Bad Dürkheim Brettspiel für eine Person
Früher ging Wochenende so: hell, dunkel, hell, dunkel, Montag. Und heute denke ich „Yeah, Wochenende, endlich wieder einkaufen, Wäsche waschen, bügeln, staubsaugen … “. Wohlgemerkt, ich rede von Einkaufen. Einkaufen ist Rewe, Aldi, Edeka. Shoppen ist Engelhorn, Douglas und Dielmann. Aber es muss sein. Ich habe nix mehr im Kühlschrank – außer Licht. Bei der Parkplatz-Suche muss ich feststellen: Es gibt auch Männer, die multitasking-fähig sind. Das sind die, die auf zwei Parkplätzen gleichzeitig parken. Dafür gibt’s umgekehrt auch Frauen mit echtem Kampfgeist, nämlich genau dann, wenn beim Aldi eine neue Kasse öffnet … Wie ein Eichhörnchen auf Speed versuchte doch tatsächlich so ein „Ich-bin-ja-so-wichtig-Alphaweibchen“ mich abzudrängen. Aber ich verteidige meine Pole Position, benutze an der Kasse vier Warentrenner und bezahle fünfmal. Dann noch schnell den Lottoschein abgeben. Lohnt sich. Vor drei Wochen haben wir 50 Euro gewonnen. Mein erster Gedanke: „Jetzt halbwegs normal weiterleben, damit die Nachbarn nichts merken.“ Wieder zu Hause stehe ich in der zweiten Person Singular Imperativ Perfekt Zustandspassiv vor einem Wäscheberg in der Größe deutscher Mittelgebirge und schreie: „Sei gewaschen gewesen.“ Komisch, mein Rechner hängt sich oft auf. Meine Wäsche nie. Danach Brettspiel für eine Person: Bügeln. Dann das Schlimmste: Putzen. Ich hatte noch nie eine Liebesaffäre mit Meister Proper. Ich sauge lieber. Wenn man überhaupt von „lieber“ sprechen kann. Mein Mann meint nämlich, dass Frauen wie ich den Staubsauger auf „wütend“ stellen könnten. Warum heißt es eigentlich „Die Frau ist geboren, um den Haushalt zu schmeißen.“ Ich frage mich da immer: wohin, wie weit und wem an den Kopf? Die Kolumne Die Deidesheimerin Anne Vogd gewann 2016 den SWR3-Comedy-Förderpreis in Bad Dürkheim – für die Deidesheimerin, der Impuls, sich ganz auf Comedy zu konzentrieren. Unter der Rubrik „Annes Welt“ veröffentlichen wir regelmäßig, was der 51-Jährigen so durch den Kopf geht. |av