BAd Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kindesmissbrauch: Mehr als sieben Jahre Haft

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Sieben Jahre und zwei Monate Haft lautet das Urteil der Siebten Großen Strafkammer des Landgerichts Frankenthal für einen obdachlosen Dürkheimer. Verurteilt wurde der 44-Jährige wegen Vergewaltigung sowie sexuellem und schwerem sexuellen Missbrauch eines Kindes und Schutzbefohlenen, Körperverletzung sowie dem Besitz von Drogen.

Georg Wadle, Anwalt des 44-Jährigen, sagte auf Anfrage, es sei noch nicht entschieden, ob sein Mandant Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen wird. Der Dürkheimer ist derzeit im Gefängnis. Da die Taten, mit Ausnahme der Rauschgiftdelikte, bereits in den Jahren 2010 bis 2013 stattfanden und erst später angeklagt wurden, war der Dürkheimer bisher nicht in Untersuchungshaft gewesen. Allerdings erließ die Kammer am vorletzten Verhandlungstag, 26. April, einen Haftbefehl. Nachdem Staatsanwältin Esther Bechert eine Haftstrafe von acht Jahren und vier Monaten gefordert hatte, befürchtete die Kammer „Fluchtgefahr“. Gründe für diese Befürchtung waren nicht nur die Höhe der geforderten Strafe. Der Dürkheimer hat zudem keinen festen Wohnsitz und war an den Verhandlungstagen teils deutlich verspätet erschienen.

Der Prozess hat eine lange Vorgeschichte. 2015 hatte die damals 15-jährige Tochter der Ex-Frau des Dürkheimers erzählt, dass dieser sie zwischen Januar 2010 und April 2013 regelmäßig missbraucht habe. Begonnen habe dies, nachdem sich die Mutter des Mädchens und der Dürkheimer getrennt hatten. Die drei Kinder der Frau, die in einem problematischen sozialen Umfeld lebt, waren nach der Trennung häufig beim Ex-Mann der Mutter, der damals noch nicht obdachlos war.

Im Mai 2013 wurde jedoch ein Kontaktverbot erlassen, weil der Mann gewalttätig gegen die Kinder gewesen sein soll. Von sexuellen Übergriffen berichtete das Mädchen erst 2015. Damals lebte es in einem Heim und erzählte vom Missbrauch. Begonnen habe dies mit Berührungen im Intimbereich und sich im Lauf der Zeit bis hin zu Vergewaltigungen gesteigert. Die Taten seien teils mit Drohungen und Schlägen verbunden gewesen.

Bis zum Prozessbeginn dauerte es JahreDer Dürkheimer betonte immer wieder, dass die Aussagen des Mädchens falsch seien. Auch kurz vor der Verkündung des Urteils am Freitag sagte er, dass es lüge. Zwischen 2015 und Juni 2017 erstellte eine Sachverständige ein Gutachten über die Glaubwürdigkeit des Mädchens. Danach gab es einige Anläufe für eine Verhandlung. Die scheiterten jedoch unter anderem daran, dass die zuständigen Richter wechselten. Letztlich begann der Prozess erst im April 2021. Dies sei eine „rechtsstaatswidrige Verzögerung“, so der Vorsitzende Richter Alexander Melahn. Deshalb werden dem 44-Jährigen sieben Monate seiner Strafe erlassen.

Die entscheidende Frage in dem Prozess war, ob die inzwischen junge Frau oder der Angeklagte glaubwürdig ist. Die Gutachterin hatte die Aussagen des Mädchens als glaubwürdig eingestuft. Dieses sei intellektuell nicht in der Lage, sich die umfangreichen Vorwürfe auszudenken. Laut Melahn gab es bei den Vernehmungen des Mädchens 2015 keine Widersprüche.

Die habe es allerdings im Prozess im Vergleich zu den damaligen Aussagen gegeben. Das sei laut der Sachverständigen auf die lange Zeit, die inzwischen vergangen ist, und auch auf Verdrängung zurückzuführen, erläuterte Melahn. Nach so langer Zeit seien nicht mehr alle Details eindeutig zu klären.

Durch Aussagen von Zeugen sei eindeutig bewiesen, dass der 44-Jährige bei seinen Angaben teils gelogen habe, so Melahn. Als Beispiel nannte er, dass der Mann gesagt habe, er sei nie mit dem Mädchen allein gewesen. Mehrere Zeugen hätten ausgesagt, dass dies nicht stimme. Deshalb sei davon auszugehen, dass der Dürkheimer auch bei seiner sonstigen Aussage nicht die Wahrheit sage, erklärte Melahn.

In der Anklage hatte Bechert 24 Fälle aufgelistet. In einigen Anklagepunkten wurde der 44-Jährige freigesprochen. Allerdings sei davon auszugehen, dass es weitaus mehr Fälle des sexuellen Missbrauchs gegeben habe, so Melahn.

Nicht zu beweisen sei, dass der 44-Jährige mit Drogen gehandelt hat.

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