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Donnerstag, 17. Januar 2019 Drucken

Bad Dürkheim

Stufenlos glücklich

Blickpunkt: Mehr Platz für Rollstühle, ein akustisches Signal für Blinde und keine Stufen im Mittelwagen. Für ihre neuen Straßenbahnen hat die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) in Sachen Barrierefreiheit nachgebessert. Damit reagiert das Unternehmen auf Kritik von Senioren- und Behindertenverbänden vor allem am Innenausbau.

Von Rebekka Sambale

«Mannheim/Bad Dürkheim.»„Wir haben zur Kritik aufgerufen. Und die haben wir auch bekommen“, sagt Klaus Dillinger (CDU). Der Ludwigshafener Verkehrsdezernent ist zugleich RNV-Aufsichtsratsvorsitzender. In den Mannheimer Stadtratssaal sind am Dienstagabend etwa 60 Menschen gekommen – Senioren, Sehbehinderte, Menschen in Rollstühlen und solche mit Rollatoren. Es sind die Vertreter von Interessenverbänden, die den Entwurf für die neuen Straßenbahnen massiv kritisiert haben. Wie berichtet, hatte die RNV bei Skoda Transportation 80 neue Trams in Auftrag gegeben. Ab 2021 sollen die insgesamt rund 250 Millionen Euro teuren Bahnen die bisherigen nach und nach ersetzen. Sie werden dann durch die Städte Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg, aber auch bis nach Bad Dürkheim fahren.

Nachdem das Straßenbahnmodell Anfang Oktober offiziell vorgestellt wurde (wir berichteten), kamen zwölf Interessenverbände nach Mannheim, um sich dort das Mock-Up anzuschauen: Dieses Eins-zu-Eins-Modell der Bahn konnten sie testen und ihre Einschätzung dazu abgeben. Mit dabei waren unter anderem die Behindertenbeauftragten der Städte Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg, die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreiheit Mannheim und der Seniorenrat Ludwigshafen. Kritik gab es vor allem an den vielen Stufen im Innern. Während die RNV bei kleineren Kritikpunkten Änderungen direkt zugesagt hatte, waren die Verbände wenig zuversichtlich, dass die Stufen abgeschafft werden.

Umso größer die Überraschung im Stadtratssaal. Erhöhungen innerhalb der Wagen seien – wegen der Drehgestelltechnik bei den Rädern – zwar immer noch nötig, könnten nun aber mit Rampen überwunden werden, erklärt Martin in der Beek. Er ist Technischer Geschäftsführer der RNV. „Das hat mich persönlich auch sehr umgetrieben“, betont er. Die Rampen nahe der Eingänge sollen eine Steigung von sechs Prozent haben , weiter zur Mitte hin eine von acht bis zehn Prozent. Rampen statt Stufen sollen nicht nur gehbehinderten und älteren Menschen das Bahnfahren erleichtern. Für alle Fahrgäste werde es so einfacher, in den mittleren Bereich der Tram aufzurücken, sagt in der Beek.

Man habe „die Mehrheit der Anregungen positiv umsetzen“ können. Durch versetzte Türen ganz vorne und hinten im Fahrzeug gibt es nun zwei Stellplätze für Rollstuhlfahrer statt nur einen. Einer davon kann auch für E-Scooter verwendet werden. An den Rollstuhlplätzen gibt es keine Klappsitze mehr. So lässt sich einfacher rangieren. Stattdessen sind vier „normale“ Sitze neuerdings ebenerdig zu erreichen – etwa für Menschen mit Rollatoren. Die Rampe für Rollstuhlfahrer – sie sollen immer an der vorderen Tür, nahe beim Fahrer einsteigen – wurde von 78 auf 90 Zentimeter verbreitert. Ein akustisches Türsignal hilft Sehbehinderten.

„Uns war es wichtig, ein ehrliches Dialogverfahren durchzuführen, das auch zu echten Veränderungen führt“, so in der Beek. Gerade beim Thema Barrierefreiheit sei der RNV bewusst geworden, „dass wir hier besser werden müssen“. Die Veränderungen seien in Absprache mit dem Hersteller Skoda beschlossen worden. Dass es nun einen zweiten Entwurf gebe, werde zu „keiner Kostensteigerung in großem Maße“ führen, ergänzt er auf Nachfrage.

Von vielen der Anwesenden im Stadtratssaal gibt es positive Reaktionen, sogar Dank. „Wenn man kritisiert, soll man auch loben“, sagt Birgitta Scheib, Vorsitzende des Seniorenrats Ludwigshafen. Dennoch bleibe die Frage, warum die Verbände nicht bereits im Vorfeld mit in die Planung hätten einbezogen werden können. „Da ist etwas versäumt worden“, kritisiert Scheib. Man habe von vornherein die Normen – etwa zur Barrierefreiheit – berücksichtigt, so in der Beek. Aber es käme auf die Fahrgäste an. „Wir müssen bei der Vielzahl der Nutzerarten zwangsweise zu einer Kompromisslösung kommen“, kommentiert der Behindertenbeauftragte Hans-Joachim Weinmann.

Dennoch nehmen die Zuständigen der Städte an diesem Abend weitere, teils neue Kritikpunkte mit. Martin in der Beek betont aber: „Wir müssen jetzt einen Schlusspunkt setzen, um das Fahrzeug bauen zu können.“ Er spricht von einer „historischen Chance“, da es mit der Rhein-Neckar-Tram 2020 zum ersten Mal einen einheitlichen Fuhrpark in der Region gebe. Auch das sei für mobilitätseingeschränkte Menschen ein Fortschritt.

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