderen Ebene die Ergebnisse von Regierungswechseln und Regierungshandeln. Die Folge ist zum Beispiel, dass Weingüter unter Zöllen leiden oder dass Universitäten Einschränkungen der Freiheit erleben.
Konnten Sie Gespräche mit der Landesregierung nutzen, um für Kallstadt gute finanzielle Bedingungen auszuhandeln?
Das war nicht meine Intention. Wir schwimmen als Gemeinde nicht im Geld. Vergangenes Jahr ist der Haushalt erstmals ins Minus gerutscht. Aber wir stehen nicht schlecht da. (Schmunzelnd) Es hat sich außerdem nicht ergeben, mit Innenminister Ebling über die I-Stock-Förderung zu reden.