Bad Dürkheim „Glatzkopp“-Geschichten
„Hoch hinaus“ heißt die Reihe der Mannheimer Stadtevents im Mai. Exkursionen mit maximal 20 Teilnehmern führen zu den höchsten Gebäuden in Mannheim und Ludwigshafen. Aus ungewöhnlicher Perspektive sollen die Teilnehmer auf ihre Heimat schauen.
Hinter jeder Tür der Stadt wartet eine Geschichte – das ist die Überzeugung der Mannheimer Stadtevents. Mit besonderen Aktionen und Veranstaltungen werden diese Türen geöffnet. Manchmal, wie beim Festival „Hoch hinaus“, erzählen Aufzugtüren diese Geschichten. Der Seckenheimer Wasserturm wird im Volksmund wegen seiner charakteristischen Form gerne „Glatzkopp“ genannt. Seit 1978 ist der knapp 39 Meter hohe Turm aus dem Jahr 1911 in Besitz der Familie Lochbühler und nur zu besonderen Anlässen geöffnet. Die Führung im Rahmen der „Hoch hinaus“-Veranstaltungsreihe war ein solch besonderer Anlass. Rund zehn Neugierige wollten mehr über das Innenleben des Turms, der Europas einziges Aufzugsmuseum enthält, aber auch über die heutige Aufzugsfirma Lochbühler erfahren. Und – ganz nebenbei, den Ausblick aus luftiger Höhe genießen. Gerlinde Busalt war eigens aus Schriesheim gekommen, um das Gebäude zu besichtigen. „Ich bin schon sehr oft am Wasserturm in Seckenheim vorbeigefahren, aber ich wollte schon immer wissen, wie er von innen aussieht“, sagte sie. Und ihre Freundin Helga Gratzl aus Ladenburg fügte hinzu: „Wir haben zwar in Ladenburg ebenfalls einen Wasserturm und der ist ebenfalls in Privatbesitz, dort kommt man aber gar nicht hinein.“ Entschlossen hatten sie deshalb zugegriffen, als sie auf einer Messe von dem „Hoch hinaus“-Festival erfahren hatten. Hochhäuser, Kirchtürme oder auch der neue Block 9 am Mannheimer Großkraftwerk (GKM) – sie alle gehören in diesem Jahr zu den Anlaufpunkten der Veranstaltungsreihe. Die Führung durch das Mannheimer Kraftwerk war ausgebucht. Claudia Riba war dabei: „Ich kannte das GKM von der Autobahn und weil ich es von meinem alten Wohnort in Mannheim-Pfingstberg gesehen habe. Deshalb wollte ich es mir mal aus der Nähe ansehen.“ Im Aufzugsmuseum wollte sie ebenfalls nicht fehlen: „Mein Vater hat in einer Aufzugsfirma gearbeitet und wollte hierher.“ Erfahren hat er dabei nicht nur einiges über den Wandel der Aufzugstechnik im Wandel der Jahrzehnte, sondern auch über die Geschichte der Familie Lochbühler, die sich von einer Schmiede, Fahrrad- und Autowerkstatt zum Aufzugsspezialisten entwickelt hat – und natürlich zum Spezialisten für den Seckenheimer Wasserturm. Das auffällige Gebäude ist 2012 als Beispiel für „vorbildliche Restaurierung mit viel Liebe zum Detail“ mit dem Mannheimer Preis für Denkmalpflege ausgezeichnet worden. Auch so ein Detail, von dem die Besucher auf den 164 Stufen bis zum Aufenthaltsraum in der Turmspitze erfuhren. Von hier aus schweifte der Blick über die Rheinebene. Genau genommen über die Neckarebene, denn hier, in Richtung des im Hintergrund leuchtenden Großkraftwerks, verzweigten sich bis 1824 der Neckar in seiner Mündung in den Rhein. Und der romantische Blick in Richtung Sonnenuntergang flutete dabei das ehemalige Flussbett, das heute von der Autobahn zerschnitten wird, mit goldenem Licht. Auch in Ludwigshafen ist „Hoch hinaus“ zu Gast. Die Führung am 26. Mai durch das GML-Müllheizkraftwerk ist allerdings bereits ausgebucht. Im Netz www.mannheimer-stadtevents.de www.hoch-hinaus-rhein-neckar.de.