Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Mitten in der Krise: Warum das Weingut Neu einen Biobetrieb gründet

Friedhelm (links) und Cornelius Neu. Nun soll ein Bio-Weingut beim Familienbetrieb dazukommen.
Friedhelm (links) und Cornelius Neu. Nun soll ein Bio-Weingut beim Familienbetrieb dazukommen.

Tradition trifft Zukunft: Das Leistadter Weingut Neu baut einen Bio-Bereich mit Piwi-Reben auf – geführt werden soll er künftig von Sohn Cornelius.

Das Familienweingut Neu aus Leistadt will mit einem Bio-Weingut durchstarten. „Das neue Bio-Weingut soll für meinen Sohn Cornelius sein, der ist Winzergeselle“, erklärt der 57-jährige Winzer Friedhelm Neu. Eigene Etiketten für die neue Linie gibt es bereits.

Cornelius Neu arbeitet derzeit bei der Winzergenossenschaft Ruppertsberg und möchte später noch den Abschluss als Winzermeister machen. Danach soll er federführend die viereinhalb Hektar Weinberge bewirtschaften, die mit Riesling, Chardonnay, Spätburgunder, Gewürztraminer sowie sechs Piwi-Rebsorten bestockt sind. Noch kümmern sich Cornelius sowie seine Eltern Friedhelm und Heidi gemeinsam um die Flächen.

Strengere EU-Vorgaben

Das Weingut befindet sich aktuell in einer Übergangsphase und stellt die Weichen für die Zukunft. Das rund 18 Hektar große traditionelle Weingut soll schrittweise stärker in Richtung Bio ausgerichtet werden. Gerodete Weinberge sollen künftig verstärkt mit neuen Piwi-Rebsorten bepflanzt werden. „Nachhaltigkeit ist mir wichtig, gerade auch im Weinbau. Ein zukünftiges Bio-Weingut mit Piwis und traditionellen Rebsorten ist deshalb genau das Richtige für mich“, erläutert Cornelius Neu seine Pläne.

Für die Entscheidung zum Bio-Weingut gibt es mehrere Gründe. Viele Weinberge liegen im Naturschutzgebiet Berntal, wo zahlreiche Vorgaben den klassischen Weinbau erschweren. „Dazu kommt, dass wir nur biologische Pflanzenschutzmittel einsetzen dürfen und stärker begrünen müssen, um den Anforderungen eines Bio-Weinguts gerecht zu werden“, erklärt Friedhelm Neu.

Cornelius Neu spricht im Piwi-Bereich – je nach Sorte – sogar von bis zu 80 Prozent weniger Pflanzenschutzmitteln. Auch die strengeren EU-Vorgaben zur Reduzierung solcher Mittel seien ein Argument für die Umstellung. Grundsätzlich gelte im Bio-Weinbau, technische Eingriffe möglichst gering zu halten.

Weichen für die nächste Generation gestellt

Nach Ansicht von Friedhelm Neu bietet Leistadt zudem besondere Voraussetzungen für charakterstarke Weine. „Die Weinberge rund um das hoch gelegene Leistadt wurden nie flurbereinigt. Dadurch konnten viele alte Reben in kleinparzellierten Anlagen erhalten bleiben“, erklärt er. Für ihn sei das noch „echte Erde“, weil durch Flurbereinigungen keine Böden aufgeschüttet oder abgetragen worden seien. Für das 1986 gegründete Familienweingut sei das „ein Schatz“, denn „die Weine von hier sind besonders charakterstark und haben eine wunderbare eigene Note“.

Friedhelm und Heidi Neu haben damit die Weichen für die nächste Generation bereits gestellt. Sohn Cornelius möchte dafür sorgen, dass auch künftig Wein aus dem Hause Neu ausgeschenkt wird. Welcher Wein dabei bevorzugt wird, ist selbst innerhalb der Familie unterschiedlich: Friedhelm Neus Favoriten wechseln je nach Jahrgang zwischen Riesling, Chardonnay und Grauburgunder. Cornelius Neu bevorzugt dagegen den Piwi Souvignier gris. „Der cremige Geschmack gefällt mir, das geht etwas in Richtung Grau- und Weißburgunder“, sagt er. Die Rebsorte gilt zudem als besonders widerstandsfähig gegen Pilzkrankheiten wie Peronospora, Oidium und Botrytis – und benötigt dadurch deutlich weniger Pflanzenschutz.

x