Kreis Bad Dürkheim Alarmstufe Rot: Bundeswehr soll bei Tests und Kontaktverfolgung helfen

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Soldaten helfen – wie hier in Stuttgart – bundesweit bei der Kontaktverfolgung, die für die Mitarbeiter der Gesundheitsämter nicht mehr allein zu bewältigen ist. Auch der Kreis Bad Dürkheim fordert nun Hilfe an.

Was zu erwarten war, ist eingetreten: Der Landkreis Bad Dürkheim hat mit dem Inzidenzwert 76,9 den Grenzwert für die Alarmstufe Rot überschritten. Der liegt bei 50 gemeldeten Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Hinzu kommen die am Montag in Kraft tretenden bundesweiten Einschränkungen. Wie geht es weiter?

Stand Mittwochnachmittag gab es im Landkreis im Vergleich zum Vortag 43 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) sagte dazu bei der Kreistagssitzung, die wegen der Pandemie in der Aula des Werner-Heisenberg-Gymnasiums in Bad Dürkheim stattfand: „Das Virus verbreitet sich immer schneller.“ Man müsse nun aktiv werden, damit die Verbreitung nicht so unkontrollierbar werde, dass nicht mehr medizinisch reagiert werden könne. Ähnliches war wenige Stunden später von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Pressekonferenz in Berlin zu den drastischen Einschränkungen zu hören, auf die sich Bund und Länder am Mittwoch geeinigt haben.

Kontaktpersonen kaum mehr nachverfolgbar

Ihlenfeld berichtete zuvor von den Abstimmungen in der lokalen Task-Force, die aus Vertretern des Kreises, Ordnungsbehörden und verschiedenen Ministerien des Landes besteht. Man hatte sich darauf verständigt, die Beratungen zwischen Bund und Ländern abzuwarten. Nach der nun erreichten Alarmstufe Rot sei klar: „Die Situation ist sehr ernst.“ An allen Ecken und Enden des Kreises würden mittlerweile Infektionen auftreten, sie seien nicht mehr auf ein singuläres Ereignis zurückzuführen.

Zudem sei die Anzahl der Kontaktpersonen der infizierten Menschen sehr hoch, teilweise seien es zwischen 50 und 80 pro Infiziertem. Die Nachverfolgung der Kontaktpersonen sei für das Gesundheitsamt, kaum mehr zu bewältigen. Zusätzliche Kräfte seien schon eingestellt worden. „Wir werden nun auch die Hilfe der Bundeswehr anfordern“, sagte Ihlenfeld. Soldaten unterstützen bundesweit schon viele Gesundheitsämter. Der Einsatz im Kreis muss noch beantragt werden.

Im Gesundheitsamt soll dann im Schichtdienst gearbeitet werden, weil es zu wenige räumliche Alternativen gibt. Wie lange es dauere, bis die Soldaten vor Ort sind, war am Abend noch nicht zu beantworten. „So schnell wie möglich“, wenn es nach Ihlenfeld geht, der erklärte, die Bundwehr soll dann auch am Kreiskrankenhaus in einem Zelt vorm eigentlichen Gebäude beim Testen von möglichen Coronainfizierten unterstützen.

Ihlenfeld: „Einschnitte treffen Betriebe hart“

Die neuen bundesweiten Einschränkungen sollen am Montag in Kraft treten. Dafür muss – wie im Frühjahr – eine Corona-Verordnung des Landes erlassen werden. Dazu hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) eine Regierungserklärung am Freitag im Landtag angekündigt. Laut Dreyer werden damit auch die lokalen Task-Forces ihre Arbeit zumindest bis Ende November einstellen. Grundsätzlich begrüßt Ihlenfeld die einheitlichen Regelungen, da der Flickenteppich an Maßnahmen schwer zu vermitteln gewesen sei. Er sieht sie aber auch kritisch: „Die Einschnitte für Gastronomie und Hotellerie sind zu gravierend und treffen unsere Betriebe hart.“

Von einer großen Herausforderung spricht Dürkheims Bürgermeister Christoph Glogger (SPD) im Zusammenhang mit den steigenden Infektionszahlen. Eine Überlegung der Stadt sei es aktuell, die sogenannten Randzeiten in den Kindertagesstätten zu reduzieren. Dort würden sich die Gruppen mischen.

Derzeit arbeite die Verwaltung wieder in getrennten Teams. Dadurch wolle man arbeitsfähig bleiben. Im Bürgerbüro werden Anfragen aktuell nur telefonisch und per E-Mail abgearbeitet. Nur noch bei dringenden Angelegenheiten sei persönliche Vorsprache möglich, aber nur nach vorheriger Terminanfrage. Dringend sei etwa ein Führungszeugnis, nicht aber ein abgelaufener Personalausweis.

Markus Wolf (CDU) sagte, er sehe es kritisch, „dass wir schon vor zwei Wochen so ad hoc zugemacht haben“. Die öffentliche Hand habe hier Vorbildcharakter. Es werde auch von anderen, etwa Supermarktkassierinnen, erwartet, arbeiten zu gehen. Er fragte, ob es nicht etwa die Möglichkeit gebe, Termine übers offene Fenster zu absolvieren.

Personal in Bürgerbüros nicht einfach zu ersetzen

Glogger sagte, Ziel der Verwaltung seien Nähe und Service. „Dazu gehört es, dass wir sicherstellen, dass wir das ganze Winterhalbjahr durchhalten.“ Er räumte ein, dass die Kommunikation in den vergangenen Wochen nicht immer ideal gewesen sei. Die Dürkheimer Verwaltung sei eine der ersten gewesen, die nach der ersten Corona-Welle wieder geöffnet habe. „Aber wenn wir wollen, dass im Fall einer Infektion nicht das gesamte Bürgerbüro ausfällt“, müsse eben in getrennten Teams gearbeitet werden. Personal sei hier auch nicht so einfach zu ersetzen wie in einem Supermarkt.

Bei Publikumsverkehr sei immer Personal an der Tür gebunden, das Bürger wieder wegschicken müsse. Der beste Service erfolge über die Terminvergabe und ein Gespräch im Warmen, so Glogger. Politik