Bad Dürkheim Erst der Wurstmarkt, dann der Rest
Was verbinden Kinder und Jugendliche mit den Begriffen Europa und Heimat? Schüler der Carl-Orff-Realschule plus Bad Dürkheim haben sich künstlerisch mit diesen Themen auseinandergesetzt. Die Ergebnisse sind in der Ausstellung „Heimat – Identität und Vielfalt“ bis zum 24. April in der Stadtbücherei zu sehen. Am Mittwochabend wurde die Ausstellung eröffnet.
Mit verschiedenen Techniken und Projekten hat sich jede der teilnehmenden Klassen mit dem Thema auseinandergesetzt. „Wir haben zunächst mit einem Brainstorming begonnen, was verbinden die Schüler mit Europa, was gehört dazu?“, beschreibt Celia Habekost mit Diana Opoku eine der betreuenden Kunstlehrerinnen, den Prozess, der zu wahrlich vielfältigen Ergebnissen geführt hat. Die sechste Klasse wollte unbedingt mit Leinwand arbeiten. Herausgekommen sind dabei Bilder mit typischen europäischen Sehenswürdigkeiten, Länderumrissen oder Landesflaggen. Manche Objekte setzen sich aus mehreren Einzelbildern zusammen, wie das „vereinte Europa“, das sich über die Grenzen der einzelnen Leinwände die Hände zu reichen scheint. „Das Buchprojekt passt natürlich besonders gut zum Ausstellungsort“, sagt Opoku. Die fünfte und eine siebte Klasse haben alte Bücher neu gestaltet. Hier wurden aus den Büchern teilweise Plastiken, die an Berge erinnern und mit verschiedenen Details wie einer Gondelbahn versehen wurden, auch Reise- oder Tagebücher entstanden. Hier konnten die Kinder besonders viel Persönliches einbringen. Die Kinder mit Migrationshintergrund können so anderen viel über ihr Herkunftsland erzählen. Besonders berührend das kleine braune Taschenbuch einer jungen Dürkheimerin mit pakistanischen Wurzeln. Sie beschreibt in dem Buch Deutschland und Pakistan und was für sie die wichtigsten Informationen über beide Länder sind. Ihre persönliche Reihenfolge für Deutschland zeigt zuallererst den Wurstmarkt, dann erst das Brandenburger Tor und danach die Weinberge. Sigrid de Raaf, Leiterin der Stadtbücherei, freut sich über die lange Tradition: „Für die Kinder ist es wichtig, auch außerhalb der Schule präsent zu sein“, erläutert sie die Motivation der Bücherei zu diesen Ausstellungen. Beim Projekt der siebten Klasse wurden Hüte aus Pappmaché gestaltet. Da werden mit Hilfe der Farben oder Accessoires die verschiedenen Länder dargestellt. Die 10. Klasse hat sich natürlich auch Gedanken zur Politik gemacht. Umgesetzt haben sie das Thema „Wir in Europa“ wörtlich, indem sie Selbstporträts auf eine große Europakarte gemalt haben. Ergänzt wird das Bild mit Motiven zu ihren Gedanken. Neben Sehenswürdigkeiten sind das auch Einflüsse und Bedrohungen von außen. Solche Kunstprojekte sind nicht immer einfach umzusetzen, „aber das ist bei der Entstehung von Kunstwerken normal“, sagt Habekost. Die Schüler selbst betonen den Zusammenhalt, die Unterstützung während der sechs bis acht Wochen Arbeit. Schülerin Tanja freut sich, dass die Arbeiten einem breiterem Publikum gezeigt werden: „Wir sind sehr stolz darauf, unsere Landkarte präsentieren zu dürfen!“ Die Kunstwerke sind noch bis zum 24. April während der Öffnungszeiten der Stadtbücherei zu sehen.