Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Frühstart der Grippewelle: Was Kliniken und Praxen jetzt beobachten

Die erste Grippewelle rollt seit Ende November. Sie begann früher als in den Jahren zuvor.
Die erste Grippewelle rollt seit Ende November. Sie begann früher als in den Jahren zuvor.

Eine Grippeerkrankung macht jeder Weihnachtsfreude einen Strich durch die Rechnung. Experten warnen vor einer heftigen Saison – und sprechen eine Empfehlung aus.

Die Glieder schmerzen, der Körper glüht und insgesamt fühlt man sich malade. Eine Grippeerkrankung ist nichts, was man ignorieren könnte. In Wellen rollt sie jedes Jahr wieder durchs Land. Die erste des Jahres begann laut Robert-Koch-Institut Ende November. Der Anstieg zeigte sich anfangs moderat. „In den vergangenen Jahren stiegen die Erkrankungszahlen erst im Januar stark an mit dem Höhepunkt Mitte bis Ende Januar. 2025 steigen die Zahlen seit Anfang Dezember“, macht Holger Ramisch deutlich, dass die Entwicklung in dieser Saison früher eingesetzt hat. Ramisch ist promovierter Oberarzt in der Abteilung für Innere Medizin am Evangelischen Krankenhaus Bad Dürkheim und Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pulmologie.

Im Bad Dürkheimer Krankenhaus würden bisher dennoch nur einzelne Patienten behandelt, insofern sei die Welle noch nicht angekommen, sagt er. In den Arztpraxen zeigt sich die Situation mit Blick auf die Intensität der Influenza-Viren noch entspannt. „Das kommt nach den Feiertagen“, sagt Sabine Rahmann, die in Bad Dürkheim ihre Praxis für Allgemeinmedizin führt. Das Beisammensein im Kreis der Lieben, das Singen in der Kirche, darüber passiere die Ansteckung, so die Ärztin.

Hohe Zahlen in Norwegen und Großbritannien

Sorge macht eine neue Variante des Influenza-Virus. Die Subklade K, eine Varianz des Virus A, hat in Großbritannien wie auch in Norwegen für hohe Infektionszahlen gesorgt. Inzwischen ist diese Variante auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Sie scheine ansteckender zu sein als andere Varianten, sagt Ramisch. Nicht zuletzt deswegen erwarten Experten eine stärkere Grippe-Saison als in den Jahren zuvor. Die Ärzte seien gewarnt worden, sagt Sabine Rahmann. Allerdings müsse der neue Erreger nicht zwangsläufig mit vermehrten Komplikationen einhergehen. „Bisher gibt es keine Hinweise, dass die Krankheitsverläufe schwerer sind“, sagt Ramisch angesichts der Erfahrungen mit der Subklade K.

Nikolaj Stollhof, Inhaber der Brunnen-Apotheke in der Dürkheimer Innenstadt, weist indes auf eine Begleiterscheinung des Virus hin. So zeigten bisherige Beobachtungen, dass die Subklade K häufiger zu Lungenentzündungen führen könne.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der erhöhten Ansteckungsgefahr rät Stollhof allen, die sich nicht fit, oder sogar krank fühlen, zu Weihnachten zuhause zu bleiben statt die Familienfeier zu besuchen. „Nach zwei Tagen haben es sonst alle“, macht der Apotheker deutlich. Wer sich nicht sicher ist, ob er sich infiziert hat, sollte sich Selbsttests aus der Apotheke holen. Mit denen lässt sich nicht nur die Influenza nachweisen: Sogenannte 4-in-1-Antigentests zeigen neben Influenza A oder B auch Infektionen mit Corona oder Respiratorischem Synzytial-Virus (RSV) an.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein grippaler Infekt lasse sich gut überwinden, sagt Stollhof. Bettruhe sei dabei die erste Wahl, dazu die Behandlung mit Paracetamol und Ibuprofen. Anders sieht es bei einer ausgewachsenen Influenza aus. Deren Symptome seien unter anderem schnell steigendes Fieber über 39 Grad, erklärt der Apotheker. Chronisch kranke Menschen, Kleinkinder und Senioren gehörten in diesem Fall in die Hände eines Arztes. „Bei der Grippe gibt es wenige Medikamente, die müssen aber schnell verabreicht werden“, so der Apotheker. Alle sind zudem verschreibungspflichtig.

Bei schweren Symptomen wie Atemnot, sehr hohem Fieber über mehrere Tage, Verwirrtheit, starken Brustschmerzen oder Kreislaufprobleme sollten Erkrankte ein Krankenhaus aufsuchen, empfiehlt Holger Ramisch. Mit Blick auf die Entwicklung rechnet er mit ansteigenden Zahlen von Patienten, die einer stationären Behandlung bedürfen.

Die beste Möglichkeit sich vor Komplikationen zu schützen, bietet laut Experten weiterhin die Impfung. Zu spät sei es in keinem Fall. „Die Wellen kommen meist im Januar und zu Fasnacht nochmal“, begründet es Sabine Rahmann. Doch die Deutschen sind augenscheinlich nicht besonders scharf auf die Spritze. „Die Impfquote liegt in Deutschland nur bei etwas über 30 Prozent“, bemängelt Ramisch. In Rheinland-Pfalz ließen sich in der Saison 2024/25 35 Prozent der Menschen über 65 Jahren impfen, das Ziel der Europäischen Union liegt bei 75 Prozent.

Hinsichtlich der Subklade K sei eine abgeschwächte Wirkung des aktuellen Impfstoffs zu erwarten. „Wir gehen aber davon aus, dass der Impfstoff weiterhin vor schweren Verläufen schützt“, sagt der Facharzt für Innere Medizin. Wenig bekannt sei, dass nach einer Grippeerkrankung das Risiko für Herzinfarkte stark ansteige. Auch deswegen appelliert Ramisch an die Menschen, sich impfen zu lassem. Nikolaj Stollhof empfiehlt die Spritze, die im Allgemeinen gut vertragen werde, nicht nur für Senioren, sondern auch für all jene, die mit vielen Menschen in Berührung kommen. „Die Impfung schützt vielleicht nicht zu 100 Prozent, aber sie ist wirksam und sorgt für einen milderen Verlauf.“

Ärztlicher Bereitschaftsdienst

Wer über die Feiertage oder rund um den Jahreswechsel ärztliche Hilfe benötigt, wendet sich an den Patientenservice, Telefon 116 117. In lebensbedrohlichen Situationen oder wenn ohne eine sofortige Behandlung bleibende Schäden drohen, ist der Rettungsdienst unter 112 zu alarmieren. Die Hausärztliche Bereitschaftsdienstzentrale in Bad Dürkheim, Dr. Kaufmann-Straße 2, ist zu folgenden Zeiten geöffnet: mittwochs, 14 bis 22 Uhr, freitags, 16 bis 22 Uhr, sowie Samstag, Sonntag, Feier- und Brückentage, 9 bis 17 Uhr.

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