Bad Dürkheim
Jasmin Brake wird Pfarrerin in Diakonissenkrankenhaus
Elf Jahre war Jasmin Brake Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinden Ungstein, Leistadt und Hardenburg. Rund 1300 Gemeindemitglieder hat sie betreut. Von ihnen will sich die 47-Jährige jetzt verabschieden – aber nicht für eine andere Gemeindestelle. „Das hätte ich nie gemacht, mich hat eher ein anderes Arbeitsfeld gereizt“, erzählt sie.
Als Seelsorgerin will die Mutter zweier Kinder ab 1. Juni im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus in Speyer tätig sein. Statt um Taufe, Hochzeit, Beerdigung, Konfirmation, Gemeindebrief oder Presbyterium kümmert sie sich dann um die Bedürfnisse der Menschen in einem Krankenhausumfeld. Auch die Palliativstation gehört zu ihrem Aufgabengebiet. Gottesdienste wird sie weiterhin leiten. Außerdem wird ihre Stimme in einer Ethikkommission des Krankenhauses gehört, wenn schwierige Entscheidungen zu treffen sind. Eine Verbindung zu den Diakonissen in Speyer gab es bereits. „Meine Mama hat in einem Altenheim der Diakonissen gearbeitet“, erzählt sie. Außerdem habe sie während ihres Spezialvikariats bereits in dem Stiftungskrankenhaus der Diakonissen gearbeitet. „Da habe ich schon gemerkt, dass ich dort tätig sein könnte.“
Vikariat in Bad Bergzabern
Die gebürtige Grünstadterin, die in Albisheim aufgewachsen ist, hat sich nach dem Abitur am Nordpfalzgymnasium in Kirchheimbolanden zu einem Studium der evangelischen Theologie und Diakoniewissenschaft entschlossen. Sie studierte in Saarbrücken, Heidelberg, Bern und München. Ihr Vikariat absolvierte sie in Bad Bergzabern. Der dortige Pfarrer und jetzige Dekan Dietmar Zoller habe sie dazu gebracht, ihre Promotionspläne aufzugeben und lieber eine Pfarrstelle ins Auge zu fassen. Denn Zollers moderne Art, die Kirchengemeinde zu leiten, hatte es ihr angetan. „Ich komme ja nicht aus einem Pfarrhaushalt, deshalb war ich mir zunächst nicht sicher, ob ich diesen Weg in einer Gemeinde einschlagen soll“, erklärt Brake. Bereut habe sie diesen Schritt nicht. Am 1. März 2007 trat sie ihre ihre erste Pfarrstelle in Birkenheide an, wo sie sieben Jahre bleiben sollte. Dann kam im Februar 2014 der Wechsel nach Ungstein und die Geschäftsführung von drei Kirchengemeinden. In diese Zeit fiel auch die Familiengründung. Vor acht Jahren kam Emil zur Welt, vor fünf Jahren Ida.
In ihrer Gemeinde war sie immer präsent. Ihre Arbeit habe sie unter das Motto gestellt: „Was brauchen die Menschen von der Kirche?“. Entsprechend sei es ihr wichtig gewesen, die Menschen in ihrem Alltag zu begleiten und zu unterstützen. „Wir haben zum Beispiel die Konfirmationsvorbereitung umstrukturiert und darauf Rücksicht genommen, dass die Kinder heutzutage so lange Schule haben“, erklärt sie. Entsprechend seien die Treffen dann auf den Freitag und Samstag gelegt worden.
Lieber kurze Predigten
„In der Kürze liegt die Würze“ sei ihre Maßgabe für die Predigt im Gottesdienst. Für die Gestaltung lässt sich Brake auch gerne von Musiktexten inspirieren, die sie im Radio hört. Oder sie spielt gleich das Lied mit ihrem Smartphone in der Kirche ab. „Da waren die Gottesdienstbesucher schon überrascht - aber im positiven Sinn“, betont Brake. Tradition hatte auch das Kabarett mit Weinprobe, zu dem sie gemeinsam mit Dietmar Zoller einlud. Großes bauliches Projekt war nicht nur die Dachreparatur der Ungsteiner Salvatorkirche. Sie engagierte sich außerdem dafür, dass die Stadtwerke dort Solarmodule anbringen konnten. Bis zu ihrem Abschiedsgottesdienst im Juli in Ungstein wird Brake aber noch einige Termine übernehmen. So will sie noch alle anstehenden Kerwegottesdienste leiten.
Sowieso wird sich das Ehepaar Brake nicht ganz von Bad Dürkheim lossagen. Dafür ist es bereits zu sehr hier verwurzelt. Brakes Ehemann Torben, der in Frankfurt bei einer Bank tätig ist, engagiert sich derzeit noch politisch im Ungsteiner Ortsbeirat. Er hilft bei der Organisation des Weinfestes an der Römerkelter und ist beim Roten Kreuz sowie bei der Museumsgesellschaft aktiv. Künftig werden sie beide von Bad Dürkheim aus zur Arbeit pendeln. Zum Jahresende ist der Umzug geplant.
Nachfolge noch nicht geklärt
Wer das Pfarrhaus in der Kirchstraße übernimmt, ist noch unklar. Wie Dekan Stefan Kuntz erklärt, wird Pfarrer Frank Biebinger vorläufig mit der Geschäftsführung der drei Kirchengemeinden betraut. Pfarrerin Angela Wolter wird sich um Bestattungen und Trauungen kümmern. Eine Wiederbesetzung der Stelle könne sich durchaus noch etwas hinziehen, so die Einschätzung des Dekans. Anfang Juni werde man im Bezirkskirchenrat darüber sprechen.
Termin
20. Juli, 14 Uhr, Salvatorkirche in Ungstein: Abschiedsgottesdienst für Jasmin Brake.