Bad Dürkheim Kleine Klavierkünstler ganz groß

Fabienne Besong beweist ihr Können an der Tastatur.
Fabienne Besong beweist ihr Können an der Tastatur.

Wenn Kinderaugen ganz groß werden: Es waren drei Minuten, auf die sie sich lange vorbereiteten. Ein schwarzer Steinway-Konzertflügel stand auf der Bühne, dazu ein Hocker, sonst nichts. Bei den Kindern der Musikschule der Stadt Bad Dürkheim war in den vergangenen Tagen das Lampenfieber ins Unermessliche gestiegen. Für manche von ihnen war es am Freitagabend das erste Konzert ihres Lebens. Im Publikum im Haus Catoir saßen die Eltern und die Freunde.

Musiklehrer Thomas Nutzenberger sagte gleich zu Beginn: „Bitte bedenken Sie, dass viele von ihnen erst neun Jahre alt sind, und manche seit knapp fünf Monaten Musikunterricht haben.“ Die zehn Lehrer für Klavier hatten für die 16. Klaviernacht „Bad Dürkheim – mitten in Europa“ ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Vom französischen Kinderlied „Bruder Jakob“ bis zum traditionellen englischen Kinderlied „Scarborough Fair“ war alles vertreten. Die Kinder hatten sich ihre Stücke zum großen Teil selbst ausgesucht. Acht Lehrer für Klavier hatten ihnen eine Auswahl vorgeschlagen. „Das früheste Einstiegsalter ist mit etwa fünf Jahren“, informierte Nutzenberger noch. Dann begann das Konzert. Im Laufe des Abends traten 67 Akteure auf. Nur ein Schüler hatte krankheitsbedingt absagen müssen. Für kurzzeitige Erheiterung sorgte die Bitte eines Vaters, den Auftritt seines Sohnes zu verschieben. Er habe noch keinen Parkplatz gefunden. Zaghaft marschierten die Kinder, nachdem sie von Nutzenberger angekündigt worden waren, im Saal nach vorne. Manche waren noch so klein, dass für sie der Hocker extra eingestellt werden musste. Etwas zögerlich, manchmal mit spielerisch verträumtem Anschlag, manchmal energisch fest spielten sie die ersten Töne an. Doch dann waren sie in ihrem Element. Die Töne saßen. Die zehnjährige Noelle Besong, aus der Klasse von Michael Rausch, hatte das Stück „Hörst Du zu?“ von Fritz Emonts gewählt – in Dur. Im Anschluss spielte Annabel Jalinski (zehn Jahre) dasselbe Stück in Moll. Nur hier konnte der Zuhörer die gekonnt gespielten Stücke direkt vergleichen. Nutzenberger: „Wir merken schon bald, wer sich entwickeln kann und das auch nutzt.“ Dies mitzuerleben, seien die beglückenden Momente in der Arbeit mit den Kindern. Die Musikschule Bad Dürkheim hat insgesamt etwa 1100 Schüler. Ein Ausnahmetalent schien der neunjährige Tim Nguyen zu sein. Mit flinken Fingern eilte der Junge über die Tastatur. Ludwig van Beethovens „Für Elise“ spielte er mal leise, mal etwas lauter. Das Stück schien wie für ihn geschrieben zu sein. Als der Abend weit nach 22 Uhr endet, haben nicht zuletzt die Kinder etwas Besonderes erlebt, wirken glücklich.

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