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Donnerstag, 06. September 2018 Drucken

Bad Dürkheim

Mit Dirndl auf den Wurstmarkt? Nein!

Von Britta und

Chako Habekost

(Foto: HYP Yerlikaya Photography)

Habeköstlichkeiten: Lieber im Winzerkittel als in Dirndl und Lederhosen auf den Wurstmarkt

Wurstmarkt, Wuma, Wu-Mama, Mutter aller Weinfeste. Uraltes Ritual, bei dem die Pälzer der Welt zeigen, wie dankbar sie sind, dass sie in einem Land leben dürfen, wo soviel Rebe lebe, wo so literarisch sin, dass ma se lese kann.

 

Wer einmal erlebt hat, wie die Massen dem heiligen Gral des Dubbeglases huldigen und wildfremde Leute dabei Brüder und Schwestern werden, der weiß, wie es in grauer Urzeit mal gewesen sein muss, als es noch keine EU-Normierungswut gab und keine Sperrstunde und auch keine Promillemessgeräte. Bacchus un Brotworschd, Wein und Wasser, Babbelorgie und ein Kelch für 4,50 Euro. Die Welt zu Gast in Derkem.

 

Letztes Jahr trafen wir ein älteres Paar aus München. Sie erzählen mit rollendem Riesling-„R“ von überfüllten Bierzelten daheim, wo man Hunderte Euro für einen Platz zahlt, um ihn nach zwei Stund’ wieder räumen zu müssen, nachdem man drei Liter Schaum runtergeworkst hat. Umso mehr freuen sie sich über dieses noch verbliebene echte Volks(!)fest, das so authentisch pfälzisch ist, dass viele einheimische Frauen mit einem bayrischen Dirndl und auch einige Männer in Lederhosen auflaufen.

Lieber nackisch als bayrisch

 

Warum nur? Gute Frage! Wenn die Army-Soldaten aus Ramstein das machen – verständlich. Die wissen’s nicht anders. Die sind gewohnt, uniformiert durch fremde Länder zu marschieren. Und wir? Haben wir nix eigenes, authentisch Pälzisches, um unser heiligstes Fest zu feiern? Wenn sogar die Bayern unsern Wurstmarkt lieben, weil der nicht volksdümmlich, sondern –tümlich ist, wieso imitieren dann einige Pälzer/innen den bayrischen Trachten-Mainstream? – Alla hopp: wir rufen auf zu einer neuen pälzischen Volksbewegung: lieber pälzisch als Dirndl, lieber nackisch als bayrisch!

 

Wir haben doch unseren eigenen Winzerstoff aus dem die Pälzer Rebenträume sind. Blau-weiß gestreift und trotzdem besser wie jeder Schlafanzug. En schäne Winzerkittel, mit breeter Bruscht fer de Auguscht un figurbetont mit Taille fer die Chantalje. Mir hänn en Dream: de ganze WuMa voller blau-weiß gestreifter Eingeborener. Schließlich ist das nicht irgendein Oktoberfest, sondern die heilige Volksversammlung aller Feierwütigen und Herzblut-Pälzer.

 

Wissenerwiemermääne? Alla donn.

 

 

 

Die Kolumne

Britta und Chako Habekost leben in Bad Dürkheim. Für die RHEINPFALZ schreiben die Autoren der „Elwenfels“-Krimireihe einmal im Monat über Aktuelles, Außergewöhnliches und Amüsantes aus ihrer Heimatstadt. 

 

Auf der folgenden RHEINPFALZ-Seite findet Ihr alle Informationen zum Wurstmarkt.

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