Hintergrund RHEINPFALZ Plus Artikel Gedrückte Stimmung bei Spargelbauern

Alexandra Walter freut sich über die hohe Qualität des Spargels dieses Jahr. Dennoch ist der Absatz des Spargelhofs um ein Dritt
Alexandra Walter freut sich über die hohe Qualität des Spargels dieses Jahr. Dennoch ist der Absatz des Spargelhofs um ein Drittel gesunken.

Eigentlich ist der Spargel des Deutschen liebstes Gemüse. Doch dieses Jahr bleibt das weiße Gold wie Blei in den Regalen liegen. Oder gleich auf den Feldern. Aber warum?

Beim Spargelhof Walter in Gönnheim sei der Absatz in diesem Jahr um ein Drittel gesunken, sagt Alexandra Walter. „Vielleicht hält der Verbraucher sein Geld wegen der gestiegenen Energiekosten zusammen, setzt andere Prioritäten“, spekuliert sie. Dabei sei der Spargelpreis sehr früh nach dem Saisonstart stark gefallen, sogar noch vor Ostern. „Wir stechen weniger“, ist deshalb die Folge auf dem Spargelhof.

Felder seien stillgelegt worden und Spargel, der nicht verkauft werden konnte, habe man zum Düngen verwendet. „1A-Ware war davon nicht betroffen, eher Bruch oder doppelte Stangen“, betont sie. Jedoch sei die Qualität dieses Jahr sehr gut gewesen, erklärt Walter.

„Wir haben eine regelrechte Preishysterie“

Andreas Eberhardt hat in seinem Spargelhof in Weisenheim am Sand Spargel auf einigen Feldern rauswachsen lassen, um die Menge zu reduzieren. Oder die Felder wurden umgebrochen, um darauf andere Kulturen wie Mais oder Sonnenblumen zu pflanzen. „Wir hatten eine Spargelschwemme“, schildert er die Situation von vor 14 Tagen. Das Kilo Spargel sei dadurch so günstig gewesen wie seit Jahren nicht. Doch das hätten die Verbraucher so gar nicht registriert. „Wir haben ja eine regelrechte Preishysterie. Daran ist auch der Handel schuld, der jetzt kräftig daran verdient. Jeder ging davon aus, dass alles teurer wird. Das hat viele Leute vom Kauf von vornherein abgeschreckt“, ärgert sich Eberhardt. Er sieht hier auch den Spargelverband in der Pflicht, in der Öffentlichkeit auf solche Entwicklungen stärker hinzuweisen. Etwa ein Drittel weniger Spargel hat Eberhardt in dieser Saison verkauft. Inzwischen habe sich die Marktlage wieder beruhigt, die Preise seien auch etwas angestiegen. „Doch die Spargelsaison dauert ja nur noch vier Wochen und die still gelegten Felder kann ich jetzt auch nicht mehr reaktivieren“, bedauert Eberhardt.

15 bis 20 Prozent weniger Spargel als in den beiden Corona-Jahren hat Sascha Zein im Erpolzheimer Hofladen sowie an den Ständen der Region abgesetzt. Obwohl die Verkaufsmenge an die Restaurants gestiegen sei, bleibe unter dem Strich ein Minus. Es sei möglich, dass die Kundenverunsicherung durch die Inflation die Kauf-Flaute verursacht habe, vermutet Zein. Dabei sei der Spargel dieses Jahr um 15 Prozent billiger gewesen. Verursacht habe dies auch eine große Menge an ausländischer Ware auf dem Markt. Auch Zein hat die Ernte auf einigen Feldern früher beenden müssen, um die Erntemenge zu reduzieren.

Spargel zu „Spottpreisen“

Simon Schumacher vom Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (Bruchsal), der rund 600 Landwirte vertritt, berichtet von einer gedrückten Stimmung unter den Spargelbauern und untermauert das mit Zahlen aus einer Umfrage des Netzwerks der Spargel- und Beerenanbauer, an der in der zweiten Mai-Woche 274 Betriebe teilgenommen haben. So beurteilen die Spargelbauern das Geschäft mit der Gastronomie im Vergleich zu einem „durchschnittlichen Jahr“ als gut, der Verkauf über die Direktvermarktung wird von der Hälfte der Teilnehmer als „mittelmäßig“ bezeichnet. Für den Handel gibt die Hälfte der Teilnehmer allerdings an, dass die Absatzsituation „schlecht bis sehr schlecht“ sei.

Schumacher macht die Handelsketten für die Misere mitverantwortlich: „Der Handel hält bis mitten in die Saison hinein neben dem heimischen Spargel Importware zu Spottpreisen in seinen Regalen“, sagt er. Spanischer Spargel sei dieses Jahr wegen des schlechten Wetters später geerntet worden – sodass spanischer und deutscher Spargel zur gleichen Zeit in den Märkten lagen. Wenn der günstigere ausländische Spargel neben dem deutschen liege, greife der Kunde selbstverständlich zu Ersterem.

Nach Ostern habe es ein Überangebot an deutschem Spargel gegeben, was dazu geführt habe, dass die Preise am Boden lagen und – so drückt es Schumacher aus – „man sich vom Handel erpressen lassen“ konnte.

Was sagt der Handel zu den Vorwürfen?

Die RHEINPFALZ hat den Handelsverband Lebensmittel (Berlin) und fünf große Handelsketten um eine Stellungnahme gebeten – geantwortet haben Aldi, Hit, Kaufland und der Handelsverband. Dieser erklärt die derzeitige Situation beim Spargel mit dem Einmaleins der Marktwirtschaft: „Ein großes Angebot scheint auf eine eher schwache Nachfrage zu treffen. In einer Marktwirtschaft führt so eine Situation zu geringeren Preisen.“

Dass es neben dem deutschen Spargel auch ausländische Ware gebe, liege daran, dass die Händler den Kunden auch außerhalb der klassischen Saison ein Angebot machen wollten. Weil zwar das Ende der Ernte festgelegt ist, nicht aber deren Beginn, komme es vor, dass heimische Ware in den Markt dränge und die Bestände von importiertem Spargel noch nicht verkauft seien. Wenn dann auch noch die Nachfrage zurückhaltend sei, bleibe den Händlern nichts anderes übrig, als „die Ware zu einem Preis anzubieten, den die Kunden bereit sind zu zahlen“. Die Importware wegzuwerfen, sei keine Option.

„Frage von Angebot und Wettbewerb“

Die Lebensmittelhändler Hit, Aldi und Kaufland betonen in ihren Stellungnahmen, dass sie Wert auf Regionalität legen und mit ihren Spargel-Lieferanten seit Jahren vertrauensvoll zusammenarbeiteten. „Sobald deutscher Spargel verfügbar ist, bieten wir auch nur diesen an und führen keine Importware mehr“, teilt eine Hit-Sprecherin mit: „Dieser ist in Bezug auf Frische und Qualität der Importware weit überlegen.“ Der Anteil an weißem Importspargel liege bei Hit im Schnitt nur bei zehn bis zwölf Prozent. Aldi reklamiert für sich, seit Anfang Mai nur noch deutschen Spargel im Regal zu haben, „um den Erzeugern bei Überbeständen zu helfen“. Aldi sei „immer an einer fairen Preisfindung interessiert“.

Von Kaufland heißt es, dass seit Anfang April sowohl deutsche als auch Importware im Regal liege. Wenn es bei Obst und Gemüse Ernteüberschüsse gibt, würde auch mehr Ware abgenommen als zuvor geplant: „In Absprache mit unseren Lieferpartnern führen wir regelmäßig Angebotsaktionen zur Mengenregulierung durch.“ Beim Einkaufspreis sei es eine Frage von Angebot und Wettbewerb.

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