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Samstag, 04. August 2018 Drucken

Bad Dürkheim

Wolfgang Wolf: "Özil war ein Streitpunkt in der Mannschaft"

Ein Interview von Stephan Alfter

Auch ohne Coach zu sein, spricht der 60-jährige Ex-Profi und Fußballlehrer Wolfgang Wolf gerne über seinen Sport. Der Vater einer Tochter und eines bei Lok Leipzig in der Regionalliga spielenden Sohnes hat nach seiner letzten Tätigkeit als Sportdirektor des FC Nürnberg im Jahr 2015 nur noch beratende Funktionen ausgeübt.

Auch ohne Coach zu sein, spricht der 60-jährige Ex-Profi und Fußballlehrer Wolfgang Wolf gerne über seinen Sport. Der Vater einer Tochter und eines bei Lok Leipzig in der Regionalliga spielenden Sohnes hat nach seiner letzten Tätigkeit als Sportdirektor des FC Nürnberg im Jahr 2015 nur noch beratende Funktionen ausgeübt. ( Foto: Franck)

Der in Bad Dürkheim lebende Ex-Bundesligatrainer und frühere Profi Wolfgang Wolf will heute nicht mehr als Coach arbeiten. Die Weltmeisterschaft hat ihn enttäuscht. Im Interview spricht er über Trends im Fußball, über Özil und Gündogan und über den 1. FC Kaiserslautern.

Herr Wolf, fanden Sie die WM auch langweilig?

 

Ich war von der WM enttäuscht, ja. Es war nicht viel Neues dabei.

 

Woran lag das frühe Aus der deutschen Mannschaft aus Ihrer Sicht?

 

Vor allem hat unserer Mannschaft Teamspirit gefehlt. Dass tatsächlich eine Mannschaft auf dem Platz steht, dass jeder für jeden da ist. Die Franzosen haben es geliebt, für Frankreich zu spielen. Das hat man bei uns vermisst.

 

Sie kommen gerade von einer internationalen Trainertagung. Da wurde bestimmt über Trends im gegenwärtigen Fußball diskutiert. Wurde das dort ähnlich gesehen, dass es wenig neue Erkenntnisse gibt?

 

Es gibt, wie gesagt, nicht viel Neues. Viele Teams haben auf Dreierkette umgestellt. Was vielleicht eine Erkenntnis ist: Während des Spiels wurde oft variiert in den Systemen. Wenn es mit Dreierkette nicht funktioniert hat, dann wurde auf Viererkette umgestellt und die defensiven Mittelfeldspieler weiter nach vorne geschoben oder einer rausgenommen, um offensive Leute zu bringen. Was ins Auge gefallen ist: Viele Mannschaften haben mit enormer Geschwindigkeit über die Außenbahn gespielt. Mit dribbelstarken Spielern, die nicht ins System gepresst waren. Standards und eine geordnete Defensive haben wieder einen neuen Wert bekommen. Enge Spiele werden öfter durch Standards entschieden.

 

Die Leistungsdichte ist insgesamt größer geworden. Ist das der Grund für die neue Wertigkeit der Standardsituationen?

 

Genau. Und es werden wieder insgesamt mehr Spezialisten ausgebildet. Solche die Standards reinhauen, Dribbler oder Leute, wie Giroud oder Mandzukic, die den Ball mit dem Rücken zum Tor bearbeiten und ihre Mitspieler im Spiel halten. Das fehlt uns alles. Deutschland hatte aber schon ein Problem, da war noch gar kein Spiel gemacht. Das Problem Özil und Gündogan ist im Vorfeld nicht geklärt gewesen. Es war ein Streitpunkt, was ich jetzt gehört habe, innerhalb der Mannschaft. Viele waren nicht einverstanden – auch weil Özil sich intern nicht erklärt hat, wie ich gehört habe. Es war einfach kein Wir-Gefühl auf dem Platz. Vielleicht fehlt auch Kameradschaft außerhalb des Platzes. Wir haben früher regelmäßig einen Abwehrabend gemacht, wenn wir etwas zu klären hatten. Da ist dann auch mal ein Bier getrunken worden.

 

Sie hätten Özil und Gündogan zu Hause gelassen und Sané mitgenommen?

 

Im Nachhinein kann man das immer sagen. Das will ich jetzt nicht. Joachim Löw hat das Gefühl gehabt, dass er das Gefüge innerhalb der Mannschaft hinbekommt und hat der Sache nicht so viel Gewicht gegeben. Das wurde falsch eingeschätzt. Wenn sie gewusst hätten, was auf sie zukommt, hätten die Trainer auf die beiden verzichten müssen.

 

Wurden also grundsätzliche Fehler gemacht beim DFB?

 

Nach der Qualifikation gab es kein einziges gutes Spiel mehr. Aber die Spieler müssen sich auch mal aus der Wohlfühloase verabschieden. Es wurde geschimpft über die Unterkunft. Wo kommen die denn her? Mir hat einfach die Einstellung zur Nationalmannschaft gefehlt. Unser Problem ist aber auch in der Bundesliga begründet. Bei jeder kleinen Attacke haben die Spieler zum Schiedsrichter geschaut und sich gewundert, dass der nicht pfeift. Bei uns werden Nickligkeiten zu schnell abgepfiffen. Wenn einer schreit, bekommt er ein Foul.

 

Ist der Ballbesitzfußball decodiert?

 

Der Ballbesitzfußball wird bleiben. Aber man muss schneller zum Abschluss kommen, durch schnellere Aktionen zum Tor. Das haben uns Mannschaften wie die Franzosen und die Kroaten gezeigt. Ich hätte gerne viel öfter einen Julian Brand gesehen, der auch mal andere Sachen gemacht hat. Wir müssen uns von unserem Schema F verabschieden und mal was umstellen, wenn wir merken, dass wir mit unserem Spiel nicht durchkommen.

 

Wenn Sie auf den Fußball blicken, den Sie in 308 Profi-Spielen gespielt haben. Was ist der wesentliche Unterschied zu früher?

 

Da hat sich schon viel verändert. Der wesentliche Unterschied ist die Bezahlung. Laufen musste man früher schon. Wir sind härter in die Zweikämpfe gegangen und haben auch gewusst, wo das Tor steht. Ich sehe zu wenig Weitschüsse heute aus 18 oder 20 Metern. Das Mut zum Dribbling fehlt heute auch.

 

Ihre Reise als Spieler hat beim 1. FCK richtig begonnen – zu vergleichsweise erfolgreichen Zeiten. Sie kennen die Verantwortlichen wie Martin Bader gut. Wohin geht die Reise in diesem Jahr?

 

Martin Bader hat es hinbekommen, dass Ruhe und Zuversicht herrscht. Das braucht man jetzt. Bader und Trainer Frontzeck sind die Richtigen zum jetzigen Zeitpunkt. Auch Gerry Ehrmann lebt den FCK.

 

Ist der direkte Wiederaufstieg Pflicht?

 

Wenn sich ein Absteiger, der nicht auf Rosen gebettet ist, einen Stürmer wie Timmy Thiele aus Jena für Hunderttausende von Euro leistet und einen Kader hat, der gut zusammengestellt ist, dann ist der Aufstieg Pflicht. Ich weiß nicht, ob das zwei, drei Jahre in der Dritten Liga funktioniert. Es wird ganz schwer. Dass die Fans bereit sind, den Weg mitzugehen, hat man am ersten Spieltag gesehen.

 

Wohin führt Ihre eigene Reise im Fußball?

 

Ziel ist, das Leben und die Freizeit mit Familie und Freunden zu genießen. Das konnte ich lange nicht, weil ich oft eine Siebentage-Woche hatte. Als Trainer im Profibereich wird es den Wolf nicht mehr geben. Da hat bei mir ein Umdenken nach dem Tod meines Bruders Arno vor fünf Jahren stattgefunden. Ganz im Kleinen, im Umfeld von Bad Dürkheim würde ich vielleicht noch was machen und helfen.

 

Sie fühlen sich wohl hier.

 

Bad Dürkheim war die beste Entscheidung. Wir fühlen uns in unserem Umfeld sehr wohl hier.

 

Letzte Frage: Verliert der bezahlte Fußball gerade seinen Reiz, weil er sich durch die Summen, um die es geht, von seinen Fans entfernt?

 

Ich habe auch den Eindruck, dass durch das Geld eine Entfremdung stattfindet. Die Verhältnismäßigkeit stimmt schon lange nicht mehr. Ich weiß nicht, wie lange das noch geht. Mir gefällt das nicht. Die jungen Spieler sind zu früh zu satt. Wo willst Du sie als Trainer noch packen?

 

Auf der folgenden Rheinpfalz-Seite findet ihr alle Informationen zum 1.FC Kaiserslautern 

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