Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Elfjähriger Noah aus Bad Dürkheim spendet seine Haare an Krebspatienten

Vorher: Lange Haare für einen guten Zweck.
Vorher: Lange Haare für einen guten Zweck.

Eine veränderte Frisur ist erstmal nichts Ungewöhnliches. Aber hinter dem neuen Haarschnitt von Noah Koch (11) steckt ein besonderes Zeichen der Empathie und Unterstützung.

Der Junge aus Bad Dürkheim besuchte noch die dritte Klasse in der Pestalozzischule, als er durch seine Schwester von einer Spendenidee erfuhr: Sie gilt Kindern und Erwachsenen, die durch eine schwere Krankheit ihre Haare verloren haben. Noah wollte helfen und ließ ab diesem Zeitpunkt seine blonden Haare wachsen.

Damit die Spende auch wirklich zu einer Perücke verarbeitet werden kann, gibt es mehrere Dinge zu beachten. „Die Haare sollen ungefähr 30 Zentimeter lang sein oder sogar länger“, erzählt Noah. Bei ihm dauerte es knapp zwei Jahre, bis die erforderliche Länge erreicht war. Die Maße sind deshalb wichtig, weil beim Herstellen von Perücken meist mehrere Zentimeter verloren gehen.

Zu Zöpfen geflochten

Eine weitere Voraussetzung für die Verarbeitung ist, dass die Haare zu Zöpfen zusammen gebunden werden. Lose eingeschickt, können sie nicht verwendet werden. Am besten soll der Zopf geflochten sein.

Also wurden Noahs Haare vor dem Schneiden zu vier Zöpfen geflochten und beidseitig fest abgebunden. So vermeidet man, dass die Haare verknoten, verwirren oder verfilzen. Außerdem beachtete Noah sorgfältig den Spendenhinweis, das Haar in trockenem Zustand einzupacken.

Nach Angaben der Deutschen Krebshilfe sind für jede einzelne Perücke mehrere Haarspenden nötig, meist vier oder fünf Zöpfe. Je nach Beschaffenheit, Farbe oder Länge werden die Zöpfe sortiert, um sie später passend auf die Perückenmontur zu knüpfen. Für Kinderperücken verwendet man leichte und flexible Monturen, etwa aus Netz oder Tüll. Sie sollen sich dem Kopf gut anpassen und gleichzeitig gut halten.

Bevorzugt dient Echthaar als Rohmaterial, was die Perücke aber deutlich teurer macht als Kunsthaar. Denn die Gewinnung von Echthaar und seine Verarbeitung ist aufwendig. Dafür wirkt es natürlicher, kann gewaschen und frisiert werden und gibt ein angenehmeres Tragegefühl, auch weil es luftdurchlässiger ist.

Ein persönlicher Brief

Im Laufe der Monate sind Noahs Haare kräftig gewachsen. Die Reaktionen in seinem Umfeld erlebte er durchweg als positiv. Seine Mitschülerinnen und Mitschüler stellten Fragen und zeigten sich beeindruckt von der Konsequenz, mit der er sein Vorhaben über die lange Zeit durchzog.

Nachher: So sieht der elfjährige Noah jetzt aus.
Nachher: So sieht der elfjährige Noah jetzt aus.

Auch seine Familie unterstützte ihn von Anfang an. „Vielleicht macht das ja jemand anders genauso“, drückt der heute Elfjährige seine Hoffnung aus. „Meine Mutter und meine Schwester wollen jedenfalls auch für einen guten Zweck ihre Haare wachsen lassen.“

Seine Spende schickte Noah mit einem persönlichen Brief an den Bundesverband der Zweithaar-Spezialisten (BVZ Rapunzel). Um Bedürftige zu unterstützen, ruft der Verband regelmäßig zum Haarspenden auf. Im Rahmen einer Versteigerung werden jedes Jahr gesammelte Haare an den meist bietenden Haarwarenhersteller abgegeben.

560 Kilo Haare

Die Erlöse kommen gemeinnützigen Institutionen zugute. In den letzten zwei Jahren gingen sie an die Deutsche Kinderkrebshilfe. Vor 30 Jahren gegründet, unterstützt die Stiftung die klinische Forschung, Spezialstationen für krebskranke Kinder, moderne Therapien und Behandlungskonzepte. 2025 wurden im Rahmen der Charity-Aktion „Rapunzel“ 560 Kilogramm Haare an den BVZ gespendet. Auf der Messe „Die Zweithaar“ erzielten sie eine Rekordsumme von 492.000 Euro.

"Ich habe meine Haare zwei Jahre lang wachsen lassen, weil ich krebskranken Kindern etwas Gutes tun möchte."

– Noah, 11 Jahre, in einem Brief

In seinem Brief erklärte Noah, warum ihm die Aktion wichtig ist und was er sich für bedürftige Kinder wünscht. „Ich habe meine Haare zwei Jahre lang wachsen lassen, weil ich krebskranken Kindern etwas Gutes tun möchte.“

Sein neuer, deutlich kürzerer Haarschnitt ist also viel mehr als eine äußerliche Veränderung. Er erzählt eine Geschichte von der Empathie eines jungen Menschen und steht zugleich für eine Botschaft: Oft ist Hilfe und Unterstützung gerade dort möglich, wo wir sie kaum vermuten – und sei es mit dem eigenen Haarwuchs.

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