Bad Dürkheim „Anna Rosa hat mich angeleitet“

„Ich bin ihr immer hinterhergehinkt“, sagt Root Leeb über die Hauptfigur ihres Romans.
»Ich bin ihr immer hinterhergehinkt«, sagt Root Leeb über die Hauptfigur ihres Romans.

Root Leeb hat als Lehrerin und Straßenbahnfahrerin gearbeitet – ihr erster Roman „Tramfrau“ von 1994 bezieht sich auf diese Erfahrung. Seither arbeitet sie als Schriftstellerin, Illustratorin und Malerin. Am Samstag, 19.30 Uhr, wird Leeb in Frankenthal im Ökumenischen Gemeindezentrum aus ihrem jüngsten Roman „Don Quijotes Schwester“ lesen. Im Interview spricht sie über Weltverbesserer und Verantwortung.

Frau Leeb, was werden Sie in Frankenthal lesen?

Ich habe zwei Handlungsstränge aus meinem jüngsten Roman „Don Quijotes Schwester“ ausgesucht. Und ich werde auf Wunsch auch aus dem Erzählband „Die dicke Dame“ einige Geschichten lesen, die zum Thema passen, in denen es darum geht, dass Menschen irgendeine Lebenssituation oder Weltsituation verbessern wollen. Was auch das Hauptthema von „Don Quijotes Schwester“ ist. Darin geht es um eine Alltagsidealistin auf Don Quijotes Spuren, die sozusagen gegen Windmühlen kämpft. Genau. Wobei das Wort Windmühlen sinnbildlich zu verstehen ist. Die Frau kämpft gegen Missstände, die andere anders wahrnehmen oder gar nicht sehen. Don Quijote ist ein Ritteridealist, als die Ritterzeit schon längst vorbei ist. Er will das vergangene Renommee des niederen spanischen Adels retten. Aus Ritterromanen zieht er seine Handlungskompetenz. Anna Rosa, die Protagonistin meines Romans, liest so etwas wie Harald Welzer, der ja beispielsweise die Digitalkultur kritisch begleitet, oder Hans Jonas’ „Das Prinzip Verantwortung“. Daraus bezieht sie ihre Handlungsanleitung, ihren Antrieb, etwas zu tun. Was hat Sie zu dem Roman inspiriert? Ich habe viel beobachtet und viele Sachbücher gelesen. Anna Rosa hat mich sozusagen angeleitet, bestimmte Dinge zu lesen. Ich sage immer: Sie ist sehr viel belesener als ich, ich bin ihr hinterhergehinkt. Harald Welzer beispielsweise nimmt erstaunt zur Kenntnis, wie bereitwillig Menschen herdenmäßig immer neuen Entwicklungen hinterherlaufen, und wie sie damit Freiheit und Entscheidungsmöglichkeiten aufgeben. Anna Rosa hat Welzer gelesen, sie zieht ihre Schlüsse und will das umsetzen. Sie sieht sich bei allem in der Verantwortung, ist sogar überverantwortlich und hat oft sehr erstaunliche Ideen, wie sie eingreifen und verändern will. Sie selbst haben das also nachlernen müssen. Was natürlich augenzwinkernd gemeint ist. Sonst hätte ich das Buch ja nicht schreiben können. Wie weit deckt sich dieser idealistische Aktivismus Ihrer Protagonistin mit Ihrer eigenen Einstellung? Ich hege eine gewisse Sympathie für diese Art. Ich bekomme auch auf Lesungen, gerade in Schulen, oft die Rückmeldung, dass Menschen gerne so wären wie die Anna Rosa. Root Leeb, als Autorin, findet sie auf jeden Fall eine sympathische Figur, auch in ihrer ganzen Hilflosigkeit. Sie ist ja nicht in einer Gruppe organisiert, bei Greenpeace oder Robin Wood. Sie will ihre Projekte alleine durchziehen, die finden sich nirgends in diesen großen Organisationen. Sie ist Einzelkämpferin mit ihren berühmt-berüchtigten Aktionen. Sie möchte die Leute aufrütteln, zum Besseren anstiften, das hat auch etwas Messianisches. Sie sieht eine Art Borniertheit, dass viele Leute sich nur kurzfristig engagieren, wenn sie aktuell etwas lesen, was aber schnell wieder verebbt. Auf Wunsch des KuKuK-Teams werden Sie zusätzlich zum Roman einige Kurzgeschichten vorstellen. Sie werden also nicht einfach Ihr normales Lesungsprogramm abhalten? „Don Quijotes Schwester“ allein wäre schon abendfüllend. Aber Andrea Döring von den KuKuK-Veranstaltern hat eine Lesung von mir gehört und mir vorgeschlagen, in Frankenthal bei den vielseitigen Dingen, die ich tue, ein breiteres Spektrum zu zeigen. Es werden auch Bilder von mir an die Wand projiziert. Die Lesung wird also auch eine visuelle Ebene haben? Die gezeigten Bilder haben nicht direkt mit den gelesenen Texten zu tun. Allerdings gibt es einen Kurzgeschichtenband, „Die Farbe der Worte“, bei dem ich im Dialog die Texte mit Bildern illustriert habe. Es wird an dem Abend ein bisschen eine Herausforderung für mich, wie ich das Ganze verbinde. Aber der Herausforderung stelle ich mich gerne. Termin Lesung mit Root Leeb am Samstag, 19.30 Uhr, im Ökumenischen Gemeindezentrum im Pilgerpfad im Rahmen des Kulturprogramms KuKuK.

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