Bad Dürkheim Ein Lied für grüne Halsbandsittiche
Sie nennt sich Jules, heißt eigentlich Julia Nagele, stammt aus München und lebt inzwischen in Mannheim. Gerade hat die 26-jährige Sängerin und Songwriterin ihr erstes Album mit dem Titel „Greenbird“ veröffentlicht.
Die Musik spielte schon immer eine wichtige Rolle in ihrem Leben: „Musik zu machen schien mir immer sehr natürlich. Ich begann als Kind mit klassischer Gitarre, nahm meine Gitarre überall mit, wo ich auch hinging, sang dazu und schrieb mit 14 Jahren meine ersten Lieder“, erzählt Jules. Was sie besonders schätzt, ist „das Gefühl, sich in der Musik zu verlieren, darin aufzugehen, Körper und Zeit nicht mehr wahrzunehmen. Das ist letztendlich der Auslöser, warum Musik zu meinem Beruf geworden ist“. Die Sängerin gibt bundesweit viele Konzerte. Aktuell ist sie mit ihrem Solo-Projekt unterwegs. Davor trat sie oft mit der Sängerin Hanna Sikasa auf, die sie im Landesjugend-Jazzorchester Bayern kennengelernt hat. „Am liebsten trete ich in Konzertlocations mit Wohnzimmerflair auf“, sagt Jules. Das Duo hat inzwischen über 60 Wohnzimmerkonzerte gegeben. Ihren Hunger nach Musik und einer guten Ausbildung, die ihrem breiten Stilspektrum entspricht, erfüllt sich Jules nicht zuletzt im Studium. Begonnen hat sie an der Münchner Jazzschule, kam dann an die Jazzabteilung der Mannheimer Musikhochschule, wo sie ihren Bachelor machte, und wechselte nun für den Masterabschluss an die Mannheimer Popakademie. Musik aus stilistisch unterschiedlichen Blickwinkeln kennenzulernen, ist ihr wichtig. Jede Menge Musiker hat Jules für ihre Debüt-CD mit ins Aufnahmestudio genommen, Instrumentalisten und sogar einen kleinen Chor. Lukas De Rungs (Klavier), Jan Dittmann (Kontrabass) und Julian Losigkeit (Schlagzeug) sind ihre Stamm-Mannschaft. „Greenbird“ heißt das Album, und der Titelsong ist den grünen Halsbandsittichen gewidmet, die Parks bevölkern, und deren Flug Jules in der Imagination folgt. F Fantasievoll geht es in allen Songs zu, denen sie mit ihrer warmen Stimme einen besonderen Zauber verleiht. Vielgestaltig sind die stilistischen Einflüsse von Jules. In ihre Lieder nimmt sie Elemente aus Folk und Pop ebenso gerne auf wie Rhythm’n’Blues, den sie mit schmiegsam souligem Gesang veredelt. Daneben greift sie gern auf Bossa Nova und geschmeidiges Brazil-Gefühl zurück, etwa in dem Song „Mood“. All dies verarbeitet sie zu einem sehr poetischen Personalstil. Jules trifft immer die Stimmung und den Tonfall eines Songs. Ihr „Candlelight Dinner“ gibt sie keineswegs einer romantischen Stimmung mit Klavier preis, sondern lässt mit schummriger Hammondorgel und bluesiger Gitarre ihre Erinnerung an eine verflossene Beziehung unsentimental grundieren. Es sind immer sehr persönliche Geschichten, die Jules in ihren Songs verarbeitet. Magisches eröffnet sie im Opener „Stay“, beschwörende Klänge von großer Intensität, ausgesponnen über einer barocken Passacaglia-Grundierung. CD-Tipp Jules „Greenbird“ ist bei QFTF erschienen.