Bad Dürkheim „Im Namen des Volkes ...“

Gewölbekeller statt große Bühne: Petra Morsbach liest zwar im Von-Busch-Hof, aber eine Etage tiefer als gewohnt.
Gewölbekeller statt große Bühne: Petra Morsbach liest zwar im Von-Busch-Hof, aber eine Etage tiefer als gewohnt.

Schlechte Luft, unbequeme Stühle, wenig Platz, technische Probleme – die Bedingungen bei der Lesung von Petra Morsbach aus ihrem Erfolgsroman „Justizpalast“ am Donnerstagabend im Freinsheimer Von-Busch-Hof waren schlecht. Die Lesung hatte wegen einer anderen Veranstaltung von der Zehntscheuer in den kleineren Gewölbekeller umziehen müssen. Trotz dieser ungünstigen Bedingungen war es ein kurzweiliger, gelungener Abend.

Das lag an Petra Morsbach und ihrem 2017 erschienenen Roman „Justizpalast“, der von der Kritik hoch gelobt wird, es in Bestsellerlisten schaffte und bereits mit Preisen ausgezeichnet wurde. Viele Schriftsteller mögen Lesungen nicht besonders. Auch Morsbach schien sich am Donnerstagabend nicht besonders wohl in ihrer Haut zu fühlen. Wegen technischer Probleme musste die Autorin zudem zunächst Sprechproben absolvieren statt zu lesen. Dabei bewies die Schriftstellerin nicht nur Geduld, sondern auch Humor, als sie bei einer dieser Sprechproben „Im Namen des Volkes …“ in das Mikrofon sagte. Um die Menschen, die im Namen des Volkes Recht sprechen, geht es in „Justizpalast“, vor allem um Richter, aber auch um Staatsanwälte, Rechtsanwälte und die anderen Akteure der Justiz. Morsbach ist es hervorragend gelungen, die ganz eigene Welt der Rechtssprechung, die vollkommen anders ist, als sie in Filmen gezeigt wird und Außenstehende sie sich vorstellen, ebenso unterhaltsam wie realistisch zu beschreiben. Darüber sind sich Kritiker, Szenekenner und viele Juristen weitgehend einig. Die Welt der Justiz kennenzulernen, sei „wahnsinnig spannend“ gewesen, berichtete Morsbach den etwa 60 Zuhörern. Insgesamt zehn Jahre habe sie recherchiert und das Buch, das letztlich entstanden ist, „ist meine Leidenschaft“, gestand die Autorin. Die in der Nähe von München lebende Morsbach erzählte auch, dass der Ausgangspunkt ihrer Recherche in der Pfalz war. Als sie 2006 Stipendiatin des Herrenhauses in Edenkoben war, habe sie zwei Juristen kennengelernt, durch die ihr Interesse geweckt worden sei. Justizpalast heißt in München das Gebäude, in dem Gerichte und das Justizministerium untergebracht sind. Darin befindet sich der Arbeitsplatz von Thirza Zorniger, der Hauptfigur des Romans. Das erste Kapitel beginnt einige Zeit vor ihrer Geburt. Mit den ersten drei Seiten dieses ersten Kapitels begann Morsbach ihre Lesung. Im Folgenden las sie Auszüge aus weiteren Kapiteln zu Stationen im Leben Zornigers, das schon seit der Kindheit mit der Justiz verbunden ist. Die etwas spröde wirkende Morsbach las sehr ausdrucksvoll, schaffte es, Zitate verschiedener Personen der Handlung durch Betonungen und Nuancen in der Stimme passend zu der jeweiligen Person und damit sehr lebendig klingen zu lassen. Zwischen den Passagen, die sie aus dem Buch vorlas, fasste die Autorin mit wenigen Worten den Ablauf des Geschehens bis zu dem jeweils nächsten Auszug zusammen. Auch wenn man das Buch schon kannte, war es sehr kurzweilig und angenehm, Morsbach zuzuhören. Im Anschluss beantwortete die Schriftstellerin Fragen aus dem Publikum und zitierte dabei aus Briefen, die Juristen ihr oder dem Knaus-Verlag, in dem „Justizpalast“ erschienen ist, geschickt hatten. Das war höchst amüsant und jeder der Juristen kennt, dachte: „typisch“. Etwa wenn ein pensionierter Richter schreibt, er habe „Anregungen zu Prüfungen und Berichtigungen“. Mit Beifall bedankten sich die Zuhörer schließlich für einen kurzweiligen Abend.

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