Bad Dürkheim Freund Hein macht reiche Beute

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Rund 80 Ausstellungen erinnern dieser Tage in Deutschland an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren. Das Ernst-Bloch-Zentrum in Ludwigshafen beteiligt sich daran mit einer kleinen Schau. Unter dem Titel „Freund Hein malt Blumen rot“ sind Grafikzyklen von vier Künstlern aus der Zeit um den Ersten Weltkrieg zu sehen.

Der Titel der Ausstellung stammt aus einem 1914 entstandenen Soldatenlied: „Auf grünem Wiesenplane Freund Hein malt Blumen rot, und über uns die Fahne singt rauschend Blut und Tod!“ Die Liedzeilen gehen ein fast schon vertraulich enges Verhältnis mit dem seit Matthias Claudius gern verniedlichend „Freund Hein“ genannten Tod ein. Sie feiern, wie nach dem Krieg noch Ernst Jünger in seinen Erinnerungen an rauschhafte Fronterlebnisse, vermenschlichend das Unmenschliche. Die im Bloch-Zentrum ausgestellten Grafiken hingegen personifizieren zwar den Tod, klagen dabei jedoch Leid und Grausamkeit des Kriegs an. Die Ausstellungsstücke stammen von der Letter Stiftung, einer auf Grafikzyklen aus der Zeit um 1900 und auf Skulpturen des 19. Jahrhunderts spezialisierten privaten Stiftung in Köln. Sammlungsleiter Clemens Klöckner hat für Ludwigshafen Bildzyklen ausgewählt, in denen Kriegserfahrungen verarbeitet sind. Unter den vier Künstlern kommt Ludwig Meidner eine besondere Bedeutung zu. Dessen Bild „Aschaffenburg“ aus dem nach dem Krieg entstandenen gleichnamigen Band mit Prosagedichten und Lithografien hing nämlich in Ernst Blochs Tübinger Arbeitszimmer. Das Blatt zeigt eine gestürzte Gestalt mit entsetzt verzerrten Gesichtszügen vor einer expressionistischen Stadtansicht: Aschaffenburg, wo Meidner den August 1918 in einem Lazarett verbrachte. Präsenter als bei Meidner ist der personifizierte Tod auf den Scherenschnitten Melchior Grosseks. Zudem erzählt der Priester, der zwar selbst nicht an die Front musste, aber im Krieg zwei Brüder verlor, eine Geschichte auf 15 Bildern. Als Skelett marschiert der Tod, flötend wie der Rattenfänger von Hameln, dem Heer bei seinem Auszug voran. Er tanzt auf einem Kanonenrohr, berät den Befehlshaber, holt mit einem Kescher nach einem Flugzeug aus und posiert vor einer brennenden Stadt, die ein Zeppelin überfliegt. Wenn er am Ende die „Siegesbotschaft“ überbringt, ist klar, wer hier gewonnen hat. Von Otto Wirsching stammt das einzige Bild der Ausstellung, auf dem der Tod einmal als Verlierer erscheint. Eine Schwester wirft ihn aus einem Lazarett hinaus, so dass er vor der Tür hinschlägt. Auch der 1919 mit erst 30 Jahren einem Schlaganfall erlegene Otto Wirsching erzählt auf seinen Holzschnitten eine Bildgeschichte. Wie ein Bänkelsänger zeigt der Tod in Gestalt eines Kriegskrüppels mit einem Stock auf eine Bilderserie. Darüber steht: „Vom Totentanz. Anno 1915/10 Bilder“. Aloys Wach hat sich von Gedichten Reinhold Zenz’ zu seinen Radierungen anregen lassen, von denen Kurator Klöckner nicht ausschließt, dass sie ihm nur als Vorstudien gedient haben könnten. So gibt es mehrere Bilder desselben Motivs. „Ahnen des Todes“ etwa zeigt marschierende Soldaten mit dem Tod im Nacken.

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