Bad Dürkheim Einfache Idee mit idealen Effekten
Reparieren statt ausrangieren, mal etwas selber nähen statt von der Stange kaufen. Im Mehrgenerationenhaus führen Ruheständler neue Moden ein. In Dürkheims erstem Reparatur-Café hilft eine Schneiderin mit Garn und Stoffen, ein Elektromeister bringt Lampen und Augen zum Leuchten. Immer dienstags.
hat es, Köln hat es, Stuttgart hat es – und Bad Dürkheim hat es jetzt auch: ein Repair Café. Reparieren statt wegwerfen ist die einfache Idee, die in deutschen Großstädten längst einen festen Platz hat. Das Mehrgenerationenhaus in der Trift hat sich anstecken lassen und sein eigenes Reparatur- und Nähcafé ins Leben gerufen. Was es für die Umsetzung braucht: Das richtige Konzept, engagierte Ehrenamtliche und schließlich Begeisterte aus der Umgebung, die das Angebot wahrnehmen. Gabriele Diehl, Schneiderin im Ruhestand, hilft als Ehrenamtliche seit rund einem halben Jahr tatkräftig im Cafébetrieb des MGH. Mit ihrem Vorschlag, „ich könnt’ doch auch mal meine Nähmaschine mitbringen“, stieß sie bei Jutta Schlotthauer auf offene Ohren. Die Leiterin und „Animateurin“ des Mehrgenerationenhauses trug die Idee eines Reparatur-Cafés schon längere Zeit mit sich herum, doch erst mit dem Vorschlag von Gabriele Diehl nahm die Idee auch wirklich Gestalt an. Schlotthauer holte sogleich Werner Schäfer ins Boot. Der Elektromeister im Ruhestand wollte sich ebenfalls gerne mit seinem fachlichen Können im MGH einbringen und bekam jetzt die ideale Möglichkeit dafür. Mit der Hilfe von Erich Sauer vom Gemeindepädagogischen Dienst wurde ein Schuh beziehungsweise ein Konzept daraus: Immer dienstags, zwei Stunden, von 15 bis 17 Uhr heißt es zusammen nähen, zusammen reparieren. Schließlich brauchte es noch die Begeisterten aus der Umgebung. Ein Leichtes, wie sich schnell herausstellte. „Dass es so gut anläuft, hätten wir nicht gedacht“, sagt Koordinatorin Schlotthauer. „Die Leute freuen sich, dass es sowas endlich auch hier bei uns gibt. Und es belebt das Haus.“ Sie kommen – regelmäßig und voller Tatendrang. Mit Nähmaschine, Garnen und Stoffen bepackt, zieht es die Frauen vor allem in den hinteren Bereich des Cafés, wo Schneiderin Diehl schon darauf wartet, ihr Wissen und ihre Erfahrung weiterzugeben. Flicken und ändern steht hier nicht im Vordergrund: Es darf entworfen, geschneidert oder auch gestopft werden – jeder wie er mag. So wird die über 15 Jahre alte Tischdecke von Evelin Urban nun endlich doch noch von einem schicken Schrägband in Grün gesäumt, und der Wunsch eines selbst genähten Sommerkleides breitet sich gerade vor Eva Weickenmeier auf dem Tisch aus. Noch sind es lediglich Schnittmuster aus Zeitungspapier, aber Profi Gabriele Diehl braucht nur wenige Blicke, um zu sehen: „Der Stoff reicht nicht.“ Auch solche ernüchternden Erkenntnisse gehören zum Lernprozess dazu. Der Spaß kommt trotzdem nicht zu kurz. Es wird erzählt, gelacht und gerufen: „Frau Diehl, könnten Sie mir hier gleich noch mal helfen?“ Im vorderen Teil des Cafés geht es derweil wesentlich ruhiger zu. Hier hat sich Werner Schäfer seine provisorische Werkstatt eingerichtet. Umgeben von Schraubenziehern und Spezialwerkzeug, hat bei ihm tatsächlich das Reparieren Priorität. Gerade arbeitet er an der 56 Jahre alten Lampe des Ehepaars Hacke, das schon gespannt wartet. Er repariert nur ein Kabel, bringt damit aber eine Kindheitserinnerung und vier Augen zum Leuchten. Reparieren statt wegwerfen wird bei Stücken mit sentimentalem Wert besonders attraktiv. „Wir wollen auch wegkommen von der Wegwerfgesellschaft“, erklärt Jutta Schlotthauer. Neben all dem, was in den zwei Stunden aus Stoff kreiert und an Gerätschaft repariert wird, entsteht noch etwas anderes: gemeinsame Zeit. Zum Reden, zum Austauschen, zum Genießen. Genau darauf waren die Initiatoren auch aus: „Wir wollen Raum dafür bieten, gemeinsam etwas auszuprobieren.“ Und dieser Raum hat noch Platz: Jeder, der reparieren lassen, reparieren lernen oder nähen möchte, ist dienstags von 15 bis 17 Uhr im Mehrgenerationenhaus willkommen.