Bad Dürkheim Über den Kirchturm hinaus: Was Kraft gibt, um Krisen zu trotzen

Hoffnung wächst oft nicht laut und spektakulär, sondern im Kleinen, findet unser Autor.
Hoffnung wächst oft nicht laut und spektakulär, sondern im Kleinen, findet unser Autor.

Der Glaube an den Auferstandenen gibt Hoffnung, weiterzumachen – trotz aller Krisen und Unsicherheit, findet Pfarrer Julian Kiefhaber.

Ich sitze auf dem Sofa. In meinem Arm liegt unser zweites Kind, gerade einmal drei Monate alt. Er schläft ruhig. Sein Atem geht ganz gleichmäßig, kaum hörbar. Im Hintergrund laufen die Nachrichten: Ukrainekrieg, Iran, Unruhen im Nahen Osten. Bilder von Zerstörung, dazu Drohungen und eine wachsende Unsicherheit. Die Folgen der Ereignisse spüren wir hier ganz konkret: steigende Spritpreise, teurere Energie. Und in mir wird eine leise, aber hartnäckige Frage immer lauter: Wie wird das alles weitergehen?

Ich schaue auf den Bildschirm und dann wieder auf unser Kind. Und merke: Beides ist da, die große, beunruhigende Weltlage und dieses stille, friedliche neue Leben in meinen Armen. Wie passt das zusammen?

Hoffnung entsteht im Kleinen

Kein Wunder, dass sich viele fragen, ob man heute noch Kinder in diese Welt setzen kann. Nicht umsonst gehen die Geburtenzahlen in Deutschland seit Jahren zurück und sind auf dem niedrigsten Stand seit 1946. Das Gefühl der Dauerkrise bestimmt unsere Wahrnehmung. Und doch kommen – Gott sei Dank – jeden Tag neue Kinder auf diese Welt. Neues Leben, oft unscheinbar und leise, aber mit einer Kraft, die sich nicht aufhalten lässt. Vielleicht übersehen wir dieses Wunder, weil wir lieber auf das Große und Spektakuläre schauen. Dabei wächst Hoffnung oft ganz anders: nicht laut, nicht spektakulär, sondern im Kleinen.

Genau davon erzählt die Osterzeit, in der wir uns als Kirche im Moment befinden. Auch damals begann alles unscheinbar: kein Triumphzug, keine großen Schlagzeilen. Nur ein leeres Grab und ein paar verängstigte Menschen mit der leisen Ahnung: Der Tod hat nicht das letzte Wort.

Und mitten in diese Angst hinein – auch in meine – spricht einer: „Fürchte Dich nicht!“ Ein Satz, den Jesus Menschen immer wieder zugesprochen hat. Nicht, weil es nichts zu fürchten gäbe. Sondern weil er selbst stärker ist als das, was uns Angst macht.

Kraft, um Krisen zu trotzen

Ostern ist kein lauter Sieg. Es ist eine leise, aber tiefgreifende Verschiebung. Denn seitdem steht diese Welt und damit auch mein Leben unter einem anderen Vorzeichen. Das gibt Hoffnung. Damals wie heute erfahren Menschen, dass der Glaube an den Auferstandenen ihnen Kraft gibt, weiterzugehen – trotz aller Angst und Unsicherheit, trotz allem, was dagegen spricht. Denn das Licht von Ostern ist stärker als alles Dunkel. Es ist heller als das, was uns Angst macht, und gibt die Kraft, nicht stehen zu bleiben.

Das heißt nicht, dass die Krisen verschwinden. Dass Kriege plötzlich enden oder Sorgen sich einfach auflösen. Aber es heißt: Sie haben nicht das letzte Wort. Denn das letzte Wort liegt bei Christus. Bei dem, der sagt: „Ich lebe und ihr sollt auch leben“ (Die Bibel, Johannes 14,19).

Der Autor

Julian Kiefhaber ist zurzeit Pfarrer zur Dienstleistung im Dekanat Bad Dürkheim/Grünstadt.

Julian Kiefhaber
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