Weisenheim am Sand
Grausiger Reh-Fund: Polizei sucht Hundehalter
Es müssen jämmerliche Schreie gewesen sein, die das Reh im Todeskampf ausgestoßen hat. Anwohner in Weisenheim am Sand nahe der Baumschule hatten das markerschütternde Bellen am Freitag, 16. Februar, gegen 10 Uhr vernommen und beim Anblick des verbissenen Wildtieres die Polizei, den Jagdpächter Andreas Eberhardt sowie den Beigeordneten für Landwirtschaft, Thorsten Langenwalter, verständigt. Eberhardts Mitjäger eilte dem schwer verletzten Tier am Ortsausgang Richtung Lambsheim zu Hilfe und erlöste es mit einem gezielten Schuss von seinen Qualen.
Laut Polizeimitteilung hatten zwei Anwohner zuvor einen herrenloser Hund gesehen, der auf dem Feldweg hinter der Baumschule alleine hinter dem Reh herjagte und sich dann mehrfach in das Tier verbiss. Die Polizei Bad Dürkheim ermittelte – es war nicht der erste Vorfall dieser Art in Weisenheim am Sand. Der Behörde ist ein weiterer Rehriss zwei Wochen zuvor, mutmaßlich durch den gleichen Hund, bekannt. Inzwischen ermittelt die Kriminalpolizei in Neustadt an der Weinstraße: Es geht um den Verdacht der Jagdwilderei. Kriminalhauptkommissar Jan Hüther erläutert: „Man weiß nicht genau, was passiert ist. Um den Verdacht zu erhärten oder zu verwerfen, wird der Halter des Hundes per Zeugenaufruf gesucht.“
Auch der zuständige Jagdpächter Eberhardt weiß von weiteren mutmaßlichen Rehrissen durch den Hund. Sowohl in der Nähe der Baumschule als auch Richtung Ludwigshain habe es Funde von verbissenen Tieren gegeben, die weder durch die Jagd noch durch einen Fuchs oder einen Verkehrsunfall getötet worden seien. Im Fall des erlösten Tieres nahe der Baumschule Mitte Februar spricht Eberhardt von „unverantwortlichem Verhalten“. Ob der Hund von zuhause ausgebüxt sei, Herrchen oder Frauchen mit dem Tier unangeleint unterwegs waren oder sich der Hund von der Leine gerissen habe, könne er nicht sagen. „Sicher ist, der Halter hat das Tier nicht im Griff. Solch ein Verhalten darf nicht vorkommen, schon gar nicht mehrmals.“
Zudem sei das gerissene Reh auch nicht nur einmal gebissen worden, das könne im Zweifel wieder heilen, sondern „stark zerbissen“ worden. Das Fleisch habe nicht mehr verwertet werden können, es wurde verkocht als Tierfutter für die Jagdhunde verwendet. „Wenn ein Hund sich solchermaßen verhält, muss das unterbunden werden. Sonst ist jeder Jagderfolg für ihn ein positives Erlebnis“, mahnt Eberhardt. „Ein Hund darf niemals die Oberhand in der Rangfolge Mensch-Tier gewinnen.“
Und wie sieht der gesuchte Hund genau aus? Laut Anwohnern hat er schwarzbraunes Fell und einen weißen Fleck am Hals. Eberhardt meint, es sei ein mittelgroßer Hund. Sicherlich kein ausgebildeter Jagdhund: „Der würde das Reh nur stellen, es lebend dem Jäger zuführen oder im Zweifel festhalten.“
Kriminalhauptkommissar Hüther hofft, dass andere Hundehalter in Weisenheim am Sand Hinweise auf den Besitzer oder die Besitzerin geben können. „Der Hund kann grundsätzlich nichts für sein Verhalten, letztendlich macht sich der Besitzer strafbar.“ Und selbst wenn keine strafrechtliche Relevanz vorliege: Der Zeugenaufruf sei auch als Aufklärung für die Bevölkerung und zur Prävention gedacht. Weder wolle man, dass der Hund weitere Tiere reißt, noch dass er womöglich Fußgänger im Feld belästigt.
Eberhardt weist zudem auf die aktuell geltende Schonzeit für Rehe hin: Mitte Mai bringen die Tiere ihre Jungen zur Welt. Insbesondere in der sogenannten Tragzeit sollten sie nicht gestört werden. „Wenn der Hund trächtige Tiere reißt, wäre das besonders tragisch.“ Zudem könnten schwangere Rehe, die Stress haben, bewusst den Embryo absetzen. „Dem Tier muss Einhalt geboten werden“, bekräftigt Eberhardt. „So wie es momentan aussieht, hat der Halter leider die Kontrolle über sein Haustier verloren.“
Zeugenaufruf
Hinweise nimmt die Kriminalpolizei Neustadt unter der Rufnummer 06321 8544601 oder per E-Mail an kineustadt@polizei.rlp.de entgegen.