Weisenheim am Sand Lesung im Adler: Geschichten von der Hippie-Insel

Nach vielen Jahren als Musiker schreibt Michael „Josef“ Weiler auch Bücher.
Nach vielen Jahren als Musiker schreibt Michael »Josef« Weiler auch Bücher.

Am Samstag, 21. Oktober, kommt es in der Weisenheimer Kultkneipe „Adler“ zu einer Premiere. Zumindest für den Künstler. Michael „Josef“ Weiler liest aus seinen beiden Büchern.

Nach unzähligen Auftritten in knapp 40 Jahren als Sänger von Bands wie den „Coverdales“ und hauptsächlich der „Schdounz“ – die während ihres Bestehens als eine der besten Rolling Stones-Coverband in der Rhein-Neckar Region galten –, nach etlichen Solo-Alben, darunter einem vielgelobten Kurt Dehn-Tribut Album, wird er nun literarisch, der Michael „Josef“ Weiler. Weiler liest aus seinen beiden „La Gomera“-Büchern, einer Sammlung von Kurzgeschichten rund um die spanische Aussteiger-Insel, die er kennt wie seine Westentasche und vor allem deren skurrile Bewohner, die es ihm ganz besonders angetan haben.

Seit den 1980er Jahren besucht Weiler das kleine, aber landschaftlich äußerst vielfältige Eiland mehrmals im Jahr, unternimmt ausgedehnte Touren durch die nahezu immer noch unberührte, beeindruckende Natur und gerne auch mal durch die nicht ganz so unberührte, aber nicht minder beeindruckende Bar- und Kneipenlandschaft der Insel. Und hat dabei schon die ein oder andere Schnurre erlebt. Denn La Gomera beherbergt als bevorzugtes Auswanderungsziel deutscher Hippies, die seit den 70ern dort leben, einen höchst eigenen Menschenschlag. Leute, die „ihren komplett eigenen Kopf haben, sich von nix und niemand was sagen lassen und dabei noch völlig entschleunigt sind“. Passt zu Weiler.

Erlebtes und Seemannsgarn

Schon im ersten Band hat er tatsächlich Erlebtes mit wild erfundenem Seemannsgarn zu einer wilden Melange aus irrwitzigen Alltagsabenteuern und einer schon in seinen Songtexten durchschimmernden Vorliebe für Wortverdrehungen zusammengeschraubt, im zweiten Band setzt er noch einen drauf. Schon beim Schreiben des ersten Buches sei ihm klar geworden, dass „ich noch so viele Geschichten in petto habe, dass ich eigentlich gleich nahtlos weitergeschrieben habe“. Zumal direkt nach Erscheinen des ersten Teils durch den Corona-bedingten Shutdown ein Besuch seiner Lieblingsinsel sowieso nicht möglich gewesen sei. „Ich habe einen Großteil der Geschichte dann auch völlig neu geschrieben, auch weil ich stilistisch sicherer geworden bin und meine eigene Sprache gefunden habe. Mit dem Autor Andreas Prodehl hatte ich zudem einen hervorragenden Lektor, der schon den ersten Band betreut hat und mich ermutigte, mich ein wenig aus meiner schreiberischen Komfortzone zu bewegen.“

Stilprägend für Weiler sind nach wie vor seine Vorliebe für Wortspiele, die sich wie ein roter Faden durch seine Geschichten ziehen und den Stories einen humoresken Einschlag geben und schon allein dadurch zum Schmunzeln anregen. Herausgekommen ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, in der Weiler seine skurrilsten Erlebnisse auf der Insel wiedergibt, manche seien exakt so geschehen, andere wurden „literarisch leicht überhöht im Sinne der Kunst“, wie er augenzwinkernd zugibt – und wenn es nichts zu „überhöhen“ gab, wurde auch mal frei erfunden. Zum Lachen und Schmunzeln sind die Geschichten gedacht, und das hat sich scheinbar rumgesprochen. Sein vor zwei Jahren im Eigenverlag erschienener Band hat sich mit 400 Exemplaren passabel verkauft, Teil Zwei gleich doppelt so oft. Und das, obwohl Weiler das Werk noch nicht mal offensiv promotet hat.

Auch Unveröffentlichtes dabei

Die Lesung im „Adler“ ist sein erster öffentlicher Auftritt mit den „Gomera“- Stories, weshalb Weiler auch aus beiden Büchern vorlesen wird. Hinzu kommen auch noch zwei bis dato unveröffentlichte Geschichten, der dritte Band wird wohl nicht allzu lange auf sich warten lassen. Und ganz ohne Musik wird es auch beim Leseabend nicht zugehen. Gemeinsam mit seinem langjährigen Partner Dennis Hauck wird Weiler auch immer wieder Songs aus seiner Feder einfließen lassen. Sein letztes mit Hauck produziertes Album „Das Meer lässt mich nicht schwimmen“ war schließlich der Auslöser dafür, diese Bücher überhaupt zu schreiben. „Das Album handelt ausschließlich von meinen Erlebnissen auf der Insel und mir war schnell klar, dass ich diese unmöglich in Vier-Minuten-Songs unterbringen kann. Also hab isch mer gedenkt, schreibscht hald noch e Buch dezu“, grinst der sympathische Pfälzer. Thematisch also eine runde Sache. Musikalisch wie literarisch. Der Eintritt für diesen Abend ist übrigens frei. „Wenn es den Leuten gefällt, können sie ja meine Bücher kaufen“, so Weiler.

Kontakt

„La Gomera – Feuer und Wasser und andere Shortstories“. Bestellung per E-Mail an michaelweilermichael@gmail.com.

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