Bad Dürkheim
Klimawandel: Rettet Vielfalt den Pfälzerwald?
Frau Albe, Sie arbeiten als Natur- und Landschaftsfotografin. Ihre Passion ist der Wald. Wie gut kennen Sie den Pfälzerwald?
Ganz gut, würde ich sagen. Meine Großeltern haben in Knöringen bei Landau gelebt. Als Kind war ich oft dort und dann natürlich auch im Pfälzerwald. Ich erinnere mich noch gut an herbstliche Spaziergänge, bei denen wir Kastanien gesammelt haben. Jetzt wohne ich im Odenwald, was ja auch nicht weit weg ist, und komme häufig in die Pfalz.
Wie würden Sie den Zustand des Pfälzerwalds beschreiben?
Viele Wälder bei uns in Deutschland sind in einem schlechten Zustand. Vier von fünf Bäumen sind laut dem Waldzustandsbericht der Bundesregierung krank. Baumarten, die im großen Stil angebaut wurden, leiden am meisten. Das sind vor allem Kiefern und Fichten. Das ist auch im Pfälzerwald so. Nach der letzten Eiszeit bestand der Pfälzerwald vorrangig aus Buchenwäldern, das hat sich durch das Eingreifen des Menschen geändert.
Wie wird sich der Pfälzerwald verändern?
Das kommt darauf an, wie wir ihn behandeln. Grundsätzlich gilt: Je natürlicher die Zusammensetzung eines Waldes ist, desto fitter und überlebensfähiger wird er sein. Das bedeutet, wir müssen bereit sein, natürliche Prozesse zuzulassen.
Können sich Bäume an veränderte Bedingungen anpassen?
Ja, Baumarten lernen dazu. Die Frage ist, wie schnell sich der Klimawandel vollzieht. Studien mit Rotbuchen zeigen, dass die neue Buchengeneration schon dürreresistenter ist als ältere Bestände.
Welche Lösungen gibt es, um den Wald zu erhalten?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Zum einen ist es essenziell, Stressfaktoren zu reduzieren und der Natur mehr Freiraum zu geben. In einem Wald muss es Bäume allen Alters geben, damit er auf Dauer überlebensfähig ist. Alte Bäume nehmen dabei eine entscheidende Rolle ein. Wir müssen zukünftig auch schonender mit dem Wald umgehen und zum Beispiel Bodenschäden durch Forstfahrzeuge minimieren. Es gibt ausgezeichnete Waldbewirtschaftungsmodelle, die naturbasierte Ansätze verfolgen. Eines davon werde ich in meinem Vortrag vorstellen. Es gibt im Moment auch den vieldiskutierten Ansatz der sogenannten „assistierten Migration“.
Was verbirgt sich dahinter?
Viele Baumarten vermehren sich nicht nur über Samen, sondern auch über die männlichen, sehr leichten Pollen, die mit dem Wind weit getragen werden. Dadurch, dass die Landschaft bei uns sehr zersiedelt ist, haben es Bäume schwer, sich genetisch zu vernetzen. Indem man Baumarten wie zum Beispiel die Orientbuche oder die Steineiche aus dem Süden bei uns einbringt, möchte man ihnen helfen, diese zivilisatorischen Schranken zu überwinden. Diesbezüglich ist aber noch Forschung auf Versuchsflächen notwendig, da führende Forstgenetiker Zweifel an dieser Methode haben.
Ist der Weg in die Heißzeit, wie es im Titel ihres Vortrags heißt, unumkehrbar?
Wenn man sich die derzeitigen Klimaprojektionen anschaut, dann wird deutlich, dass es in den kommenden Jahrzehnten heißer werden wird und Extremwetterereignisse zunehmen. Wie sich das Klima aber tatsächlich entwickeln wird, wissen wir nicht. Das hängt vor allem stark von unseren Klimaschutzbemühungen ab. Wir müssen die Wälder so stabilisieren, dass sie mit jedem Wetter zurechtkommen.
Sie sind Waldfotografin, was außergewöhnlich ist. Welche Motivation treibt Sie an?
Mein größtes Ziel ist es, die Menschen auf die Schönheit unseres Waldes aufmerksam zu machen und sie zu motivieren, diese wunderschönen Ökosysteme selbst zu entdecken. Ich möchte daher die Besucher meines Vortrages auf eine Bilderreise durch faszinierende Wälder mitnehmen. Nur indem wir eine Verbindung zur Natur aufbauen, können wir sie erhalten.
Was meinen Sie konkret damit?
Ich bin eigentlich Sozialarbeiterin und habe mit 38 Jahren einen Schlaganfall erlitten, sodass ich nicht mehr in meinem Beruf arbeiten konnte. Der Wald hat mir geholfen, mich aus diesem Tief zu befreien. Ich habe ihn liebgewonnen – und ich habe die Erfahrung gemacht: Was man liebt, das schützt man.
Zur Person
Yvonne Albe ist selbstständige Fotografin und leitet Workshops zu Natur- und Landschaftsfotografie. Sie veröffentlichte 2023 das Buch „Geheimnisse der Waldfotografie“. Die 50-Jährige ist studierte Sozialpädagogin und stammt ursprünglich aus München. Jetzt lebt sie im südhessischen Seeheim-Jugenheim und leitet dort ehrenamtlich die Nabu-Waldgruppe.
Termin
Vortrag „Unser Wald auf dem Weg in die Heißzeit: Was braucht er? Was können wir tun?“ mit Yvonne Albe am Donnerstag, 26. Februar, 19 Uhr, im Pfalzmuseum für Naturkunde in Bad Dürkheim.
