Bad Dürkheim / Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Dekan Kuntz zur Reform: „Die Landeskirche geht All in“

Bad Dürkheim hat derzeit noch ein Dekanat.
Bad Dürkheim hat derzeit noch ein Dekanat.

Die Evangelische Landeskirche will sich tiefgreifend verändern. Unter anderem sollen viele Kirchenbezirke fusionieren. Wie wird sich das vor Ort auswirken?

„Die Institution Kirche wird eine andere sein, nicht der Inhalt“, blickt Stefan Kuntz, Dekan des Kirchenbezirks Bad Dürkheim-Grünstadt, in die Zukunft. Sein Dekanat war 2017 aus einem Zusammenschluss der beiden früher eigenständigen Kirchenbezirke Bad Dürkheim und Grünstadt entstanden.

Im Mai hat die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz nun ein Eckpunkte-Papier verabschiedet, das der Ausgangspunkt für weitere, großflächige Zusammenschlüsse der Kirchenbezirke sein wird. Aus derzeit 15 Dekanaten sollen vier werden.

Wobei anders, um Kuntz’ Eingangszitat aufzugreifen, aus seiner Sicht nicht unbedingt schlechter sein muss: „Es stellt sich zurecht die Frage: Muss Kirche als Institution so kleinteilig sein, wie sie jetzt ist?“. Derzeit besteht die Landeskirche aus mehr als 420 Körperschaften des Öffentlichen Rechts: Kirchengemeinden, Dekanate und Landeskirche selbst. Diese sind voll geschäftsfähig, müssen aber beispielsweise alle einen eigenen Haushalt aufstellen. Künftig sollen es nach dem Eckpunktepapier nur noch fünf sein, vier Dekanate plus Landeskirche. Die einzelnen Gemeinden erhalten den Status der Körperschaft des kirchlichen Rechts.

Das Dekanat Bad Dürkheim-Grünstadt soll sich nach den bisherigen Plänen der Landeskirche mit denen in Neustadt, Landau und Bad Bergzabern zusammenschließen. Allerdings prüfe man auch andere Zuschnitte und spreche auch mit Frankenthal und Kirchheimbolanden, sagt Kuntz: „Bis Ende 2028 sind wir ja noch frei.“ Die Landeskirche verspricht sich durch die Zusammenlegungen vor allem Kosteneinsparungen bei der Verwaltung.

Personalmangel und weniger Geld

Außer dem finanziellen Aspekt – die Landeskirche muss bis 2035 60 Millionen Euro einsparen, weil die Anzahl der Gemeindemitglieder weiter zurückgehen wird – nennt Kuntz ein weiteres Problem: den Personalmangel. Derzeit stehen nur 33 Namen auf der Liste der pfälzischen Theologiestudierenden. Früher, sagt Kuntz, waren es mehr als 300. „Es ist gut, dass wir uns dem stellen“, findet der Dekan. Dennoch sei er überrascht, wie grundsätzlich die Kirche verändert werden soll, sagt Kuntz, der selbst als Landessynodaler nicht mehr zur Verfügung steht, weil er in dreieinhalb Jahren in Ruhestand geht. Die Evangelische Kirche der Pfalz sei von unten nach oben strukturiert. Dass die Einheiten größer werden, sei zwar normal. Aber durch die angedachten Reformen würden beispielsweise die Verwaltungsämter nicht mehr zu den Kirchenbezirken gehören, sondern in der Hand der Landeskirche konzentriert sein. Somit werde mehr „von oben nach unten durchgereicht“.

Einen möglichen Nachteil sieht Kuntz in der geringeren Flexibilität der größeren Einheiten: Wenn etwa in der Bad Dürkheimer Burgkirche die Heizung ausfalle, wisse die Kirchengemeinde, welche Installateure oder gar Ehrenamtliche für die Reparatur infrage kämen und könne schnell den Auftrag vergeben. Kirchengemeinden des kirchlichen Rechts seien aber nicht in vollem Umfang rechtsfähig. Den Auftrag erteilen müsse dann das Dekanat. Welches als angedachtes „Weinstraßendekanat“ dann statt für aktuell noch etwa 35.000 Gemeindemitglieder für circa 113.000 Menschen zuständig sein wird. „Kann eine große Einheit das so gut? Hat sie dafür die Ressourcen? Wird dann das Einsparziel erreicht?“, stellt Kuntz einige Fragen in den Raum. Er selbst hätte den Wandel weniger radikal vollzogen und die über 400 Kirchengemeinden zu vielleicht 40 großen Einheiten verschmolzen, die aber – ebenso wie die dann vier Dekanate – ihre volle Rechtsfähigkeit behalten hätten, sagt Kuntz. „Das hätte den bestehenden Charakter unserer Kirche stärker erhalten und man hätte noch unterhalb des Dekanats eine Einheit, die voll handlungsfähig gewesen wäre.“

Entscheidend für das Gelingen der Reform ist für den Theologen die Entlastung der Pfarrerinnen und Pfarrer von Verwaltungsaufgaben: „Wir sind keine Baufachleute. Die ureigentliche Aufgabe muss wieder mehr Gewicht bekommen: die Kommunikation des Evangeliums. Darauf freuen sich die Kolleginnen und Kollegen, darauf haben sie richtig Lust.“ Die Pfarrerinnen und Pfarrer sollen künftig in sogenannten Regio-Teams mit Vertretern des gemeindepädagogischen Dienstes, der Jugendzentrale, der Kirchenmusik, der Diakonie und der Verwaltung zusammenarbeiten.

Ziel: Mehrwert für die Gemeindemitglieder

„Ich habe das Gefühl, dass man ,All in’ geht. Es muss einfach funktionieren, im Hinblick auf die Hauptamtlichen und darauf, die ureigenen Aufgaben wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Wenn das funktioniert, kann ich mir vorstellen, dass diese Transformation eine gute Sache ist. Auch wenn sie das Kirchenbild total verändert“, sagt Kuntz.

Veränderungen soll es auch bei der Trägerschaft der Kindertagesstätten geben, die in eine Gesellschaft überführt werden sollen. Diese soll dann für Betrieb, Fachberatung und Verwaltung aller Kitas zuständig sein.

Wenn die Transformation gelinge, würden die Gläubigen vor Ort davon weniger spüren als befürchtet, ist Kuntz überzeugt. Nach den Sommerferien setzten sich innerhalb des Dekanats die Hauptamtlichen alle zwei Monate in zwei Gruppen zusammen, um zu schauen, wie man durch Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg inhaltlich mehr bewegen könne: „Nicht jede Gemeinde wird künftig alles anbieten. Nehmen wir die Kirchenmusik: Hier ist Bad Dürkheim bei der traditionellen Musik sehr stark, Maxdorf zum Beispiel beim Gospel. Entscheidend wird sein, dass die Gemeindeglieder einen Mehrwert haben durch die Transformation“, erklärt Kuntz.

Wie geht es danach weiter? Die Herbstsynode soll aufbauend auf den Eckpunkten die entsprechenden Gesetzesvorlagen beschließen. „Dann wird es konkreter“, sagt Kuntz.

Stefan Kuntz
Stefan Kuntz
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