Bad Dürkheim Über den Kirchturm hinaus: Blühende Erinnerungen
Mit dem 1. März hat der meteorologische Frühling begonnen. Auch wenn die Temperaturen noch schwanken, liegt doch etwas in der Luft: ein heller werdendes Licht, das Zwitschern der Vögel am Morgen, die ersten Knospen an Sträuchern und Bäumen. Die Natur beginnt, sich zu erinnern – an das Leben.
In einem unserer Vorbereitungstreffen zur Erstkommunion bitten wir die Kinder jedes Jahr, einen besonderen Gegenstand mitzubringen: eine Muschel aus dem Urlaub, ein Foto von der Oma, ein kleines Stofftier, das sie schon lange begleitet. Mit leuchtenden Augen erzählen sie, was sie damit verbinden. Der Gegenstand selbst ist oft unscheinbar – doch er trägt eine Geschichte in sich. Er macht Vergangenes gegenwärtig. Für einen Moment ist der Urlaub wieder da, die Umarmung der Großmutter, das Gefühl von Geborgenheit.
„Der Winter hat nicht das letzte Wort“
Genau an diesem Punkt nähern wir uns dem Geheimnis des Brotes in der Kirche. Wenn wir Eucharistie feiern, erinnern wir uns nicht nur an ein fernes Ereignis. Wir denken an das letzte Mahl Jesu mit seinen Freunden – an seine Liebe, an sein Hingeben, an seine Zusage: „Ich bin bei euch.“ In der Feier wird diese Erinnerung lebendig. Sie ist mehr als ein bloßes Zurückdenken – sie ist Vergegenwärtigung. Seine Liebe wird hier und heute erfahrbar – im Zeichen des Brotes.
So wie ein Erinnerungsstück eine ganze Welt öffnen kann, so öffnet das eucharistische Brot den Raum für Gottes Gegenwart mitten unter uns.
Der Frühling kann uns dabei selbst zu einem „Erinnerungsgegenstand“ werden. Nach Wochen der Kälte und Dunkelheit bricht neues Leben hervor. Was tot und erstarrt schien, beginnt zu blühen. Jedes Jahr aufs Neue. Die Natur trägt in sich eine leise Predigt: Der Winter hat nicht das letzte Wort.
Diese Erfahrung gilt nicht nur für das Biologische und Materielle. Auch in unserem Inneren gibt es Winterzeiten: Phasen der Enttäuschung, der Krankheit, der Unsicherheit oder der Krise. Manchmal fühlen wir uns leer oder mutlos. Gerade dann brauchen wir etwas, das uns erinnert: Das Leben kehrt zurück. Hoffnung wächst neu.
Der Frühling lädt uns ein, diese Haltung einzuüben. Er kommt nicht spektakulär, sondern leise und beharrlich. Vielleicht können wir ihn bewusst wahrnehmen, ihn uns „merken“ wie einen kleinen Schatz. Damit wir in persönlichen Winterzeiten nicht verzweifeln, sondern innerlich sagen können: Ich weiß, dass neues Leben möglich ist.
Christlich gesprochen: Wir leben aus der Erinnerung an Ostern. Aus der Zusage, dass Gott Leben schafft, wo wir manchmal nur Begrenzung sehen.
Für unsere Kommunionkinder ist das ein erster Schritt auf Ostern hin. Für uns Erwachsene vielleicht eine Einladung, selbst wieder neu staunen zu lernen. Der Frühling hat begonnen. Möge er unsere Gärten und unsere Herzen erreichen.
Der Autor
Marcel Ladan ist Pastoralreferent und betreut die Gemeindeausschüsse Dackenheim, Ellerstadt und Grethen.