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Freitag, 11. Januar 2019 Drucken

Bad Dürkheim: Kultur Regional

Weites Land

Wo die Trump-Wähler im Mittleren Westen leben – Fotografien in Mannheim

Von Antje Landmann

Befindet sich das Land in einer Einbahnstraße seit der Trump-Wahl?

Befindet sich das Land in einer Einbahnstraße seit der Trump-Wahl? ( Foto: Klein & müller)

„One Way“ nennt das Fotografen-Paar Andrea Klein und Ralf Müller ihren Road Trip durch den Mittleren Westen, in die US-Bundesstaaten, die entscheidend für die Wahl des Präsidenten Donald Trump waren. Selten werden diese Landstriche bereist, meist nur überflogen und als „Flyover States“ belächelt. In der Mannheimer Ten Gallery zeigt das Duo seine dezenten Stillleben, durch die ein Hauch Nostalgie weht.

Benzin und Bier kann man hier tanken, irgendwo an einer Straßenkreuzung in der Wüste: zwei Zapfsäulen, eine Holzhütte vor einem Getreidesilo, ein Strommast. Gleich könnten Thelma und Louise aus dem gleichnamigen Film hergebraust kommen. Vielleicht hat auch Janet Leigh hier einen Zwischenstopp eingelegt, bevor sie sich im „Psycho“-Motel einquartierte. „Wie in einem alten Film“, schreibt die Fotografin Andrea Klein in ihr Tagebuch über diesen Flecken namens Howes in South Dakota. Und das könnte auch als Motto über dieser Ausstellung stehen. „Man wartet, dass etwas passiert. Die Bilder strahlen in ihrer minimalistischen Art Ruhe aus“, begründet die Galerie-Inhaberin Deborah Musso, warum sie sich für das Projekt interessiert hat.

8500 Kilometer sind Andrea Klein und Ralf Müller über Schotterpisten zwischen Chicago und Salt Lake City gefahren, im Frühjahr 2017, ein halbes Jahr nach der Präsidentschaftswahl. „Wir fragten uns, wo die Trump-Wähler herkommen“, sagt der 51-jährige Software-Architekt. Gefunden haben sie verrammelte Geschäfte in einem ehemals prosperierenden Landstrich, der durch das Ansteigen des Ölpreises seine Lebensgrundlage verloren hat. Weite Felder, die so effizient bewirtschaftet werden, dass kaum Arbeitskräfte mehr nötig sind. Ein Post Office in Utah, das verlassen ist, seit anderswo eine Schnellstraße gebaut wurde. „So sieht das Leben aus, wir haben nicht gezielt nach Lost Places gesucht", meint die 52-jährige Software-Entwicklerin.

Mit ein paar Vorurteilen sind sie angereist und wurden überrascht. Ralf Müller erinnert sich an eine Pause an einem Ort, den sie fotografisch erkunden wollten. Mit geöffneter Heckklappe packte er den Wasserkocher aus, während seine Frau zum Erkunden loszog, als er einen Mann auf einem Quad meilenweit entfernt angebraust kommen sah. Das gibt Ärger, dachte er. Aber der Mann glaubte, sie hätten eine Panne. Hilfsbereit, mit offener, unaufdringlicher Neugier seien ihnen die Bewohner begegnet.

Menschenleer wirken die Landstriche indes auf ihren Fotos. „Ich warte meistens, bis die Leute aus dem Bild gelaufen sind“, sagt Andrea Klein. Sie mag keine Street Photography, und für gute Porträts hätte man mehr Zeit mit den Menschen verbringen müssen. Wie Ralf Müller, der den Alltag im Silicon Valley dokumentieren will, wo er sich beruflich häufig aufhält. Oder in ihrem laufenden Projekt, bei dem sie Lkw-Fahrer an Raststätten besuchen.

Greytoneduo nennt sich das Fotografen-Paar mit Künstlernamen, weil sie in der analogen Zeit nur mit Schwarz-Weiß-Filmen gearbeitet haben. „Farbe ist ein starker Stimmungsträger“, sagt Andrea Klein. „Ohne Farbe muss man stärker nach gestalterischen Mitteln suchen.“ Durch die digitale Fotografie hat sich doch ein Farbschimmer hereingeschlichen, den Andrea Klein in der Nachbearbeitung dosiert. „Der Himmel in den USA war oft knatschblau, aber ich hatte die Filme der 60er-Jahre im Hinterkopf und will das Gefühl eines verblassten Films vermitteln.“ Die einst grünen Wiesen erscheinen wie eine Mondlandschaft – so verlassen und karg, wie es die Trump-Wähler empfinden mögen.

Termin

„One Way“. Ein fotografischer Road Trip durch die Flyover States. Bis 15. Februar in der Ten Gallery in Mannheim (T 6,10). Geöffnet donnerstags bis samstags von 11 bis 19 Uhr. Künstlergespräch am Freitag, 11. Januar, um 19 Uhr. Kontakt: www.ten-gallery.com

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