Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Limburg: Sanierung vor dem Start (mit Bildergalerie)

Im Einsatz für die Limburg: die Denkmalschützerinnen Alexandra Fink und Nadine Neft, dazwischen Yasmin Ullrich vom städtischen B
Im Einsatz für die Limburg: die Denkmalschützerinnen Alexandra Fink und Nadine Neft, dazwischen Yasmin Ullrich vom städtischen Bauamt.

1001 Jahre alt ist die Dürkheimer Limburg. Damit die Klosterruine noch Jahrhunderte durchhält, startet nun die Sanierung. Zunächst wird eine Million Euro investiert.

Sie ist rissig und bröckelt, sie ist an den falschen Stellen bewachsen und doch wunderschön. Auch dann, wenn man die Makel der Klosterruine Limburg dank eines 30 Meter hohen Gerüsts von ganz nah betrachtet.

Den Zerfall der alten Schönheit aufzuhalten, ist eine Aufgabe, der sich die Stadt Bad Dürkheim gerade stellt. Damit beginnt sie bald am nördlichen Querhaus. Die Gesamtkosten für diesen ersten Bauteil betragen rund eine Million Euro, davon werden 830.000 Euro durch Bund und Land gefördert, der städtische Eigenanteil liegt bei rund 170.000 Euro.

Komplexe und feine Arbeit

Losgehen sollen die Arbeiten Ende März, Anfang April, sagt Yasmin Ullrich, Leiterin des Sachgebiets Hochbau. Frost darf es dann nicht mehr geben, sonst könnte neu aufgetragenes Material wieder abbröckeln. Etwa acht bis zehn Menschen werden in diesem Sommer laut Ullrich auf der Baustelle zugange sein und die anspruchsvolle Aufgabe annehmen.

So könnten die sanierten Fugen aussehen: Denkmalschützerin Nadine Neft zeigt eine Probestelle.
So könnten die sanierten Fugen aussehen: Denkmalschützerin Nadine Neft zeigt eine Probestelle.
Baustelle mit Aussicht: Aus 30 Meter Höhe bieten sich reizvolle Blicke auf die Hardenburg.
Baustelle mit Aussicht: Aus 30 Meter Höhe bieten sich reizvolle Blicke auf die Hardenburg.
Die Flechten sind nicht ganz so alt wie die Ruine, sollen aber nach Möglichkeit trotzdem erhalten werden.
Die Flechten sind nicht ganz so alt wie die Ruine, sollen aber nach Möglichkeit trotzdem erhalten werden.
Reste einer uralten Gerüstkonstruktion.
Reste einer uralten Gerüstkonstruktion.
Um die Besucher zu schützen, sind einige Wände mit Netzen gesichert.
Um die Besucher zu schützen, sind einige Wände mit Netzen gesichert.
Risse im Sandstein.
Risse im Sandstein.
Zum Sanierungsstart haben sie sich ein Bild der Lage gemacht. Landtagsabgeordneter Markus Wolf, Alexandra Fink, Bürgermeisterin
Zum Sanierungsstart haben sie sich ein Bild der Lage gemacht. Landtagsabgeordneter Markus Wolf, Alexandra Fink, Bürgermeisterin Natalie Bauernschmitt, Nadine Neft und Yasmin Ullrich.
Das Kloster Limburg wurde im Jahr 1025 von Konrad II. gestiftet.
Das Kloster Limburg wurde im Jahr 1025 von Konrad II. gestiftet.
Trotz der Einschränkungen durch das Gerüst findet der Limburg-Sommer statt.
Trotz der Einschränkungen durch das Gerüst findet der Limburg-Sommer statt.

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Was sie zu tun haben, ist komplex und eine ganz feine Arbeit, erläutern Nadine Neft, Gebietsleiterin bei der Generaldirektion kulturelles Erbe, und Alexandra Fink, Leiterin des Fachbereichs praktische Denkmalpflege und stellvertretende Landeskonservatorin, bei einem Vor-Ort-Termin auf dem 30 Meter hohen Limburg-Gerüst. Vor einem Stück gelben Putzes in luftiger Höhe erklären sie, was ein Fachmann oder eine Fachfrau hier alles wird machen müssen. Die Putze würden hinterfüllt, beschreibt Neft die Arbeit. Manchmal müsse der Mörtel ergänzt werden, um Angriffsfläche zu vermeiden, oder es müssten Risse geschlossen werden. Das alles wird mit kleinen Pinseln oder Bürsten ausgeführt.

Die Fachleute kommen nicht unvorbereitet: Schon seit Langem wird mit Putz und Mörtel an der Limburg experimentiert, um Schäden möglichst unauffällig zu beheben. Dabei liegt der Fokus darauf, die Löcher farblich so zu kaschieren, dass sie mit dem Original harmonieren.

Damals wie heute wird Kalkpulver eingesetzt. „Das Ziel ist immer, möglichst nah am Original zu bleiben“, betont Fink. Die verwendeten Materialien sollen so nah wie möglich an die ursprüngliche Substanz heranreichen. Gleichzeitig gilt es, das bestehende Material zu schützen und nicht zu beschädigen.

Daneben müssen auch Steine gesichert werden, etwa durch Edelstahlnadeln. Wer mal genau hinschaut, wird solche auffälligen kleinen Farbtupfer auf vielen Steinen der Limburg erkennen. Auch frühere Restauratoren haben so versucht, das Gebäude zu sichern. Verkehrssicherung ist überhaupt an mehreren Stellen nötig. Am auffälligsten ist eine „Spange“, die ganz oben an der Limburg zu sehen ist. Die Holzkonstruktion war laut Ullrich aus Sicherheitsgründen vor etwa fünf Jahren installiert worden.

Naturschutz im Blick

Auffällig: Mauerlöcher wurden zugestopft. Diese Maßnahme dient dem Schutz der Natur, wie die Stadtverwaltung und die Denkmalschützerinnen erklären. Ziel ist es, zu verhindern, dass Vögel in den Mauern nisten und durch die Arbeiten gestört werden. Die Klosterruine ist Lebensraum für Fledermäuse, Vögel und Mauereidechsen. Deshalb laufen die Sanierungsarbeiten in Abstimmung mit dem Arbeitskreis Fledermaus und der Unteren Naturschutzbehörde, wie die Stadt betont. Auch Flechten, die sich über Jahrhunderte an den Mauern gebildet haben, spielen eine wichtige Rolle. Sie seien wertvoll und sollen nach Möglichkeit erhalten bleiben, erklärt Neft. Zwar müssten einige Flechten zur Sicherung der Steine entfernt werden, doch werde stets ein Kompromiss zwischen Natur- und Denkmalschutz gesucht. Neft betont: „Auf keinen Fall wird aus rein optischen Gründen etwas gereinigt.“

Anderer Bewuchs an der falschen Stelle muss weichen. Moose und Gräser, die auf der oberen Mauerkante der Limburg wachsen, müssen weg, erklärt Ullrich. Wasser soll sich hier so wenig wie möglich speichern können.

Eine Aufgabe für Jahrzehnte

Im Chor der Limburg eröffnet sich ein besonderer Blick: Die hier erhaltenen Strukturen stammen nicht aus der Romanik, sondern wurden erst später hinzugefügt. „Bei anderen Objekten würden sie ,Juhu’ rufen, wenn sie solche gotischen Putze hätten“, erklärt Neft und verweist auf die Bedeutung der vergleichsweise jüngeren Putzschichten. Auch in Bad Dürkheim sollen diese Putzschichten genauer betrachtet werden, da sie sich bereits an einigen Stellen ablösen. Wann jedoch mit den Arbeiten begonnen wird, ist bisher unklar. Eine Bedarfsermittlung im Jahr 2023 hatte gezeigt, dass an der Limburg umfassende Maßnahmen notwendig sind. Doch die Stadt muss Prioritäten setzen. Alles auf einmal ist finanziell nicht möglich. Der derzeit in Angriff genommene Bereich ist besonders wichtig, da er durch den „Limburg-Sommer“ und die Gastronomie – die trotz Bauarbeiten ganzjährig geöffnet bleibt – stark frequentiert wird. Es wird jedoch ein langwieriger Prozess, der möglicherweise Jahrzehnte dauern wird: „Wenn man hinten fertig ist, fängt man vorne wieder an“, verdeutlicht Neft. Für einen zweiten Bauabschnitt im nördlichen Querhaus hat die Stadt bereits weitere Fördermittel beantragt.

Info

Involviert sind in den Prozess neben der Stadt die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE), die Untere Denkmalschutz- und Naturschutzbehörde, Planung und Bauleitung übernimmt das Ingenieurbüro „Kayser + Böttges“, für die restauratorische Begleitung ist Karen Keller zuständig. Für die konservatorischen Maßnahmen an den Steinen die Firma Leonhard Hanbuch & Söhne GmbH, die Putzkonservierung macht Wibbeke Denkmalpflege.

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