Bad Dürkheim
Ehrenamtliche Rettungskräfte auf dem Wurstmarkt: Glücksmomente als Lohn
Einfach ist die Arbeit als Rettungskraft nicht. Das zeigen nicht zuletzt Berichte über Übergriffe auf Feuerwehrleute oder Sanitäter, die doch eigentlich nur eins tun wollen: helfen. Auch beim DRK in Bad Dürkheim kennt man Probleme mit Gaffern und Menschen, die Einsätze behindern, sagt Astrid Schaupp, Vorsitzende des hiesigen DRK-Ortsvereins. Noch sei alles glimpflich abgegangen, doch das Verhalten einiger Besucher habe sich schon geändert. Ein Beispiel, so Schaupp: die Rettungswagen-Einfahrt an der Wurstmarkt-Wache. „Früher hat man kurz das Blaulicht eingeschaltet, und alle haben Platz gemacht. Heute ist es für den ein oder anderen schon störend, wenn Sie dort ein- und ausfahren.“
Trotzdem: Den jährlichen Großeinsatz will die DRK-Frau nicht missen. Zumal er diesmal bislang unauffällig sei. Klar sei die Arbeit anstrengend. Aber „es ist auch eine spannende und schöne Zeit, weil wir da unsere Gemeinschaft pflegen können“. Mit 30 bis 35 Helfern ist der Verein hier zeitweise gleichzeitig vertreten. Und zum Zwischenmarkt – auch hier sind die DRKler da – ist sogar Zeit für einen Einstand.
Gut 4000 Stunden Arbeit
Der Aufwand ist beachtlich: Gut 4000 Stunden werden die 110 DRK-Kräfte am Ende des Marktes geleistet haben – im Vorfeld in der Organisation, als Ersthelfer, in der IT oder als Feldköche. Etwa 3280 Stunden kommen an den Festtagen zusammen, rund 800 Stunden für Vor- und Nachbereitung. Oder umgerechnet: 170 Tage ehrenamtlicher Einsatz.
Gearbeitet wird in Früh- und Spätschicht. Letztere „geht bis zum Schluss, also in der Regel bis 3 oder 4 Uhr. Es gibt ja kein offizielles Ende“, so Schaupp. Viele der ehrenamtlichen Helfer nähmen sich für den Einsatz auf dem XXL-Weinfest Urlaub. Das Spektrum ist groß: Sanitäter, Rettungs- und Notfallsanitäter, medizinische Fachangestellte, Krankenschwestern und -pfleger leisten hier medizinische Hilfe. In der ärztlichen Ambulanz sind ein bis zwei Ärzte tätig. Daneben gehört die Betreuungsstation zu den Einsatzbereichen. Hier landen auch Patienten, „die mehr Alkohol genossen haben, als ihnen guttut“. Deren Anzahl hat laut Schaupp abgenommen. „2022 hatten wir gerade mal 100 Ausnüchterungen“, sagt sie und ergänzt: „Die Leute sollen ja feiern. Aber sie sollten auch an sich denken und noch die Kontrolle über sich behalten.“ Bislang sei das meist der Fall.
Trotz Hitze „ganz angenehmer Vormarkt“
Das Gros der im Schnitt 400 bis 600 Patienten, um die sich die DRK-Helfer kümmern, kommt mit anderen Problemen in die Wache: „Schnittverletzungen, allergische Reaktionen, Bluthochdruck, Kreislaufprobleme, Herzinfarkte oder Schlaganfälle“, zählt Schaupp auf. Immerhin: Trotz der Hitze sei der Vormarkt „ganz angenehm“ verlaufen. Bis einschließlich Montag zählten die Helfer 256 Patienten.
Die Versorgung Hunderter Patienten bedeutet für den Verein einen enormen Materialaufwand. „Wir haben zwei Ehrenamtliche, die schon im April mit der Sichtung und Beschaffung des Materials begonnen haben“, erzählt Schaupp. Um den in den Tagen vor dem Fest zuletzt täglich eintreffenden Lieferungen Herr zu werden, musste gar die Fahrzeughalle herhalten. Doch nach den Festtagen, ist Schaupp sicher, sollte von alledem nicht mehr viel übrig sein. „Wir kalkulieren so gut“, sagt sie. Auch dank der Erfahrungswerte, die das DRK in über 110 Jahren Wurstmarkt-Betreuung gesammelt habe. Fehle doch mal etwas, „können wir uns kurzfristig Material vom Krankenhaus ausleihen“.
Auch tödliche Unfälle sind möglich
Auch sonst arbeite man eng mit dem Dürkheimer Krankenhaus zusammen. Etwa bei Notfällen, die in der Wache nicht ausreichend behandelt werden können. Manchmal sogar, weil ein Patient mit dem Tod ringt. Denn auch diese Fälle gibt es – Feiertrubel hin oder her. „Es gibt immer wieder Eindrücke, die Sie begleiten“, weiß Schaupp. Ihr selbst sei der Unfall eines jungen Mannes am Wasserrad im Kurpark nachgegangen, bei dem er sich tödliche Verletzungen zuzog. Glücklicherweise gebe es dann eine Notfallbetreuung für Ersthelfer. Doch oft erfahren diese gar nicht, wie es einem kritischen Patienten weiter ergeht.
Es gibt aber auch späte Glücksmomente. So wie jenen, als ein junger Mann Monate nach geglückter Reanimation bei den DRK-Helfern auftauchte und sich bedankte. Nicht nur für Schaupp sind solche Momente der Lohn ihrer Arbeit: „Das ist für die Helfer: Es ist richtig und wichtig, dass wir das machen.“



