Bad Dürkheim Einen Euro für die Notdurft

Heute Abend geht „Stop & Listen“ in diesem Jahr in die letzte Runde. Essen, trinken und dabei Musik hören. Das Konzept dieser Veranstaltungsreihe ist einfach und sehr erfolgreich. An vier bis sechs Donnerstagen im Sommer strömen Hunderte Besucher auf den Dürkheimer Römerplatz. Eigentlich läuft alles gut. Nur die Toilettenfrage bringt die Gemüter zum Kochen.

Der Dürkheimer Bernd Hochscheid ist sauer. Als Stammgast im Eiscafé „Cortina“ und bei „Stop & Listen“ hat er sich über Toilettengebühren geärgert. Das Eiscafé habe per Aushang einen Euro für die Nutzung gefordert. Ein Unding, wie Hochscheid findet. Handele es sich doch um ein menschliches Bedürfnis. Bei der letzten Veranstaltung am 7. August habe ein Schild sogar darauf hingewiesen, dass die Toilette defekt und damit nicht nutzbar sei, was er anzweifelt. „Cortina“-Geschäftsführer Mauro Toscani kann sich noch mehr aufregen, wenn es um Toiletten geht. Er sieht das aber aus einer anderen Sicht. Die „Cortina“-Toilette sei durch die enorme Besucheranzahl sehr stark frequentiert. Zweimal schon seien ihm an solchen Abenden die Rohre verstopft worden. Jedes Mal habe er eine Firma beauftragen müssen, die Rohre zu reinigen. Ständig liefen die Toiletten über. Zweimal hätten Besucher in den Kabinen Feuer gemacht. Zuletzt bei der Veranstaltung Anfang August. „Jetzt ist Schluss“, habe er sich dann gesagt und das Defekt-Schild ausgehängt. Eine mögliche Lösung aus seiner Sicht: Toilettenwagen. Von Problemen rund um die Toilette – seien es Beschwerden über Gebühren oder Verschmutzungen – hat Marcus Brill nach eigenen Angaben bislang noch nichts gehört. Er organisiert als städtischer Wirtschaftsförderer die Veranstaltung. Jahrelang habe „Stop & Listen“ in dieser Form funktioniert. Er wolle das Problem gerne mit den Verantwortlichen klären. Einen Toilettenwagen für einen Abend aufzustellen, schließt er aber aus. Zwar habe er mitbekommen, dass das „Cortina“-Klo defekt gewesen sei, er und viele andere hätten dann aber problemlos die Toilette in „Michlers Haus der guten Weine“ nutzen können. Dort kennt man nach Angaben von Chefin Christine Michler keine Toilettenprobleme, bisher hätten sie auch nie Geld für die Benutzung genommen. Sie biete jedem „Stop & Listen“-Besucher an, diese Toilette zu nutzen. Ähnlich sieht es bei der Gaststätte „Zum Römer“ aus. Keine Nutzungsgebühren, keine Probleme, sagt Angestellter Wolfgang Schmidt. Anders ist die Lage bei „Götzelmann Mode und Café“. Hier seien bei einer Veranstaltung bereits einmal „phasenweise“ 50 Cent verlangt worden, so die Chefin. Auch bei der Musikveranstaltung „Nightgroove“ sei das schon einmal nötig gewesen. Grund: die unhaltbaren Zustände. Generell nutzbar wäre die öffentliche Toilette in der Rot-Kreuz-Straße, so Marcus Brill. Diese sei geöffnet und auch kostenfrei. Öfter gereinigt als sonst werde sie allerdings nicht. Abseits der Toilettenproblematik beschwert sich Hochscheid auch, dass es im „Cortina“ nicht erlaubt gewesen sei, Essen aus anderen Restaurants mitzubringen. Schließlich habe das „Cortina“ eine Sonderkarte an den Veranstaltungsabenden und verzichte auf die sonst angebotenen Snacks. Er und seine Freunde seien dann auf die abends geschlossene „Petersilie“ ausgewichen, die die Nutzung ihrer Tische und Stühle im Außenbereich zulässt. Dorthin hätten sie sich eine Pizza liefern lassen. Toscani gibt zu, kein fremdes Essen im Eiscafé zu erlauben, das sei für ihn selbstverständlich. Sonderkarten zu „Stop & Listen“ sind allgemein nichts Ungewöhnliches. Wie auch im „Cortina“ will zum Beispiel die Gaststätte „Zum Römer“ lange Wartezeiten beim Essen vermeiden. Bei „Michlers“ gibt es eine kleinere Anzahl an Weinen, dafür aber Brezeln. Toscani treibt noch etwas anderes um: Der Dreck, den er am nächsten Morgen auf dem Römerplatz feststellt, ist für ihn ein Ärgernis. Tausende Kippen lägen am nächsten Tag vor den Geschäften. Die müssten seiner Ansicht nach von den Besitzern gleich entsorgt werden. „Wir brauchen Aschenbecher, Mülleimer und Toiletten“, fasst er zusammen. Bei einem Thema sind sich alle trotzdem einig: „Die Veranstaltung ist super“, findet Bernd Hochscheid trotz seiner Einwände. Christine Michler bedauert gar, dass die Veranstaltung in diesem Jahr wegen der WM nur viermal stattgefunden hat. Und auch Toscani mag die Veranstaltung und lobt die Organisation abseits der Toilettenfrage. (jpl)

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