Herxheim am Berg RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzer Riesling soll in Tokio und Osaka punkten

Thomas Vogel, Geschäftsführer der Herxheimer Winzergenossenschaft, hat in Tokio Kontakte geknüpft.
Thomas Vogel, Geschäftsführer der Herxheimer Winzergenossenschaft, hat in Tokio Kontakte geknüpft.

Der Weinmarkt in Deutschland schrumpft. Die Winzergenossenschaft Herxheim reagiert darauf und will stärker auf Export setzen. Ein Land steht besonders im Fokus.

Die Winzergenossenschaft Herxheim orientiert sich schon seit Langem auch außerhalb Deutschlands: Etwa zwölf Prozent des Weins, der in Herxheim ausgebaut wird, ist fürs Ausland bestimmt – für Skandinavien etwa. 2009 brachten die Pfälzer in Schweden beispielsweise einen lieblichen Weißwein mit dem Namen von Kronprinzessin Victoria auf den Markt. Auch Weintrinker in Belgien und den Niederlanden sind wichtige Abnehmer für die Herxheimer Genossenschaft. Geschäftsführer Thomas Vogel richtet derweil den Blick nach Fernost – genauer gesagt nach Japan. „Dort wird mehr Wein getrunken. Der Pro-Kopf-Verbrauch steigt“, sagt Vogel.

Trotz des guten Rufs, den besonders der Riesling in dem asiatischen Land genießt, entfalle nur ein kleiner Prozentsatz auf deutschen Wein. Stattdessen griffen die Japaner eher zu Rotwein aus Chile oder Frankreich. Dabei passe Riesling doch hervorragend zu traditionellen japanischen Gerichten wie Sushi oder Sashimi, sagt Vogel.

Um den Japanern den Pfälzer Wein schmackhaft zu machen, war Vogel jetzt mit einer Delegation des Bundeslandwirtschaftsministeriums und des Auslandsbüros des Deutschen Weininstituts in Tokio. Insgesamt 30 Weingüter aus Deutschland seien vor Ort gewesen. Unter anderem war Vogel auf der Weinmesse ProWein Tokio dabei.

Wann kommt der erste Auftrag?

In Japan spiele der Online-Markt eine größere Rolle als in Deutschland, hat er beobachtet. Es gibt aber auch Parallelen: Der japanische Weinmarkt sei sehr traditionell, gefragt seien trockener Riesling, Spätburgunder und vielleicht noch feinherber Chardonnay. Alles könnten die Herxheimer Winzer, die etwa 200 Hektar bewirtschaften, flexibel liefern. „50 Prozent des japanischen Weinkonsums läuft in Tokio, 20 Prozent in Osaka“, berichtet Vogel. Er habe fünf bis sechs „sehr gute Kontakte“ knüpfen können – zu großen Kellereien und Importeuren. „Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten drei Monaten den ersten Auftrag erhalten. Wenn wir einen Importeur haben, wird man sich über den Aufbau einer Marke unterhalten für den japanischen Markt“, sagt Vogel.

Pfälzer Wein passe hervorragend zu japanischer Küche, sagt Vogel.
Pfälzer Wein passe hervorragend zu japanischer Küche, sagt Vogel.

In Deutschland hat er einen gravierenden Wandel festgestellt: Wein werde zum anlassgebundenen Lifestyle-Getränk. Die Krise im Weinbau sei nicht vorübergehend, sondern strukturell. „Die Menschen, bei denen täglich Wein auf dem Tisch steht, werden weniger“, sagt er. Außerhalb der Anbaugebiete sei Wein kein Kultur-, sondern ein Luxusgut. Wenn es wirtschaftlich schlecht laufe, bleibe der Wein dort eher mal im Regal stehen. Der Preisschock bei Energie durch den Iran-Krieg und die Anti-Alkohol-Kampagne der Weltgesundheitsorganisation täten ein Übriges.

Keine Sorgen um die Pfälzer Weinbranche

Dennoch ist es den Herxheimern gelungen, den Umsatz 2025 leicht zu steigern. Sorgen um den Pfälzer Weinbau macht sich Vogel nicht – unter einer Voraussetzung: „Für die Region ist es eine große Aufgabe, den Tourismus zu erhalten und auszubauen. Er bringt viele Menschen in die Region. Solange wir den Tourismus erhalten können, mache ich mir auch keine Gedanken über die Pfälzer Weinbranche.“ Die Pfalz punkte mit Authentizität, einem guten Preis-Leistungsverhältnis und einer gewachsenen Festkultur. „Wir sind mit unserem Standort hier in Herxheim gesegnet“, sagt der Geschäftsführer.

Zwölf aktive Winzer beliefern derzeit die Genossenschaft, die derzeit 25 festangestellte Mitarbeiter beschäftigt. Wachsen wolle man aber nicht mehr, sagt Vogel. Stattdessen will man sich auch weiter den Herausforderungen des Marktes stellen. Zusatzprodukte wie alkoholfreier Wein würden immer wichtiger, sagt Vogel. In Norwegen habe man gerade die staatliche Lizenz zum Verkauf der alkoholfreien Linie erhalten. Drei bis vier Prozent machten die alkoholfreien Weine am Umsatz aus – Tendenz steigend. „Wir sind in der Weinbubble drin, unterhalten uns über Rebsorten oder technische Fragen. Aber junge Menschen wollen stärker den Moment genießen“, nennt Vogel einen weiteren Trend. Daran orientiert sich das neueste Produkt der Pfälzer: Der Peak Breeze, der Mate und Wein enthält. Das Getränk, für das Chardonnay und Scheurebe verwendet wird, treffe den „Nerv der jungen Menschen“, ist Vogel überzeugt.

Etwa die Hälfte des japanischen Weinkonsums entfällt auf die Hauptstadt Tokio.
Etwa die Hälfte des japanischen Weinkonsums entfällt auf die Hauptstadt Tokio.
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