Fußball
Ambitionierte Freinsheimer
„Wir stützen uns auf das Gerüst aus der vorigen Spielzeit. Die Mannschaft ist eingespielt und die Automatismen greifen“, sagt Trainer Christian Schäfer und versprüht Optimismus. Als ein Ziel für die kommende Runde gibt er aus, die Zahl der Gegentore deutlich zu reduzieren. 62 waren es in der vergangenen Saison, ein Grund dafür, dass man dem sieben Punkte entfernten Vizemeister FG 08 Mutterstadt nicht näher auf die Pelle gerückt ist. Zum Vergleich: Die Mutterstadter steckten 36 Gegentreffer ein, Meister LSC 28. Dies bestätigt einmal mehr die These, dass man mit einer starken Offensive Spiele gewinnen könne, aber für Titel und Aufstiege eine gute Defensive vonnöten sei.
Deshalb nennt der Übungsleiter gleich einen ganzen Katalog an Verbesserungsmöglichkeiten: „Nötig sind eine größere Entschlossenheit und mehr Verbissenheit. Wir brauchen eine kompromisslosere Zweikampfführung und müssen das eigene Tor aggressiver verteidigen.“ An der Grundausrichtung im 4-2-3-1-System soll sich nichts ändern, wenngleich sich Schäfer offenlässt, in verschiedenen Situationen die Herangehensweise zu modifizieren. „Entscheidend ist nicht das System, sondern wie man es interpretiert und die jeweiligen Aufgaben erfüllt“, erklärt der Coach. Flexibel auf sich ändernde Herausforderungen reagieren zu können, sei ein Plus, das gute Mannschaften auszeichne.
Auf die zahlreichen Gegentreffer haben die Freinsheimer mit der Verpflichtung zweier erfahrener Abwehrspieler reagiert. Da ist einmal Benedikt Thiel, Kapitän von Bezirksliga-Absteiger SV Ruchheim. „Er zeichnet sich durch starkes Zweikampfverhalten und gute Spielauffassung aus. Außerdem verfügt Benedikt über genügend Erfahrung, auch in der Landesliga“, beschreibt Schäfer den 29-jährigen Defensivspezialisten, der innen wie außen verteidigen kann und den sich der Coach auch auf der Sechserposition vorstellen kann. Thiel stieß 2016 von Wormatia Worms II zu den Ruchheimern, deren Trikot er acht Jahre lang trug.
Schon 40 Jahre alt ist Kaddour Djaouchi, der sein Alter auch als Rückennummer präsentiert. Bei seinem vorherigen Verein DJK Eppstein hatte er über Jahre die 4 quasi abonniert, doch die trägt beim FVF Mark Podgorsek. Mit der 40 hat Djaouchi die 4 zumindest nicht ganz abgegeben. Wer wegen seines Alters die Stirn runzelt, dem sei gesagt, dass der in Leipzig geborene Abwehrspieler mit algerischen Wurzeln eine nahezu professionelle Einstellung mitbringt. „Kaddour verkörpert Ehrgeiz, Energie, Elan und Enthusiasmus“, wählt Schäfer eine schöne Alliteration. Der neue Innenverteidiger habe Gardemaß, bringe Leidenschaft ein und sei in gutem Fitnesszustand.
Neuzugang Nummer drei ist Marvin Bonomo, ein 23 Jahre alter Torhüter, der vom VfR Frankenthal (A-Klasse) kommt. „Eine sehr gute Verpflichtung, das kann man nach den ersten Eindrücken jetzt schon sagen“, äußert sich der Trainer positiv. Er ist nach Ferdinand Schill, Gianluca Wittmann und Florian Schatz der vierte Torwart. Zu viel? Schäfer relativiert, zumal es sich beim Schlussmann um eine sensible Position handelt. Da hat man lieber einen mehr unter Vertrag als plötzlich vor einem Problem zu stehen. „Ferdinand laboriert noch an einer Schulterverletzung, fällt vorerst aus“, verdeutlicht der Coach. Außerdem belebe der Konkurrenzkampf das Geschäft.
Fest zum Kader zählen auch die A-Junioren Paul Weber und Simon Roß, die ebenfalls vornehmlich in der Abwehr zum Zug kommen. Beide haben in der vorigen Saison schon Bezirksligaluft geschnuppert und überzeugt. Der entwicklungsfähige, 2002 geborene Linksfuß Tomasz Cukier soll die Offensive verstärken. „Er ist für die linke Außenbahn vorgesehen, ist in einer ordentlichen körperlichen Verfassung und hat in seinem Heimatland Polen in der dritten und vierten Liga gespielt“, informiert Schäfer, dem weiterhin Co-Trainer Ercan Caglayan und Torwarttrainer Sebastian Müller zur Seite stehen.
Als Saisonziel nennt Christian Schäfer ein Anknüpfen an die vorige Runde und das Bestätigen des dritten Platzes. Mitunter ist es aber gut, auf Zwischentöne oder Ergänzungen zu hören. So lässt die Formulierung des Trainers mit „nach oben lassen wir uns alles offen“ keine Missdeutungen zu. Der FVF ist absolut ambitioniert, und es auch gibt keinen Grund, dies nicht sein. Der einzige Abgang, der richtig wehtut, ist der Transfer von Schäfers Sohn Jonas zum Verbandsligisten TB Jahn Zeiskam. Auffangen kann man dies möglicherweise mit Konrad Berndl. Der 26-jährige Torjäger, der in Freinsheim einen hohen Stellenwert genießt, trainiert nach langer Pause wieder bei den Blau-Weißen. Er ist aber ein anderer Spielertyp, eher eine Kante als ein Sprinter. „Es kommt darauf an, wo Conny seine Bachelor-Arbeit schreibt“, bleibt der Übungsleiter in Sachen Verfügbarkeit des bulligen Mittelstürmers mit ausgeprägtem Torriecher vorsichtig.