Bad Dürkheim „Grenzen des Museums verschieben“

Seit einem Dreivierteljahr arbeitet Öykü Özsoy als Gastkuratorin im Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum. Die Türkin hat die Aufgabe, Kunstprojekte im öffentlichen Raum zu entwickeln. „Hack and the City – Die Stadt gehört uns!“ heißt das Stadtraum-Projekt. Heute werden die ersten Aktionen vorgestellt.

Öykü Özsoy wurde in Istanbul geboren und war auch in ihrer Heimatstadt schon Kuratorin. Bei der Istanbul Foundation for Culture and Arts war sie an der Organisation von Festivals mit Jazzmusik, Filmen und Theater beteiligt. Danach hat sie beim Platform Garanti Contemporary Art Center in Istanbul gearbeitet und war bei der Kunsteinrichtung für die Artists in Residence zuständig. Sie war oft auf Reisen, war in Schweden und Dänemark, in England und auf dem Balkan, in Ägypten und in der libanesischen Hauptstadt Beirut.

Deutschland, vor allem Berlin, kannte Öykü Özsoy selbstverständlich auch schon, als sie sich bei der Kulturstiftung des Bundes bewarb. Die seit über zehn Jahren bestehende Einrichtung fördert innovative Projekte mit internationalem Zusammenhang und hatte die Initiative „Fellowship internationales Museum“ ins Leben gerufen. Museen in Deutschland sollte so Gelegenheit gegeben werden, Nachwuchswissenschaftler und Kuratoren aus dem Ausland an ihr Haus zu holen.

18 Museen in Deutschland haben sich beworben, darunter das Hack-Museum. „Wir haben durch den Museumsgarten festgestellt, was für ein Bedarf in der Bevölkerung nach Kunst in der Öffentlichkeit besteht“, sagt Theresia Kiefer, Sprecherin des Museums. „Und die Türkei haben wir als Wunschland bei der Bundeskulturstiftung angegeben.“ Öykü Özsoy wiederum hat ein besonderes Interesse an Kunst im Stadtraum. „Es ist der Versuch, die Grenzen des Museums zu verschieben“, sagt sie über „Hack and the City“. „Für gewöhnlich sind Museen auf Ausstellungen im Innenraum beschränkt. Jetzt treten wir in eine enge Verbindung mit Architektur und der sozialen Struktur der Stadt.“

Im Juni 2013 hat Öykü Özsoy ihre Kuratorenstelle im Hack-Museum angetreten und sich zunächst ein Bild von der Stadt und ihren Bewohnern gemacht. „Ludwigshafen ist eine Arbeiterstadt, interessant und mit vielen verborgenen Möglichkeiten“, gibt sie ihren Eindruck wieder. „Ich habe versucht, mit den Kunstaktionen eine Beziehung zu den Bedürfnissen und Wünschen der Leute herzustellen.“

Öykü Özsoy hat in Schulen und in der Hochschule recherchiert, mit jungen und alten Leuten gesprochen, mit Deutschen (auf Englisch) wie auch mit ihren Landsleuten und anderen Ausländern geredet. Sie hat den Internationalen Frauentreff und das Frauencafé ebenso wie Kunstverein und Stadtmuseum aufgesucht.

Heute starten die ersten Projekte von „Hack and the City“, Öykü Özsoy hat zwei Künstler und eine Künstlergruppe nach Ludwigshafen eingeladen: Im Hauptbahnhof veranstaltet Schirin Kretschmann bis Oktober jeden Monat eine auf den Raum bezogene Kunstaktion. Der in Frankfurt lebende türkische Künstler Levent Kunt wird eine Holztafel im Platanenhain in der Nähe des Berliner Platzes aufstellen, die von Passanten bemalt und beschrieben werden kann. Die aus Mannheimer Architekten und Designern bestehende „Superwondergroup“ sammelt Stadtgeschichten von Ludwigshafenern. Das Lu-View-Project erstellt mit „Räume für Träume“ eine emotionale Landkarte und verzeichnet Orte, die glücklich oder furchtsam machen.

Von Mai bis Juli werden dann fünf Künstler in der Rudolf-Scharpf-Galerie einziehen, und die Bürger erfahren, wie sie die Räume verändern. Außerdem wird bis zum Ende von „Hack and the City“ im Oktober noch ein „Küchenbus“ durch die Stadt fahren, Rezepte verschiedener Nationalitäten sammeln, ihre Speisen zubereiten und gemeinsam verzehren.

Zu dem notorischen Desinteresse vieler Ludwigshafener an Kunst und Kultur meint Öykü Özsoy: „Wir müssen abwarten, wie sie reagieren.“

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