Bad Dürkheim
Nach Schockanruf: Vorwürfe gegen die Polizei
„Wir bekamen gegen 16 Uhr einen Anruf. Im Hintergrund hörten wir jemanden jämmerlich schluchzen. Der Anrufer meinte, das sei unser Sohn, der zwar mit uns sprechen wollte, im Moment aber nicht dazu im Stande sei. Denn er habe gerade die Diagnose bekommen: Darmkrebs im Dickdarm, übergehend zum Dünndarm mit Metastasen in der Lunge, und er hätte nur noch Wochen zu leben“, schildert eine 73-Jährige Bad Dürkheimerin ihr Erlebnis vom 20. Januar, das sie bis heute beschäftigt.
Der Anrufer, so die Bad Dürkheimerin, sei perfide vorgegangen: Er habe die schreckliche Nachricht immer und immer wieder wiederholt. „Er fragte auch sehr geschickt, ob es zu dieser Erkrankung eine Vorgeschichte innerhalb der Familie gäbe. Mein Mann fing zwar an zu zittern, blieb aber ansonsten erstaunlich ruhig. Ich wurde völlig panisch“, erinnert sich die Seniorin. Nach einiger Zeit habe der Anrufer einen Vorschlag gemacht: Es gäbe eine Medizin, die den Sohn der beiden vollständig heilen könne – aber nur in der Schweiz. Gegen eine Zahlung von 150.000 Schweizer Franken könne der Anrufer, der sich „Professor Weiss“ nannte, noch am Abend das Medikament in der Schweiz kaufen.
Die Alarmglocken schrillen
Spätestens jetzt schrillten bei dem Ehepaar die Alarmglocken: „Wir sagten, wir hätten nicht so viel Geld zu Hause und müssten erst auf die Bank. Das wiederum wollte die Gegenseite auf keinen Fall. Er wurde langsam sehr unfreundlich und behauptete, wir hätten bestimmt Gold im Haus, unser Sohn hätte es ihm gesagt. Wir sollten einfach alles nehmen, was wir haben und endlich nach Mannheim in die Uniklinik kommen. Wir haben ihn um eine Rückrufnummer gebeten, die natürlich falsch war. Wir haben das Gespräch beendet und seither nichts mehr gehört.“
Ihrem Sohn gehe es gut, schreibt die Seniorin. Doch für sie war die Geschichte noch nicht beendet: „Wir sind dem Rat gefolgt, der immer in der Zeitung zu lesen ist: Gehen Sie zur Polizei. Die haben wir auch gleich angerufen, haben alles im Detail geschildert, aber das hat niemanden interessiert“, echauffiert sich die 73-Jährige. Man hätte sich alles notiert, werde aber nichts unternehmen, zitiert sie die Polizeibeamtin, die den Anruf entgegen nahm. „Sie haben sich weder für die Telefonnummer interessiert, von der aus angerufen wurde, noch für die angebliche Rückrufnummer. Wir waren völlig perplex und fühlten uns total alleine gelassen“, ergänzt die Bad Dürkheimerin.
Wir sind dem Rat gefolgt, der immer in der Zeitung zu lesen ist: Gehen Sie zur Polizei.
Doch was sagt die Polizei zu den Vorwürfen? „Grundsätzlich werden Hinweise auf Betrugsversuche von der Polizei sehr ernst genommen“, betont der stellvertretende Leiter der Bad Dürkheimer Polizeiinspektion, Daniel Mischon. Bei telefonischen Mitteilungen würden die Personalien der Anrufer sowie der geschilderte Sachverhalt aufgenommen und dokumentiert.
Wie werden Anzeigen bearbeitet?
Die weiterführende Sachbearbeitung erfolge bei der zentralen Anzeigenbearbeitung des Polizeipräsidiums Rheinpfalz. Dort würden alle Informationen gesammelt, ausgewertet und sofern Ermittlungsansätze bestehen, entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Das Vorgehen sei insbesondere bei überregional oder international agierenden Tätergruppierungen zielführend. Auch bei Schockanrufen seien Hinweise wichtig – und könnten helfen, die Täter ausfindig zu machen.
Zum konkreten Fall sei festzuhalten, dass ein telefonischer Anruf bei der Polizei „bei der internen Nachbereitung nicht eindeutig verifiziert werden konnte“, so Mischon.
Unabhängig davon sei der von der RHEINPFALZ gegenüber den Beamten dargestellte Sachverhalt entsprechend der beschriebenen Abläufe aufgenommen und weiterbearbeitet worden. „Darüber hinaus ist es mir persönlich ein Anliegen, den geschilderten Vorgang gemeinsam mit dem betroffenen Ehepaar in einem persönlichen Gespräch nachzubereiten. So können offene Fragen geklärt, Abläufe transparent erläutert und Präventionsarbeit geleistet werden“, betont Mischon.

