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Mittwoch, 16. Januar 2019 Drucken

Bad Dürkheim

Schrankdesign per Mausklick

Handwerk 4.0: Bei der Firma HWP, den Möbelmachern aus Ellerstadt, hat die digitale Technik in den Produktionsabläufen und in der Bestell- und Auftragsabwicklung Einzug gehalten. Das persönliche Gespräch mit dem Kunden ist trotzdem unverzichtbar.

Von Jens Lepthien

Will trotz aller Technisierung nicht auf die Handwerkskunst seiner Mitarbeiter verzichten: Firmenchef Ralf Pojtinger an der computergesteuerten Fräse.

Will trotz aller Technisierung nicht auf die Handwerkskunst seiner Mitarbeiter verzichten: Firmenchef Ralf Pojtinger an der computergesteuerten Fräse. ( Foto: Franck)

«ELLERSTADT.»Wenn Ralf Pojtinger, Chef der Möbelmacher aus Ellerstadt, über die moderne Möbelfertigung berichtet, wird schnell klar, dass heutzutage ohne die digitale Technik nur noch wenig geht. Allerdings legt er auch Wert darauf, dass der persönliche Kontakt zum Kunden enorm wichtig ist. Neben elektronisch gesteuerten CNC-Fräsen und Kantmaschinen, die den 17 Schreinern die Arbeit im Betrieb erleichtern, ist nach wie vor Handarbeit und die Absprache mit dem Auftraggeber erforderlich.

Der 1981 in Friedelsheim von Rudolf Pojtinger gegründete Familienbetrieb, der 1994 nach Ellerstadt umgezogen ist, wird seit 2010 von den Geschwistern Sandra (36), Schreinermeisterin und zuständig für Materialbeschaffung, Verkauf und Lohn- und Gehaltsabrechnung, und Ralf Pojtinger (38), dem staatlich geprüften Gestalter und Schreinermeister, geführt. 2016 haben die Pojtingers mit der Übernahme der Schreinerei Jung in Ludwigshafen einen weiteren Standort eröffnet. In beiden Betrieben, die eine Produktionsfläche von 3500 Quadratmetern aufweisen, wurde 2017 ein Umsatz von drei Millionen Euro erwirtschaftet.

Zu den Auftraggebern zählen neben Privatkunden und Architekten, die sich mit Ausschreibungen an die Möbelmacher wenden, auch Großkunden wie die BASF und Edeka. Immer öfter werde das Know-how der Möbelmacher auch von Winzern, die ihre Vinotheken modernisieren und umgestalten nachgefragt.

Das Prinzip von Handwerk 4.0 wird vom Schreinermeister an einem Beispiel verdeutlicht: Möchte ein Kunde einen neuen Schlafzimmerschrank bestellen, kann er sich auf der Homepage des Ellerstadter Handwerksbetriebs unter dem Button „Möbelplaner“ sein Möbelstück selbst konfigurieren. Dabei kann er Größe, Breite, Tiefe und die Materialien auswählen, sich für Funktionen, Beschläge und Griffe entscheiden. Am Ende werde dann auch der Preis für den Schrank angegeben, erklärt Pojtinger. „Wenn der Kunde sich entschieden hat, ruft er entweder bei uns an oder schickt seinen Wunsch per E-Mail“, führt er weiter aus.

Ralf Pojtinger fährt dann zum Beratungsgespräch und nimmt vor Ort die genauen Maße auf. Mithilfe des rechnerunterstützten Konstruierens, dem CAD (Englisch: Computer-Aided Design), wird auf dem Rechner entweder ein zwei- oder dreidimensionaler Entwurf gezeichnet, der in Form eines Angebotes per E-Mail an den Kunden verschickt wird. Ist dieser damit einverstanden, komme er in die Schreinerei, um letzte Details zu besprechen. Dieser Schritt sei nötig und nicht auf dem elektronischen Wege möglich, sagt Pojtinger.

Aus der Planung, die online erstellt wurde, könnten nun sämtliche Daten generiert werden, um den Schrank zu bauen. „Ich brauche nur noch den Startknopf zu drücken und dann läuft das Ding auf der Fräse CNC-gesteuert durch, weil alle Maße, Bohrungen, Kanten, Nuten und so weiter feststehen“, erklärt Pojtinger. CNC steht für „Computerized Numerical Control“ und bedeutet computerisierte numerische Steuerung.

Nach und nach könnten dann alle Schrankelemente auf diese Weise produziert werden, um anschließend beim Kunden zum fertigen Schlafzimmerschrank zusammengebaut zu werden.

Ralf Pojtinger betont, dass diese Art der Produktion zum alltäglichen Geschäft gehöre, er aber nicht auf die Handwerkskunst seiner Mitarbeiter verzichten will. „Ich möchte nicht nur Maschinenbediener beschäftigen, sondern Schreiner, die ihre kreativen Ideen mit in den Job einbringen“, gibt der junge Unternehmer freimütig zu.

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