Herxheim am Berg
Im Himmelreich ist was los: So lief die Herxheimer Weinwanderung
Dunkelgraue, hellgraue und weiße Wolken, dahinter blitzte ein blauer Himmel etwas hervor. Als am Morgen noch kurz Hagelkörner niederprasselten, ließ dies eine Wetter-Lotterie erwarten. Doch der befürchtete Regen blieb aus. So konnte die Eröffnung der Veranstaltung im Schlossgarten im Trockenen stattfinden, wenngleich bei kühlen Temperaturen. Die Erste Beigeordnete der Gemeinde, Tanja Veit, und die Herxheimer Weinprinzessin Luisa I. begrüßten hier die Gäste, die eine geführte Tour durchs Himmelreich gebucht hatten.
Gleich im Schlossgarten bekamen die Weinwanderer die erste Probe kredenzt: eine interessante Weißwein-Cuvée der Winzergenossenschaft, bestehend aus den Rebsorten Sauvignac, Souvignier und Muscaris. „Das sind Piwis, also aus pilzresistenten Reben hergestellte Weine“, erklärte Luisa I. Und Tanja Veit, die aus einem Winzerbetrieb stammt, ergänzte, dass die Winzergenossenschaft Piwis ausbauen will.
Der Grauburgunder läuft gut
Auf dem Rundkurs hatten sechs Herxheimer Weingüter eine breite Palette guter Tropfen im Ausschank. Neben etablierten Weinen wie Riesling, Grauburgunder oder Spätburgunder weniger bekannte Rebsorten wie Auxerrois und Mekanoir bei Messer-Kalsch, eine Cuvée Red Kiss bei Gabel-Eger oder den Lagrein Tradition sowie einen Pinot Noir Rosé beim Weingut Gabel. „Das ist ein recht süffiger Genuss, ideal als Sommerwein geeignet“, teilte Seniorchef Wolfgang Gabel mit. Und seine Ex-Praktikantin Julia, die inzwischen Weinbau und Önologie in Neustadt studiert, berichtete am Ausschank: „Der Grauburgunder läuft gut, und auch die Schorle. Trotz des nicht optimalen Wetters“, so die 22-Jährige.
Auf der Strecke gab es für die Besucher, die die Tour gebucht hatten, eine Menge Informationen zum Thema Wein. Zum Traditions-Weingut Gabel erzählte Tanja Veit, dass dieses in der 15. Generation existiert. Weiterhin erklärte sie zum Blanc de Noir, dass dieser Rosé-typisch sei und aus Rotwein gekeltert wird. Rosé und Weißherbst wiederum seien ähnlich, aber es gebe einen kleinen Unterschied: „Ein Weißherbst darf laut einer Satzung nur aus einer Rebsorte hergestellt werden, beim Rosé dürfen mehrere verwendet werden.“
Erfreulich fanden die anwesenden Weinprinzessinnen und auch die Erste Beigeordnete, dass viele der Gäste sich sehr interessiert zeigten. Beate und Manfred aus Pforzheim etwa wollten wissen, was es mit den Rosen im Wingert auf sich hat. „Das sind Abwehrmaßnahmen gegen den Mehltau“, informierte Luisa. Und auch der Raps, den man öfter zwischen den Reben sieht, wächst dort nicht durch Zufall. „Das ist eine Begrünung, die Nährstoffe für den Boden liefert“, so die Weinprinzessin.
Besucher aus ganz Deutschland
Heike und Wilfried aus Boppard waren zum ersten Mal bei der Herxheimer Weinwanderung dabei. „Wir kommen beide aus einer Weingegend, ich aus Kröv an der Mosel“, sagte Heike. Wilfried teilte mit: „Ich stamme von der Ahr, habe aber vor längerer Zeit den Wohnort gewechselt und war von der Flutkatastrophe Gott sei Dank nicht betroffen.“ Er sei aber mehrmals danach dort gewesen, um Hilfe zu leisten.
Auch die anderen Besucher verbrachten einen gemütlichen Tag. Die Familie von Waltraud und Bernd Schmidt aus Herxheim war gleich mit vier Generationen gekommen: zusammen mit ihren Kindern, sechs Enkeln und einem Urenkel.
Da war auch noch eine Clique aus Jülich in Nordrhein-Westfalen. „Unsere Eltern kommen seit Jahren hierher, jetzt wollten wir auch einmal eine Tour machen“, erzählten die aufgeweckten Jungs und testeten an einer Biertisch-Garnitur ausgiebig und fröhlich den Rebensaft. Sie interessierten sich dabei für die Region und deren Historie. So erfuhren sie viel über das Hambacher Fest von 1832 oder über den Pfälzischen Erbfolgekrieg. Natürlich auch, dass sich die pfälzischen Weine mittlerweile vielfältig entwickelt haben.