Bad Dürkheim
Gärtnerei-Leiterin zur Mandelblüte: größte Gefahr für Mandelbäume ist der Mensch
Frühlingsluft und Morgensonne locken Besucher auf die Dürkheimer Mandelterrasse. Unterhalb der kleinen Michaelskapelle herrscht auch morgens schon Betrieb. Ein älteres Ehepaar schlendert durch die blühenden Mandelbäume und hält die Pracht in Weiß und Rosa mit der Kamera fest. Die Mandelblüte ist wohl das beliebteste Fotomotiv der Pfalz in dieser Jahreszeit.
Eine, die alle Mandelbäume mit Namen kennt, ist Patrizia Ziegler. Die Leiterin der Dürkheimer Stadtgärtnerei weiß um die Besonderheiten der Bäume. Sie habe gar nichts mit Mandeln zu tun gehabt, als sie 2017 nach Bad Dürkheim kam, verrät Ziegler, die aus Dresden stammt. Spätestens seit es die Mandelterrasse gibt, die in enger Zusammenarbeit mit der Touristinformation entstanden ist, kennt sie sich aus.
Unterhalb der Michaeliskapelle mit bestem Blick auf die Saline stehen acht Süß- und fünf Ziermandeln als Stellvertreterinnen ihrer Gattung. Die Rosablüher wurden extra so gesetzt, dass sie besonders gut zur Geltung kommen, verrät Ziegler. Grob kann man sagen: Rosablühend sind die Ziermandeln. Sie punkten zwar mit der bunten Optik, die Kerne dieses Mandel-Pfirsich-Hybrids aber schmecken bitter. Und sie sind im Wuchs kleiner als die Süßmandeln, die weiß blühen.
Aber keine Regel ohne Ausnahme: Die Gimmeldinger Süßmandel blüht zweifellos rosa – und doch ist sie, das sagt schon der Name, essbar. Eine weitere Ausnahme von der allgemeinen Mandelregel ist die Dürkheimer Prachtmandel. Die wird nicht wie die anderen rosa Bäumchen eher klein bleiben, sondern kann laut Ziegler bis zu acht Meter groß werden.
Fast 500 Mandelbäume in Bad Dürkheim
Es sind rund 480 Mandelbäume im öffentlichen Raum, um die sich Ziegler und ihren Mitarbeiter kümmern. „Tendenz steigend, bald haben wir die 500 geknackt“, sagt sie. Der 100 Kilometer lange Pfälzer Mandelpfad wächst überall, in Bad Dürkheim zum Beispiel auf der Strecke zwischen Schenkenböhl und Flaggenturm.
Selfiequeen ist die Mandelkönigin. Sie grüßt im intensivsten Mandelrosa. Ein Exemplar ziert die Mandelterrasse. Sie und ihre Schwestern dürften zu den meistfotografiertesten Mandelbäumen gehören. Wer auf innere Werte setzt, dem empfiehlt Expertin Ziegler die Ungsteiner Süßmandel, sie ist aus ihrer Sicht die Geschmackssiegerin.
Viel Arbeit machen die Mandelbäume den Gärtnern nicht, sagt Ziegler. Nach der Blüte werden sie geschnitten – im heimischen Garten auch gut im Winter. Da städtische Gärtner das zeitlich nicht schaffen, passiert es hier auf der Terrasse direkt nach der Blüte. Ziegler legt gern selbst Hand an: Bei größeren Exemplaren wie der Gimmeldinger Süßmandel wird die Krone ausgelichtet, bei kleineren erfolgt ein Erziehungsschnitt. Zwingend ist ein Schnitt nicht; selbst eine Hohlkrone, also eine trichterförmige Krone, sei unproblematisch, sagt Ziegler.
Unterirdisches System zur Bewässerung
Bewässert werden die Bäume der Mandelterrasse unterirdisch mit einem eigens angelegten System, geschützt vor Vandalismus. Die Bäume selbst sind aber natürlich gut zugänglich. Fünf der Bäume sind im Oktober 2023, nicht lange nach der Eröffnung der Terrasse, umgetreten oder anderweitig beschädigt worden. Sie wurden ersetzt. Noch heute bangen Ziegler und ihre Mitarbeiter bei großen Festen in der Stadt stets ein bisschen um die Bäume auf der Terrasse.
Mensch ist die größte Gefahr für Mandelbäume an der Weinstraße
Tatsächlich ist der Mensch die größte Gefahr für den Mandelbaum an der Weinstraße, erklärt Ziegler, etwa wenn Maschinen oder Lastwagen der Mandel zu nahe kommen. Einige Menschen schneiden auch Äste ab, erzählt Ziegler, weil die Blüten zu Hause leuchten sollen oder die Äste schlicht im Weg waren. Ganze Bäumchen, frisch gepflanzt, sind auch schon weggekommen, etwa beim Mandelpfad Richtung Römerkelter.
Wo es geht, werden die Bäume geschützt. Unterhalb der Mandelterrasse, an der B37, fällt ein Baum auf: Er steht zwischen mehreren Pollern eingepfercht. „Im Baumgefängnis“, wie Ziegler es nennt. Notwendig ist es dennoch. Der Vorgänger des Bäumchens hatte Bekanntschaft mit einem rangierenden Auto gemacht.
Wenn das alles nicht passiert, dann kann so ein Mandelbaum auch mal 100 Jahre alt werden, sagt Ziegler. „Die Weilbergmandel ist bestimmt 70 Jahre alt“, sagt Ziegler, die ihre Bäume eben fast alle kennt. „Sie sind alle etwas Besonderes“, sagt sie. Nicht nur in Gimmeldingen.
