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Mittwoch, 16. Januar 2019 Drucken

Bad Dürkheim

„Manche Fälschungen sind Sammlerobjekte“

Interview: Der Archäologe Thomas Kreckel über die Geschichte des Falschgelds – Morgen Vortrag

Vorbild dieser von Thomas Kreckel geprägten Münze aus Zinn ist die römische Handelsmünze Denar.

Vorbild dieser von Thomas Kreckel geprägten Münze aus Zinn ist die römische Handelsmünze Denar. ( Foto: Ladwig)

«Bad Dürkheim.» Fast zeitgleich mit der Verwendung von Münzen als Zahlungsmittel kam Falschgeld in Umlauf. Die Strafen für seine Herstellung waren drastisch: Schon im antiken Griechenland drohte Fälschern die Todesstrafe. Wir haben mit dem Weidenthaler Thomas Kreckel, der in der Region mehrere Grabungen geleitet hat und derzeit an der Universität Heidelberg an einem Münzforschungsprojekt arbeitet, über täuschende Imitate und betrügerische Hersteller gesprochen.

Herr Kreckel, seit wann gibt es Münzen als Zahlungsmittel und aus welcher Zeit stammen die ältesten Funde in unserem Raum?

Die ersten Münzen wurden um 600 vor Christus in Lydien in Kleinasien geprägt, wo König Krösus für sein gesamtes Herrschaftsgebiet das erste Münzsystem erfand. Bald darauf wurden in Griechenland die ersten Silbermünzen und in Rom die erste einheitliche Währung eingeführt. Ab 211 vor Christus prägten die Römer mit dem Denar regelmäßig Silbermünzen. Die ältesten Münzfunde im Dürkheimer Raum stammen aus der keltischen Zeit, etwa aus dem dritten und zweiten Jahrhundert vor Christus. Mindestens eine keltische Münze konnte auf der Heidenmauer entdeckt werden. Allerdings stammt sie nicht aus der Besiedlungszeit des Ringwalls, da die Kelten um 500 vor Christus noch keine Münzen herstellten. Ansonsten fanden sich keltische Münzen auch in der Umgebung der Villa am Weilberg in Ungstein. Meist handelt es sich um Bronzemünzen.

Gingen mit den ersten Münzen denn auch gleich die Münzfälscher ans Werk? Und wie groß war für sie das Risiko, erwischt und bestraft zu werden?

Falschmünzerei ist fast so alt wie die Münzprägung selbst. Erste Fälschungen fanden sich bereits in Lydien im frühen sechsten Jahrhundert. Falschmünzer in der Antike gingen ein hohes Risiko ein. Wenn sie erwischt wurden, hat man sie meist zum Tode verurteilt – in verschiedenen unangenehmen Varianten. Die Wahrscheinlichkeit, entlarvt zu werden, hing aber meist von der Qualität der Fälschungen ab. Je besser die Fälschung gelang, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, damit aufzufliegen.

Wann begannen die Menschen, Münzen zu sammeln?

Münzen wurden offenbar schon in der Antike gesammelt. Ein Aufschwung der Sammlertätigkeit lässt sich zu Beginn der Renaissance beobachten, da die Rückbesinnung auf die griechisch-römische Antike es mit sich brachte, auch ihre Relikte zu sammeln. Besonders Kleinfunde wie Münzen und Gemmen wurden gerne zusammengetragen. Ein gutes Beispiel hierfür ist Cyriacus von Ancona, ein Kaufmann aus dem 15. Jahrhundert. Auf seinen Reisen dokumentierte er antike Inschriften und ähnliches, auch sammelte und verkaufte er Münzen.

Sie unterscheiden im Titel Ihres Vortrags zwischen Münzfälschern und Falschmünzern – praktiziert der eine weniger betrügerisch als der andere?

Der Münzfälscher handelt wie der Falschmünzer, der aktuelles Geld fälscht, aus kriminellen Motiven. Er weiß, dass ein Sammler immer auf der Suche nach seltenen Geprägen ist und versucht die Nachfrage durch Eigenproduktion zu befriedigen, um damit ordentlichen Gewinn zu machen. Mittlerweile sind Fälschungen bekannter Münzfälscher selbst begehrte Sammlerobjekte. Hierbei wurden aber nicht nur „echte“ Gepräge kopiert, sondern es entstanden bisweilen auch „erfundene“ Münzen.

Termin

Über Falschmünzer und Münzfälscher spricht der Archäologe Thomas Kreckel am morgigen Donnerstag ab 19.30 Uhr im Dürkheimer Haus Catoir bei der Museumsgesellschaft. | Interview: Sigrid Ladwig

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