Bad Dürkheim
70 Meter langer Osterzopf für Schlosskirche
70 Meter Osterzopf für den Kirchturm – und für eine Idee, die aufgegangen ist wie frischer Hefeteig. Die Zahl war kein Zufall, sondern Programm: Die Länge des Hefezopfes entsprach der Höhe des Kirchturms der Schlosskirche. 70 Meter Backwerk für einen guten Zweck – eine ebenso einfache wie geniale Idee von Andreas Enke vom protestantischen Kirchenbauverein. Und weil Ostern nun einmal das Fest der Hoffnung ist, durfte diese Hoffnung auch nach Butter, Hefe und ein bisschen Zucker schmecken.
Gebacken wurde an Karfreitag ab 19 Uhr in der ehemaligen Bäckerei von Rainer Beil. Zehn Aktivisten des protestantischen Kirchenbauvereins, begleitet vom prüfendem Blick des Bäckermeisters, setzten 180 Kilo Hefeteig an: klassisch, üppig, ohne Schnickschnack. Zwölf Stunden lang wanderten die zum Zopf geflochtenen Laibe in Gruppen zu je 20 Stück in den Ofen. Nach zwölf Backdurchgängen war das Werk vollbracht und 240 Osterzöpfe fertig.
Vorbild kommt aus Dresden
Zum Verkauf am Ostersamstag war das monumentale Benefiz-Backwerk dann vor der Burgkirche aufgebaut. Auf feinem weißen Tischtuch mit aufgemalter Meter-Skala schlängelten sich die geflochtenen Laibe in U-Form über die Tische. Verkauft wurden sie zum Stückpreis von zehn Euro, wahlweise mit oder ohne Zuckerstreusel. Schon vor Verkaufsstart standen die „Kunden“ Schlange. Viele machten erstmal ein Foto von dem leckeren Lindwurm. Gelbe Zettelchen mit Namen markierten vorab die halbe Strecke – 35 Meter reservierte Vorfreude. Im Vorfeld hatte der Verein kräftig die Werbetrommel gerührt und bereits Bestellungen angenommen.
Die frohe Botschaft vom Benefiz-Gebäck hatte man zuvor auf Flyern und per Mundpropaganda breit gestreut, zum Beispiel im Kindergottesdienst, der „Kirche Kunterbunt“, im Familiengottesdienst und in der digitalen Welt. Vorbild für die Aktion war übrigens keine Geringere als der Christstollen-Benefizverkauf auf dem Striezelmarkt in Dresden.
Osterfreude überall
So war der Erfolg vorprogrammiert: Schon um 10.15 Uhr waren die ersten zehn Meter verkauft. Die Zöpfe gingen weg wie nix, die Helferinnen und Helfer hatten alle Hände voll zu tun mit Eintüten. Größere Bestellungen wanderten in mitgebrachte Klappkartons und große Taschen. Etliche Passanten wurden, überzeugt vom guten Zweck, zu glücklichen Spontankäufern. Osterfreude allüberall bei dieser Win-Win-Aktion.
„Gelder für den guten Zweck erwirtschaftet man heute nur noch mit guten Ideen“, sagte Vereinsvorsitzender Alexander von Massow. Die sind reichlich vorhanden: Am Osterglockenmarkt wurden Dekoobjekte aus alten Dachziegeln und Ostergebäck verkauft. Noch in diesem Jahr wird es wieder den traditionellen Bilderflohmarkt geben. Spenden werden beim Benefiz-Konzert „Brass & More“ des Wormser Barockbläser Ensembles am Sonntag, 12. April, um 18 Uhr in der Schlosskirche gesammelt.
Aktion als Mutmacher
Rund 2400 Euro wird die österliche Verkaufsaktion einbringen. Der Erlös fließt in die Sanierung des Kirchturms der Schlosskirche, ein Projekt von rund einer Million Euro. Mitgetragen wird es vom protestantischen Kirchenbauverein, der 2010 gegründet wurde, um die Bausubstanz der drei Dürkheimer Kirchen Schlosskirche, Klosterkirche und Burgkirche zu erhalten und notwendige Sanierungen finanziell zu unterstützen.
Fazit: Dieser Osterzopf war mehr als ein Gebäck. Er war Symbol, Maßband und Mutmacher zugleich – und der Beweis, dass man mit Gemeinschaft, Fantasie und ein bisschen Hefe sogar steinerne Türme bewegen kann.