Freinsheim
Haintor strahlt zum Stadtmauerfest in neuem Glanz
Neben dem Eisentor ist das Haintor besonders prägend für die mittelalterliche Stadtmauer. Hier waren noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts die einzigen Zugänge zur Stadt. Das Haintor, im 15. Jahrhundert erbaut, stellte die Verbindung nach Südwesten dar, also Richtung Bad Dürkheim. Anfang des Jahres wurde es eingerüstet, weil dort die zweite Etappe der Stadtmauersanierung begann, die sich von dort bis zur Hauptstraße erstreckt. Die Haintorstraße wird seitdem in zwei Hälften geteilt.
„Rechtzeitig zum Stadtmauerfest haben wir es geschafft, dass zumindest Fußgänger hier wieder durchlaufen können“, sagt der für die Stadtmauersanierung zuständige Beigeordnete Willi Simon (FDP) am Montag. Auch Radfahrer sollen das Tor passieren können, erklärt Bürgermeister Jochen Weisbrod (CDU). Dafür werde das Absperrgitter noch entsprechend verändert. Auch wenn der Ausbau von Haintorstraße/Breite Straße nach dem Stadtmauerfest beginnt, sollen Fußgänger und Radfahrer hier erstmal noch durchschlüpfen können. Denn der Weg zum Stadtmauerrundgang bleibt offen. Erst nach dem gepflasterten Bereich sollen die Arbeiten am Kanal beginnen. „Schwieriger wird es, wenn wir später den kompletten Straßenunterbau herausnehmen müssen“, kündigt Weisbrod an.
Gesperrte Altstadt?
Ob nach dem Ausbau der Straßen wieder Autos durchs Haintor fahren dürfen? Weisbrod plädiert dafür, dass dazu ein Arbeitskreis gebildet wird, der einem Ausschuss zuarbeitet. Denn weiterhin ist die Sperrung der Altstadt ein Thema, zu dem sich die Politik mit Hilfe der Zahlen des Verkehrsmodells noch positionieren muss.
Die Besucher des Stadtmauerfestes können sich selbst von den Arbeiten am Haintor ein Bild machen. Der neu aufpolierte und verfugte Sandstein, um den sich wieder wie beim ersten Bauabschnitt die Firma Zedler kümmerte, strahlt beim Rundgang am Montag in der Sommersonne. Mit 165.000 Euro ist das erneuerte Mauerwerk der größte Ausgabenposten, der bei der insgesamt 340.000 Euro teuren Torsanierung angefallen ist. Alles andere verteilt sich insbesondere auf den Bereich des Turms. Am Dach hat wie zuvor beim Bachturm die Zimmerei und Dachdeckerei Stern aus Freinsheim dafür gesorgt, dass alles wieder Stand hat. „Wobei der Bachturm in einem viel schlimmeren Zustand war“, betont Simon. Neu montiert wurde eine Dachrinne mit Fallrohr aus Kupfer. Noch nicht angebracht sind die Fenster mit Rahmen aus Eichenholz, die von der Freinsheimer Schreinerei Katz noch geliefert werden.
Wein- und Kulturbotschafterin wird Turm nutzen
Zum Turm geht es über eine Steintreppe. Die vielen Stufen waren mit ein Grund, warum sich die Stadt entschieden hatte, dort doch kein Museum einzurichten. Stattdessen vermietet die Stadt die beiden Stockwerke: Nach dem Gewerbeverein, der hier viel ehrenamtlich renoviert hat, wird nun die Wein- und Kulturbotschafterin Ingrid Hamers die Räume nutzen. „Ihr Konzept hat uns am besten gefallen“, erläutert Simon. Ein ausschlaggebender Punkt sei gewesen, dass Hamers den Turm auch der Öffentlichkeit zugänglich machen will – „eventuell auch mit kleinen Weinproben“, wie die 59-Jährige erläutert. Außerdem könne der Turm auch als Vereinstreffpunkt dienen. Denn Hamers ist auch Vorsitzende der Freinsheimer Landfrauen.
Die Stadt erhält durch die Vermietung 120 Euro im Monat. Die Wasserleitungen wurden neu verlegt, die Elektroleitung ist dagegen noch intakt. Eine Heizung gibt es nicht, der Gewerbeverein hatte Elektroheizkörper in den Räumen aufgestellt. Unter der Treppe hat die Stadt ein neues WC einbauen lassen.
80 Prozent Zuschuss
Wie beim ersten Abschnitt, der eine Million Euro kostete, wird auch der zweite Abschnitt der Stadtmauersanierung, der 1,5 Millionen Euro kosten wird, mit 80 Prozent Zuschüssen von Bund und Land bedacht. Entsprechend muss die Stadt beim Haintor nur 20 Prozent der Gesamtkosten, also rund 68.000 Euro, selbst tragen.
Wie hoch der weitere Verlauf der Sanierung bezuschusst wird, ist unklar. „Wir werden versuchen, unsere Kontakte wieder zu nutzen, und werden sehen, wie das alles trotz der schwieriger gewordenen finanziellen Lage auf Bundesebene noch funktioniert“, meint Weisbrod. Sinke die Förderquote auf etwa nur noch 50 Prozent, sei der Eigenanteil für die Stadt nicht zu stemmen, sind sich Weisbrod und Simon einig.
