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Dienstag, 15. Januar 2019 Drucken

Bad Dürkheim Land

„Wie Schalke 04“

Interview: Der Ludwigshafener Kulturbüroleiter Fabian Burstein ist Mitveranstalter der „Stunde der Studierenden“. Darüber hat Steffen Gierescher mit dem 36-Jährigen gesprochen.

Heimspiel im „Hausboot“: Fabian Burstein leitet seit Mai 2016 das Ludwigshafener Kulturbüro. Studiert hat der 36-jährige Österreicher in Wien – Publizistik und Kommunikationswissenschaften.

Heimspiel im „Hausboot“: Fabian Burstein leitet seit Mai 2016 das Ludwigshafener Kulturbüro. Studiert hat der 36-jährige Österreicher in Wien – Publizistik und Kommunikationswissenschaften. ( Foto: ier)

«Ludwigshafen.» Herr Burstein, passt das Prädikat „Uni-Stadt“ aktuell zu Ludwigshafen?

Ja und Nein.

 

Warum Ja, warum Nein?

Ja, weil Ludwigshafen objektiv gesehen ein großer Universitätsstandort mit einem breiten akademischen Angebot für rund 4500 Studierende ist. Nein, weil sich die Stadt selbst längst nicht so sieht und in vielen Punkten auch nicht so agiert. Diese Schere muss man schließen.

 

Sie sind Fußball-Fan: Wenn Heidelberg und Mannheim als Unistädte in der Bundesliga Dortmund und Bayern, also die Tabellenführer, wären. Wo würden Sie Ludwigshafen platzieren?

Dann ist Ludwigshafen wie Schalke 04: sehr rau, sehr kultig, sehr schnörkellos, ständig von Formschwankungen bedroht, aber mit dem Potenzial, nach oben aufzuschließen. Außerdem gäbe es dann Revierderbys, die immer Spaß machen.

 

Was muss Ihrer Ansicht nach passieren, damit Ludwigshafen ein paar Plätze nach oben klettert und sich die Schere schließt?

Man müsste – um in der Fußball-Metapher zu bleiben – im Wesentlichen ein Leistungszentrum bauen, das Lebensqualität in Form von Wohnen, in Form größerer Nähe zur Kulturlandschaft und in Form von einer Wohlfühlinfrastruktur wie Verweilplätze bietet, speziell in der Innenstadt.

 

Welche Trainer wäre dafür nötig?

Ich glaube, wir bräuchten einen Typen wie Ralf Rangnick, der geduldig ist und handwerklich richtige Aufbauarbeit mit europäischen Spitzenambitionen leistet.

 

Der coacht Leipzig, aber nicht Ludwigshafen. Welche Akteure sind vor Ort gefordert?

Die unmittelbar Studierenden und die Leute, die für die universitäre Infrastruktur und fürs Thema studentisches Wohnen zuständig sind. Und natürlich Institutionen, die Studenten beraten und ihnen ein gewisses Lebensgefühl mitgeben, wie das Studierendenwerk Vorderpfalz.

 

Wie meinen Sie das?

Das Studierendenwerk sollte mit maßgeblichen Einheiten von Landau nach Ludwigshafen übersiedeln, etwa mit Service- oder Vermittlungsangeboten und Raumressourcen, um hier das Lebensgefühl zu inhalieren, mitzugestalten und an Studierende weiterzugeben. Auch die Hochschule und ihr Personal, allen voran die Professoren, sind gefragt. Momentan leben viele noch den Studenten vor: Hier erfüllt ihr die Pflicht und für die Kür haut ihr ab, weil wir machen es genauso. Das ist ein fatales Signal. Ein Großteil des Führungspersonals der Ludwigshafener Kultureinrichtungen wohnt in Ludwigshafen oder angrenzenden Gebieten. Das ist kein Zufall, das braucht es auch, um das Leben hier zu spüren.

 

Es geht um ein Bekenntnis zur Stadt.

Genau. Ich möchte jetzt nicht von einer Residenzpflicht sprechen. Aber da muss schon einiges passieren. Und man muss die Studierenden selbst in die Pflicht nehmen. Das sind keine Schutzbedürftigen, sondern gestandene erwachsene Menschen, die sich ihren Standort auch zur Brust nehmen, Wünsche formulieren und für deren Umsetzung aktiv werben können. Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft haben die Aufgabe, entsprechende Angebote zu gestalten.

 

Kultur und Studenten, wie passt das für Sie zusammen?

Eigentlich ist das eine natürliche Symbiose. Wir müssen uns gerade deshalb darauf besinnen, dass es ohne einander nicht geht. Vielleicht ist das ein Schlüssel zu einer Stadtentwicklung, die auch Großprojekte wie den anstehenden Hochstraßenabriss auf einer Ebene der Lebensqualität begleiten können.

 

Braucht Ludwigshafen einen Hochschul-Campus in der Innenstadt?

Das muss kein Campus sein, aber die Innenstadt braucht Studenten. Der Weg dahin ist variabel. Das kann ein City-Campus, das kann ein universitäres Sportangebot, das können aber auch Service-Einrichtungen oder innovative Mensa-Konzepte sein.

 

Oder eine Veranstaltung wie „Die Stunde der Studierenden“. Welche Erwartungen verbinden Sie damit?

Im Wesentlichen erwarte ich mir, dass dieses Feuer, das die Debatte ins Lodern gebracht hat, jetzt noch einmal ordentlich angefacht wird. Wichtig ist zu diesem Zeitpunkt, dass diese Bewegung und Emotionalität, die da eingekehrt ist, nicht verpufft, sondern kultiviert und weiter vorangetrieben wird. Man darf sich durchaus dem Schmerz aussetzen, den solche Reibungen verursachen. Dafür sind solche Veranstaltungen da. Das ist kein Kuschel-Meeting, sondern eine ernsthafte Auseinandersetzung.

Termin

„Die Stunde der Studierenden“, Dienstag, 22. Januar, 19 Uhr (Einlass: 18.45 Uhr), „Hausboot“ (Kulturzentrum Das Haus, Bahnhofstraße 30). Mit dabei sind Verantwortliche aus Politik und Wirtschaft, von der Hochschule und Studenten. Moderator ist Steffen Gierescher vom Co-Veranstalter RHEINPFALZ. Der Eintritt ist frei.

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