Herxheim am Berg RHEINPFALZ Plus Artikel Mit Muskatellermost: Pfälzer Winzer sorgt mit Craftbeer für Furore

Bringt Wein- und Bierwelt zusammen: Maximilian Bohnenstiel.
Bringt Wein- und Bierwelt zusammen: Maximilian Bohnenstiel.

Gebraut mit Most: Gelber Muskateller liefert das Aroma, eine Mikro-Brauerei aus Hessen den Sud. Das Ergebnis geht weg wie warme Semmeln.

Auch wenn sie es nicht gerne zugeben: Selbst Pfälzer Winzer greifen gelegentlich zum Bier statt zur Rieslingschorle. So wie Maximilian Bohnenstiel. Gerade nach einem anstrengenden Lesetag darf es bei dem Herxheimer schon mal eine Flasche Gerstensaft sein – gerne, wenn das Bier handwerklich gebraut, also ein sogenanntes Craftbeer, ist. „Warum nicht Wein- und Bierwelt zusammenbringen?“, fragten sich Bohnenstiel und Christian Schäfer, einer seiner Kunden. Schäfer ist Garagenwinzer und Bierbrauer aus dem Hessischen. Mit ihrer Idee sorgen sie derzeit für Furore.

Pfälzer Muskatellermost der Schlüssel

Als der Herxheimer im vergangenen Jahr seinen Muskateller presste, zweigte er Most für ein besonderes Projekt ab: Gemeinsam mit einer kleinen Brauerei aus Lahnau hat Bohnenstiel „Grape Ale“ abgefüllt. Außer Hopfen, Gerstenmalz und Wasser besteht das Bier aus Muskatellersaft. „Der Most wird ganz am Anfang hinzugegeben und durchläuft den gesamten Brauprozess. Ein reines Mischgetränk wollten wir nicht machen“, erzählt der 30-Jährige. Daher kann das „Grape Ale“ nur für ein kurzes Zeitfenster nach der Lese hergestellt werden.

Auch die Rebsorte ist kein Zufall: „Wir wollten ein Ale, das sehr fruchtig ist. Hätten wir dafür Burgundermost genommen, wäre das Aroma untergegangen“, erklärt Bohnenstiel, der seit 2024 das Weingut der Familie führt. So fiel die Wahl auf den fruchtig-aromatischen Gelben Muskateller – aus Handlese. „Wir sind extrem zufrieden, der Bierbrauer ist es auch. Er hat gesagt, es ist eines seiner Lieblingsbiere“, erklärt Geisenheim-Absolvent Bohnenstiel. Richtig Fahrt nahm das „Grape Ale“ aus der Pfalz auf, als die Brauerei das Bier auf der Grünen Woche präsentierte. Der Plan B – „im Notfall hätten wir das Ale selber getrunken“ – blieb in der Schublade.

Bei der Brauerei ist das Bier ausverkauft, beim Weingut gibt es noch wenige Flaschen. Viele seiner Kunden seien zunächst skeptisch gewesen. Damit sei es nach dem ersten Probeschluck meist vorbei. „Und am nächsten Tag sind sie wiedergekommen und haben eine ganze Kiste gekauft“, berichtet der Winzer.

Menge soll verfünffacht werden

Vom ersten Jahrgang gibt es nur 900 Flaschen. Zum Vergleich: Das Weingut Bohnenstiel füllt im Jahr 60.000 bis 70.000 Flaschen Wein ab. „Es ist natürlich eine Nische. Wenn die Nachfrage größer wird, werden wir noch mehr machen“, sagt der Geisenheim-Absolvent.

Im Herbst soll die Menge erst einmal verfünffacht werden. Ein Schritt, von dem Winzer derzeit nur träumen können. Hat das Bier auch etwas mit der aktuellen Krise im Weinbau zu tun? „Nein, das war einfach eine Idee, die wir umsetzen wollten. Wobei wir mit unserem Grape Ale Biertrinker für Wein interessieren und umgekehrt“, erklärt der 30-Jährige.

Auch wenn sein Onkel einen Doktortitel im Brauen hat und sein erstes Ale durch die Decke geht – für Bohnenstiel ist klar: „Ich bleibe Winzer.“

x